Künstler und geschätzter Gesellschafter
14.07.2026 Gelterkinden, Bezirk Sissach, GelterkindenBrigitte Keller
Jakob Wagner – er selbst schrieb sich später «Jacob» – kam am 2. Januar 1861 in Gelterkinden auf die Welt. Die Liebe zu Farben wurde ihm wohl in die Wiege gelegt, denn sein Vater Johannes Wagner war Färbermeister. Das Haus am Dorfplatz 11, in dem ...
Brigitte Keller
Jakob Wagner – er selbst schrieb sich später «Jacob» – kam am 2. Januar 1861 in Gelterkinden auf die Welt. Die Liebe zu Farben wurde ihm wohl in die Wiege gelegt, denn sein Vater Johannes Wagner war Färbermeister. Das Haus am Dorfplatz 11, in dem Jakob Wagner, sein Bruder Gustav und seine beiden Schwestern Rosa und Liseli aufwuchsen, ist den älteren Gelterkindern noch als «Obere Farb» bekannt. Seine Schwestern, die ledig blieben, betrieben dort noch jahrelang die «Tuchhandlung von Schwestern Wagner». Heute kennt man die Liegenschaft als Bürgerhaus.
Nicht nur die Liebe zu Farben und dem Malen von Landschaften und Porträts verbindet die beiden Gelterkinder Maler Jakob Wagner und Fritz Pümpin
– sie waren auch miteinander verwandt. Die Mutter von Jakob Wagner, Maria Wagner, war eine geborene Pümpin, Tochter des ehemaligen «Ochsen»- Wirts Friedrich Pümpin-Spiess und die Grosstante von Fritz Pümpin und dessen Cousin Karl Pümpin.
Nach Abschluss der Schulzeit absolvierte Jakob Wagner eine Lehre zum Dekorationsmaler in Liestal und Basel. Anschliessend ging er nach Paris, wo er sich neben einer ersten Anstellung auch an der École des arts décoratifs im künstlerischen Handwerk ausbilden liess. Nach einem weiteren Studienaufenthalt in München kehrte er wieder für kurze Zeit in seine Heimat Gelterkinden zurück, wo er sich als freischaffender Maler etablierte. Es ist bekannt, dass seinerzeit recht viele Gelterkinder Familien einen «Wagner» besassen. Wer etwas auf sich hielt und es vermochte, erwarb ein Bild vom «Wagner Köbi».
Die kommenden Jahre begab sich Wagner erneut auf Wanderschaft, die ihn nach Italien führte. Von 1885 bis 1888 lebte er in Rom. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz arbeitete er vorerst in Le Bouveret am Genfersee. 1890 entstand eines der bekanntesten Bilder des Künstlers, es trägt den Namen «Hausmusik». Bei den darauf abgebildeten musizierenden Personen handelt es sich um bekannte Personen aus Gelterkinden, die mit dem Künstler befreundet oder verwandt waren. Das Bild, das im ersten Stock des Elternhauses des Künstlers entstanden ist, befindet sich in Privatbesitz.
«Casa Wagner»
Von 1891 bis 1894 hielt sich Jakob Wagner wiederum in Italien auf, dieses Mal insbesondere im Süden und auf Sizilien. 1895 unternahm Wagner gar eine Exkursion nach Ägypten. Zurück in der Schweiz liess sich Wagner 1898 dann dauerhaft in Locarno nieder. Bei einem weiteren Studienaufenthalt in Paris im Jahr 1900 lernte er die aus Karlsruhe und Darmstadt stammende Malerin Clara Grosch kennen. Am 30. Mai 1902 heiratete das Paar.
Wagner liess in Locarno vom Basler Architekten Wilhelm Brodtbeck-Buess ein grosses Wohn- und Ateliergebäude an der Piazza Grande bauen, in dem das Künstlerpaar fortan lebte und arbeitete. Das Haus machte sich als «Casa Wagner» in Künstlerkreisen einen Namen. Ehefrau Clara Grosch war eine sehr gefragte Porträtmalerin. Ein Porträt, das sie von ihrem Gatten anfertigte, befindet sich im Besitz der Ortssammlung Gelterkinden.
Jakob Wagner malte vorwiegend Landschaftsbilder, viele in seiner Baselbieter Heimat und später im Tessin. Ebenfalls malte er Veduten, die wirklichkeitsgetreue Darstellung eines Stadtbildes, sowie auch Porträts. So fertigte er beispielsweise 1914 ein Porträt an vom befreundeten Dr. med. Adolf Haslebacher, der für einige Zeit als Arzt in der Klinik Locarno-Orselina tätig war und dessen Patient Wagner war.
2018 wandte sich Erwin Haslebacher, der damals 92-jährige Grossneffe des Porträtierten, mit einem Brief an die Ortssammlung Gelterkinden. «Zwar bin ich zurzeit noch recht rüstig und denke noch nicht an einen baldigen Abgang», schrieb er, er hätte sich aber Gedanken gemacht, was mit dem Ölbild nach seinem Ableben geschehen solle. Das Bild habe er von seinem geliebten Grossonkel und Götti nach dessen Tod geerbt. Da seine Nachkommen kein Interesse am Bild hätten, würde er dieses gerne der Ortssammlung Gelterkinden vermachen. Und so kam es dann auch im Jahr darauf.
Zwei weitere der insgesamt sechs Bilder, die sich heute im Besitz der Ortssammlung befinden, hingen einst im Saal des Gemeindestubenvereins im «Lindenhof». Sie wurden dem Verein 1936 zur Eröffnung von den Schwestern des Malers, Rosa und Liseli Wagner, geschenkt. 1985, nach dem Kauf des «Lindenhofs» durch die Gemeinnützige Genossenschaft für Familienherbergen FH, wurden die Bilder infolge Umbauten umplatziert an Stellen, wo sie kaum noch beachtet wurden. 1993 wurden die beiden Bilder, «Gebirgslandschaft» und «Schlucht mit Bergbach», den Verantwortlichen der Ortssammlung Gelterkinden, auf deren Bemühungen hin, als Dauerleihgabe übergeben.
Früher Tod
Jakob Wagner starb am 22. September 1915, im Alter von erst 54 Jahren, während eines Studienaufenthalts in Weisslingen bei Winterthur an den Folgen eines Schlaganfalls. Er liegt zusammen mit seiner Frau auf dem Friedhof von Muralto bei Locarno begraben. Emil Dill, ein ebenfalls aus dem Baselbiet stammender Malerfreund, publizierte danach in der Zeitschrift «Schweizer Kunst» einen umfangreichen Nachruf. Darin schrieb er unter anderem: «Was aus seinen Bildern hauptsächlich spricht, ist ein farbenfreudig empfundenes Auge und ein frohmütiges, warmblütiges Temperament.»
Weiter steht im Nachruf zu lesen: «Den älteren Kollegen in Basel, welche zum Kreis gehörten, der gegen Ende der achtziger Jahre im Café Casino einen Stammtisch bildete, wird Wagner als strebsamer, talentvoller Künstler und jederzeit aufgeräumter Gesellschafter noch in bester Erinnerung sein. Lastete etwa die ungemütliche Stimmung eines moralischen Katzenjammers auf den Anwesenden, so war es Wagner, der mit seinem unverwüstlichen Optimismus, welchen er als glückliche Naturanlage neben seiner künstlerischen Begabung besass, stets bei der Hand war, um den ungebetenen Gast zu verscheuchen.»
Der Artikel entstand mit der freundlichen Unterstützung von Urs Kühnis, Stiftungsrat und Mitglied des Vereinsvorstands der Ortssammlung Gelterkinden, sowie durch das Sichten von verschiedenen Quellen.




