Lauwil – unbekannter Spitzenreiter
19.05.2026 BaselbietIn der Bevölkerungsstatistik ragen verschiedene Gemeinden hervor
Vom Bevölkerungswachstum im Kanton ist in den beiden Oberbaselbieter Bezirken eher wenig zu spüren. Die Gemeinde, die im vergangenen Jahr prozentual am stärksten zulegen konnte, stammt aus dem ...
In der Bevölkerungsstatistik ragen verschiedene Gemeinden hervor
Vom Bevölkerungswachstum im Kanton ist in den beiden Oberbaselbieter Bezirken eher wenig zu spüren. Die Gemeinde, die im vergangenen Jahr prozentual am stärksten zulegen konnte, stammt aus dem vermeintlichen Kummerbezirk: Lauwil.
Jürg Gohl
Das Baselbiet zählte per Ende 2025 insgesamt 305 663 Einwohnerinnen und Einwohner. Das entspricht einem Bevölkerungswachstum von 0,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das vermeldete das Amt für Daten und Statistik. Es wächst in erster Linie die Agglomeration, was dem nationalen Trend entspricht. Dieses Mal befindet sich das Oberbaselbiet eher in der Zuschauerrolle, hält aber wiederum ein paar statistische Überraschungen bereit.
Lausen: Im vergangenen November begrüsste Gemeindepräsident Peter Aerni Neuzuzügerin Alyia Boukenbouche als 6000. Einwohnerin mit einem Blumenstrauss, und alleine bis Ende Jahr kam ein weiteres Dutzend Neo-Lausner hinzu. «Eine Schwelle, aber noch nicht die Decke», sagte Aerni damals zum Fassungsvermögen. Lausen zählt mit seinen 107 Zuzügerinnen und Zuzügern zu den acht Baselbieter Gemeinden, die im vergangenen Jahr um eine dreistellige Zahl gewachsen sind. Mit einem Plus von 301 Personen führt Reinach zum dritten Mal in Folge diese Rangliste vor Allschwil, Münchenstein, Aesch, Muttenz, Binningen und Frenkendorf an.
: Die eher kleinen Gemeinden im Oberbaselbiet können hier in absoluten Zahlen nicht mithalten. Dafür stösst dort die Statistik auf die Gemeinde, die prozentual so stark gewachsen ist wie keine andere im Kanton: Lauwil, die kaum bekannte Gemeinde in der Südwestecke des Oberbaselbiets, belegte mit einem Zuwachs von 20 Personen, das entspricht 6,1 Prozent, den Spitzenwert und zählte Ende vergangenen Jahres 350 Personen. Vor Jahresfrist lag Diepflingen mit 4,5 Prozent an der Spitze dieser Kategorie. Bemerkenswert ist auch die Statistik von Niederdorf, nach Oberdorf die zweitgrösste Gemeinde des Bezirks Waldenburg. Sie wuchs um 3,0 Prozent, nachdem sie im Vorjahr noch spürbar geschrumpft war.
Arisdorf: In absoluten Zahlen verlor keine Gemeinde im Oberbaselbiet im vergangenen Kalenderjahr so viele Einwohnerinnen und Einwohner wie Arisdorf. Das Minus von 41 auf neu 1738 Personen entspricht einem Rückgang um 2,3 Prozent. Anteilmässig stärker gebeutelt wurden im «Volksstimme»- Gebiet nur Arboldswil (neu 594, -22 Personen, -3,57 Prozent) und Wintersingen (587, -21, -3,45).
Wintersingen: Im Gegensatz zu Arisdorf und Arboldswil meldete Wintersingen dem Amt für Daten und Statistik bereits im Vorjahr einen Rückgang von 4 Personen. Das gleiche Schicksal teilen: Buus (1143 Einwohner, 2025: -1 Person, 2024: -11 Personen), Hemmiken (264, -1, -3) und Känerkinden (534, -2, -1). Und …
Liedertswil: «Tschoppenhof» schrumpfte 2025 sogar zum vierten Mal in Folge und wird damit mit seinen 146 Einwohnern als kleinste Gemeinde im Kanton immer mehr distanziert. 2017 zählte man noch 165 Personen und damit eine mehr als Kilchberg, der damals kleinsten Gemeinde des Kantons. Ein Jahr später wanderte die rote Laterne von dort aber definitiv nach Liedertswil. Die kleinsten Gemeinden daneben sind Kilchberg (181, -1), Häfelfingen (252, +9 Personen), Hemmiken (264, -1) und Nusshof (291, +9). Insgesamt 20 Gemeinden im «Volksstimme»-Gebiet haben sich 2025 verkleinert. Sie liegen auffallend häufig an der Peripherie des Kantons.
Waldenburg: Das Alphabet ist schuld daran, dass der Bezirkshauptort in der Kantonsstatistik an letzter Stelle geführt wird und dabei mit einer Spezialität bis zum Schluss gewartet werden muss. Er wird unverändert mit 1148 Personen geführt und verzeichnet in der entsprechenden Statistik eine Null. 1998 zählte Waldenburg noch 1417 Personen.
Tecknau: 2024 betrug in Tecknau der Anteil der ausländischen Wohnbevölkerung 33,7 Prozent, also mehr als ein Drittel. Im Folgejahr sank er um 2 Prozentpunkte. Damit tritt die Gemeinde in dieser Rubrik im Oberbaselbiet ihre traditionelle Spitzenposition an Waldenburg ab. Dort sprang der Vergleichswert zur gleichen Zeit von 33,1 auf die aktuellen 35,4 Prozent. Hinter den beiden folgen Niederdorf (27,3 Prozent), Oberdorf (26,0), Thürnen (23,4), Itingen (22,2) und Buckten (22,0). Im Bezirk Waldenburg stieg der Ausländeranteil leicht von 19,4 auf 19,6 Prozent, während er 2025 im Bezirk Sissach von 17,7 auf 17,3 Prozent sank.
Langenbruck: Die höchstgelegene Gemeinde des Kantons legte vergangenes Jahr wohl um eine auf 987 Personen zu. Doch es fehlen noch immer 13 Personen, um die 1000er-Marke zu knacken. Ende 2024 lag der Wert im Passdorf noch bei 1013, ehe es runterging.
Maisprach: Seit der Jahrtausendwende können im Kanton die Todesfälle mit den Geburten nicht mehr kompensiert werden. Deshalb seien hier doch ein paar Ausnahmen von Gemeinden mit mehr als 1000 Einwohnern erwähnt: Gemessen an der Grösse sind die Bilanzen von Maisprach, wo 14 Geburten 4 Todesfällen (also plus 10) gegenüberstehen, und erst recht von Giebenach (11) bemerkenswert. Schwerarbeit leistete der Klapperstorch auch in Lausen (9) und Itingen (8). In Ormalingen, seit Jahren eine solide Wachstumsgemeinde, resultierte bei 23 Geburten und 15 Todesfällen ebenfalls ein Plus von 8 Personen.
Oberdorf: Auf der Gegenseite steht Oberdorf. 28 Verstorbenen stehen 10 Neugeborene gegenüber. Diesem Minus von 18 Personen kommt Nachbar Niederdorf (-16) am nächsten. Dahinter folgen zwei andere Nachbargemeinden, Sissach und Zunzgen. Beide verzeichnen ein Minus von 13 Personen.
Gelterkinden: Keine Oberbaselbieter Gemeinde ist im Jahr 2024 so stark gewachsen wie Gelterkinden. Mit ihrer Zunahme um 154 Personen wurde sie damals kantonsweit nur von vier weit grösseren Unterbaselbieter Gemeinden übertroffen. Da nimmt sich die Zunahme um 84 Personen des zurückliegenden Jahres – der Geburtenüberschuss beträgt null – vergleichsweise bescheiden aus. Sissach wuchs um 67 Personen, sodass Gelterkinden (6556) dem Bezirkshauptort (6991) gleichwohl immer näher rückt, auch wenn Sissach inzwischen – unbemerkt – die 7000er-Marke überschritten haben müsste.
Oberbaselbiet: Mit einer Zunahme von 0,86 Prozent steht Arlesheim im Vergleich der Bezirke an erster Stelle, gefolgt von Liestal (0,76) und Laufen (0,69). Die beiden Oberbaselbieter Bezirke bilden mit Sissach (0,65) und Waldenburg (0,56) den Schluss. In der Statistik von vor einem Jahr lag Sissach kantonsintern noch an erster Stelle, während der Bezirk Waldenburg – im Jahr 2023 mit 1,7 Prozent noch zuvorderst in dieser Rangliste – sogar einen Negativwert von minus 0,16 Prozent in Kauf nehmen musste.
Ziefen: Eine Z-Gemeinde zum Schluss. Parallel zu den Bevölkerungszahlen blickt das Amt für Daten und Statistik auch auf die Steuerfüsse. Während diese in sieben Gemeinden des Kantons für 2026 angehoben wurden, ist Ziefen die einzige, die eine Steuersenkung nach Liestal melden konnte. Die Ziefnerinnen und Ziefner entrichten in diesem Jahr 4 Prozentpunkte weniger als die 63 Prozent der Kantonssteuer. Erhöht wurden umgekehrt die Steuern in Böckten von 59 auf 64 Prozent, Kilchberg (64 auf 67) und Zunzgen (56 auf 59). Der tiefste Obolus wird im Oberbaselbiet in Ramlinsburg und in Liedertswil (55) entrichtet. Unangefochten zuoberst in dieser höchst unbeliebten Rangliste steht Waldenburg (72).

