«Pro Wind» will schnellere Verfahren
Seit 20 Jahren wird im Kanton über Windräder debattiert, doch bis heute dreht sich kein einziger Rotor. Nun macht der neu gegründete Verein «Pro Wind Nordwestschweiz» mit einer Petition Druck.
Jo ...
«Pro Wind» will schnellere Verfahren
Seit 20 Jahren wird im Kanton über Windräder debattiert, doch bis heute dreht sich kein einziger Rotor. Nun macht der neu gegründete Verein «Pro Wind Nordwestschweiz» mit einer Petition Druck.
Jo Krebs
Wer im Baselbiet nach Windkraft sucht, findet sie bisher nur auf dem Papier. In den Schubladen liegen Studien, die dem Kanton ein Potenzial von 600 Gigawattstunden pro Jahr bescheinigen – genug, um ein Fünftel des kantonalen Strombedarfs zu decken. Doch wer über die Hügel wandert, sieht nur Wald und Wiesen. Während im benachbarten Jura Windparks längst zum Landschaftsbild gehören, herrscht in Baselland Flaute. Damit soll nun Schluss sein.
Anfang 2025 hat sich der Verein Pro Wind Nordwestschweiz formiert, um der Windkraft eine lautere Stimme zu geben. «Wir können es uns schlicht nicht leisten, auf diese saubere Winterenergie zu verzichten», sagt Markus Stokar, Präsident des Vereins. Die Kernbotschaft der Gruppe: Windkraft liefert dann Strom, wenn Solarpanels und Wasserkraft schwächeln – im Winter.
Mit der Petition «Windkraft kann’s!» fordert der Verein vom Regierungsrat massiv schnellere Verfahren. Derzeit dauert es von der ersten Idee bis zum fertigen Windrad in der Schweiz oft 15 bis 20 Jahre. «Wir fordern dringend effizientere Bewilligungsverfahren, um langwierige Prozesse zu verkürzen und so letztlich auch den Bau von klimaschädlichen Gaskraftwerken zu verhindern», so die Initianten. Konkret verlangt der Verein, dass in den kantonalen Richtplan alle vom Bundesamt für Energie (BFE) als geeignet eingestuften Gebiete aufgenommen werden, um das Potenzial voll auszuschöpfen.
Ein zentraler Punkt in der Debatte ist die Mitsprache der Bevölkerung. Der Verein stellt klar, dass es nicht um den Abbau von Rechten geht, sondern um die Beseitigung von Doppelspurigkeit. Die Forderung nach einer Zusammenlegung von Zonenplanung und Baubewilligung diene dazu, «doppelte Gerichtsverfahren zu vermeiden, ohne dabei die Mitwirkungsrechte oder Umweltauflagen einzuschränken». Laut «Pro Wind» bleiben Einsprachen und Umweltverträglichkeitsprüfungen vollumfänglich bestehen, sie würden lediglich «gebündelt in einem einzigen Verfahrensschritt» erfolgen.
840 Unterschriften
Für die Petition wurden 840 Unterschriften gesammelt. Laut Pro Wind Nordwestschweiz stammen gegen 20 Prozent der Unterzeichnenden nicht aus dem Baselbiet. Es sei jedoch legitim, Auswärtige einzubeziehen, da die «Stromversorgungssicherheit ein überregionales Problem darstellt», so der Verein.
Doch dort, wo der Wind am stärksten weht – auf den Kämmen des Tafeljura –, formiert sich nach wie vor Widerstand. Organisationen wie «Wind-Still» warnen vor der Industrialisierung der Landschaft. Für sie ist der Schutz der unberührten Natur höher zu gewichten als der Energieertrag einzelner Anlagen. Die Petition von «Pro Wind» zielt genau auf diesen Konflikt. Sie fordert, dass der Kanton die Standortsuche im Richtplan verbindlich festlegt und die Mitsprachemöglichkeiten so bündelt, dass Projekte nicht über Jahrzehnte durch alle Instanzen blockiert werden können.
Ob die Petition den gewünschten «Turbo» auslöst, bleibt abzuwarten. Sicher ist: Der Wind im Baselbiet hat gedreht – zumindest politisch. Ob daraus auch bald echter Strom fliesst, entscheidet sich in den nächsten Monaten in den Debatten des Landrats.