Kostenschub im Jakobushaus
04.06.2026 ThürnenNach leichter Erholung 2024 rutscht das Pflegeheim in tiefrote Zahlen
Die Zahl der temporären Arbeitskräfte habe reduziert werden können, heisst es im Jahresbericht des Thürner Jakobushauses. Gemäss Rechnung sind die entsprechenden Kosten allerdings explodiert. ...
Nach leichter Erholung 2024 rutscht das Pflegeheim in tiefrote Zahlen
Die Zahl der temporären Arbeitskräfte habe reduziert werden können, heisst es im Jahresbericht des Thürner Jakobushauses. Gemäss Rechnung sind die entsprechenden Kosten allerdings explodiert. Das Heim schreibt ein Defizit von fast 600 000 Franken.
Peter Sennhauser
Er sei vom ersten Tag an mit grossen Herausforderungen konfrontiert gewesen, schreibt der neue Geschäftsleiter des Jakobushauses, Dercio Soares, im Geschäftsbericht. Im August 2025 hat er sein Amt angetreten. Sein erstes halbes Jahr sei geprägt gewesen «von zahlreichen Absenzen und einer erhöhten Fluktuation». Und dann schreibt der Geschäftsführer: «Der Einsatz von Temporärpersonal konnte reduziert werden, was zu mehr Stabilität und Ruhe im Arbeitsalltag beitrug.»
Wer die Jahresrechnung studiert, wundert sich ob dieser Aussage. Denn die Kosten für temporäre Arbeitskräfte sind im vergangenen Jahr nicht etwa zurückgegangen, sondern massiv gestiegen: Binnen eines Jahres haben sie sich auf gegen 660 000 Franken vervierfacht. Und das nicht bei einem entsprechenden Rückgang der Kosten für festangestelltes Personal: Diese sind mit 4,7 Millionen Franken exakt gleich geblieben wie im Vorjahr. Die Entwicklung war nicht absehbar: Nachdem im Jahr 2023 aufgrund zahlreicher Abgänge fast 400 000 Franken für temporäres Personal hatte ausgegeben werden müssen, konnten diese Kosten im 2024 auf 160 000 Franken reduziert werden. Damals wurden aber die Ausgaben für festangestelltes Personal von 4 auf die aktuellen 4,7 Millionen angehoben.
Reduziertes Temporär-Team
Seine Aussage im Vorwort des Jahresberichts erklärt Dercio Soares auf Anfrage schriftlich: «Anstatt auf eine grosse Anzahl unterschiedlicher temporärer Mitarbeiterinnen zu setzen, beschränkten wir die Einsätze bewusst auf einen kleineren, möglichst konstanten Personenkreis. Dadurch konnten wir mehr Stabilität und Kontinuität für unsere Bewohnenden sowie für die festangestellten Mitarbeitenden schaffen.» Die im Jahresbericht erwähnte Reduktion beziehe sich «auf die Anzahl verschiedener eingesetzter Temporär-Mitarbeiterinnen und weniger auf die gesamten Temporär-Kosten.»
Und weiter: «Unser Ziel bleibt unverändert, die Abhängigkeit von temporärem Personal schrittweise zu reduzieren und durch den Aufbau eines stabilen Teams mit festangestellten Mitarbeitenden langfristig mehr Kontinuität und Stabilität zu schaffen.» Was die Kostensteigerung angehe, so Soares, hätten sich im Jahr 2025 «zusätzlich bezahlte Ablösesummen auf das Gesamtergebnis» ausgewirkt.
Eigenkapital schrumpft
Insgesamt schreibt das Jakobushaus im Jahr 2025 einen Reinverlust von gut 587 000 Franken: Mehr als sechsmal schlechter als im Vorjahr. Dazu ist festzuhalten, dass 2024 mit rund 95 000 Franken Defizit eine deutliche Verbesserung gegenüber 2023 mit einem Reinverlust von 310 000 Franken zu verzeichnen war.
Das Eigenkapital des Heims schrumpft demnach von 3,1 auf 2,5 Millionen Franken. Weil davon rund 0,8 Millionen Franken Stiftungskapital sind, das nicht angefasst werden darf, beläuft sich die Reserve zur Deckung künftiger Defizite noch auf 1,7 Millionen Franken – oder auf weniger als drei Jahre, bei ähnlich schwierigem Geschäftsgang wie 2025.
Operativ 400 000 weniger
Ein Blick auf das Betriebsergebnis
– alles, was vor Abschreibungen und Finanzerträgen erwirtschaftet wurde – schafft etwas mehr Klarheit. Denn auch 2025 hat das Heim einen operativen Gewinn von rund 100 000 Franken erwirtschaftet. Erst eine Rückstellung von rund 420 000 Franken für Gebäudesanierungen macht daraus ein Minus. Allerdings hatte der Betriebsertrag im Vorjahr noch eine halbe Million Gewinn betragen. Netto hat der Betrieb also bei nahezu identischem Ertrag von rund 7,5 Millionen Franken gegen 400 000 Franken höhere Kosten zu verzeichnen.
Während in der Betriebsrechnung auf der Sachkostenseite die erwähnte Rückstellung von rund 420 000 Franken zu Buche schlägt, fällt bei den Abschreibungen (2024: 660 000 Franken) ohne weitere Erklärung der beinahe identische Betrag weg. Soares erklärt das so: «Die Differenz bei den Abschreibungen erklärt sich durch die Bildung der Rückstellung. Sie wird über die nächsten Jahre fortgeführt, damit sichergestellt ist, dass die eigenen Mittel für zukünftige Investitionen in die Liegenschaft vorhanden sind. Es handelt sich daher nicht um einen Einmaleffekt, sondern um eine langfristig angelegte, planmässige Massnahme.»
Und noch ein Punkt fällt im Jahresbericht auf: Die Zahl an Ein- und Austritten von Bewohnenden ist, bei deutlich weniger Verstorbenen im Jahr 2025, um 50 Prozent gestiegen. Laut Soares ist diese Fluktuation «auf die gestiegene Nachfrage nach Ferien- und Kurzzeitaufenthalten zurückzuführen. Dieses Angebot erfüllt eine wichtige Funktion bei der Entlastung pflegender Angehöriger.»
Jahresberichte 2024 und 2025 auf jakobushaus.ch/jakobushaus/ueber-uns
