Lebensgefahr durch Kupferkabeldiebe
11.06.2026 BaselbietVorerst vor allem ein Problem in der Agglomeration
sep. Offen herumliegende, unter Spannung stehende abgetrennte Starkstromkabel auf Baustellen, wie sie vor Kurzem in Binningen gefunden wurden, sind nicht nur ein Fall für die Polizei, sondern vor allem auch ein ...
Vorerst vor allem ein Problem in der Agglomeration
sep. Offen herumliegende, unter Spannung stehende abgetrennte Starkstromkabel auf Baustellen, wie sie vor Kurzem in Binningen gefunden wurden, sind nicht nur ein Fall für die Polizei, sondern vor allem auch ein Sicherheitsrisiko. Gemäss Polizeisprecher Adrian Gugler sind bisher allerdings keine Baustellen im Oberbaselbiet heimgesucht worden. Die bekannten Fälle betreffen bislang die Agglomeration; ein weiterer Diebstahl ereignete sich in Pratteln.
Die Gefahr entsteht dort, wo Täter Kabel aus Baustelleninstallationen schneiden und offene Enden zurücklassen. Solche Leitungen können weiterhin unter Strom stehen. Für Passantinnen und Passanten, spielende Kinder oder Tiere, die eine Baustelle, einen Randbereich oder ein Allmendstück betreten, kann der Kontakt lebensgefährlich sein.
Der Baumeisterverband Region Basel warnt deshalb ausdrücklich vor den Folgen solcher Delikte. Kabeldiebstähle verursachten nicht nur Materialschäden und Verzögerungen auf Baustellen, sondern könnten auch ungesicherte Anlagen, offene Leitungen und beschädigte Installationen hinterlassen.
Gefahr zuerst bannen
Stellt ein Unternehmen einen solchen Vorfall fest, hat laut Verband die Gefahrenabwehr oberste Priorität. Die betroffene Stelle müsse sofort abgesperrt, gesichert und gekennzeichnet werden, damit niemand zur möglichen Gefahrenquelle gelangen könne. Einen eigentlichen standardisierten Prozess gebe es nicht, der Verband habe nach dem letzten Ereignis aber einen groben Ablauf definiert.
Empfohlen wird, umgehend den zuständigen Energieversorger zu kontaktieren, etwa Primeo oder EBL, damit die Leitung abgeschaltet werden kann. Danach sollen Polizei und zuständige Gemeinde informiert werden; je nach Lage kann auch die Feuerwehr beigezogen werden. Gerade weil Starkstromkabel häufig über Allmendgebiet verlaufen, kommt den Gemeinden eine wichtige Rolle zu.
Sie tragen nicht nur Verantwortung für öffentliche Flächen, sondern können die Bevölkerung auch rasch sensibilisieren. Wer auf einer Baustelle abgetrennte Kabel, offene Leitungen oder auffällige Beschädigungen bemerkt, sollte Abstand halten und die Stelle nicht berühren. Entscheidend ist, dass die Gefahr nicht unterschätzt wird: Ein scheinbar «totes» Kabel kann weiterhin Spannung führen.
80 Franken Schrottwert je Meter
Der Anreiz für die Täter liegt im Materialwert. Kupfer ist auf dem Rohstoffmarkt seit Längerem gefragt und entsprechend teuer. Die Starkstromkabel wiegen laut Medienberichten bis zu 10 Kilogramm pro Meter, was im Schrotthandel rund 80 Franken entspricht. Der Schaden allerdings ist, abgesehen von der Lebensgefahr, noch höher – Neukabel kosten mehr als das Doppelte des reinen Kupferwerts. Für die Baufirmen bleibt nach einem Diebstahl nicht nur der Materialverlust, sondern auch der Aufwand für Sicherung, Ersatz und Neuorganisation.
Verhaftungen in anderen Kantonen zeigen, dass das Problem nicht auf die Region Basel beschränkt ist. In der Region Brugg im Kanton Aargau wurden in der ersten Jahreshälfte gleich zweimal Verdächtige angehalten, die sich an Kabeln zu schaffen gemacht hatten. Auch aus der Innerschweiz und dem Wallis werden Diebstähle gemeldet, und in Wabern (BE) wurde im Februar eine kupferne Regenrinne gestohlen.
