Koloniale Verfl echtung des Kantons nicht stark
02.04.2026 BaselbietBericht zeigt eine grosse Bandbreite an Orten und Tätigkeiten
Historiker Andreas Zangger präsentierte die Ergebnisse einer Studie, die er im Auftrag des Kantons Baselland machte. Die koloniale Verflechtung des Baselbiets war laut der Untersuchung insgesamt nicht besonders stark ...
Bericht zeigt eine grosse Bandbreite an Orten und Tätigkeiten
Historiker Andreas Zangger präsentierte die Ergebnisse einer Studie, die er im Auftrag des Kantons Baselland machte. Die koloniale Verflechtung des Baselbiets war laut der Untersuchung insgesamt nicht besonders stark ausgeprägt.
Tobias Gfeller
Johann August Sutter wurde in seiner Heimat während Jahrzehnten gefeiert. Als Krönung der Verehrung wurde für «General Sutter» in den 1950er-Jahren in dessen Heimatgemeinde Rünenberg ein Denkmal errichtet. Längst gilt das heroische Bild des Baselbieters als überholt. Johann August Sutter war gemäss mehreren wissenschaftlichen Berichten ein Kolonialherr, Sklavenhändler und Ausbeuter.
Auch nach dem am Dienstag im Staatsarchiv Baselland präsentierten Untersuchungsbericht zur kolonialen Vergangenheit von Baselbieter Persönlichkeiten gilt festzuhalten, dass Sutter weiterhin die Spitze einer unrühmlichen Vergangenheit von Einzelpersonen aus dem Kanton bildet.
Am Anfang der Untersuchung der kolonialen Vergangenheit von Persönlichkeiten aus dem Baselbiet steht ein Vorstoss von SP-Landrat Jan Kirchmayr. Damit beauftragt wurde der selbstständige Historiker Andreas Zangger. Er legte den Fokus auf die kolonialen Verflechtungen zwischen dem 18. und 20. Jahrhundert. Während eines Jahres recherchierte Zangger im Staatsarchiv Baselland und durchforstete regionale, nationale und internationale Archive. Zudem wertete er Literatur in verschiedenen Sprachen aus.
Kein struktureller Kolonialismus
Die von Andreas Zangger und seinem Team erarbeitete Liste umfasst mehr als 300 Personen, die meisten davon stammen aus dem Kanton Baselland. «Es gab immer wieder Menschen aus dem Baselbiet, die im kolonialen Kontext aktiv waren», resümierte der Historiker. Zusammengefasst könne man festhalten, dass die koloniale Verflechtung des Baselbiets insgesamt nicht besonders stark ausgeprägt war. Zangger führt dies auch auf die im Baselbiet damals dominierende Seidenbandindustrie zurück, die nicht vornehmlich auf kolonial geprägte Rohstoff- und Absatzmärkte ausgerichtet war. Dementsprechend fehlten weitgehend Netzwerke, die den Einstieg in koloniale Karrieren erleichtert hätten. Eine Ausnahme bildete die Basler Mission, deren Vertreterinnen und Vertreter vorwiegend aus religiösen und kulturellen Gründen weltweit aktiv waren.
Im Rahmen der Präsentation der Untersuchungsergebnisse, die medial auf grosses Interesse stiess, zeigte Andreas Zangger anhand von Einzelbeispielen auf, dass Baselbieter Persönlichkeiten geografisch und von den Tätigkeiten her kolonial unterschiedlich tätig waren. Der Historiker sprach von einer «grossen Bandbreite». Personen aus dem Baselbiet waren in europäischen Kolonien als Söldner, Kolonialbeamte, Kaufleute, Plantagenmanager, Minenpersonal, Siedler, Missionare, Wissenschaftler und als Lehrpersonen tätig. Die Liste umfasst Männer und Frauen. Zangger stellte einzelne Beispiele vor.
Hohe Gewinne mit Sklavenhandel
Der Liestaler Daniel Rosenmund-Berri (1811 – 1869) war mit seiner Firma Vollenweider & Co. in Rio de Janeiro auf Zuckerplantagen in den Sklavenhandel involviert. «Er hat Plantagenbesitzer mit Sklaven als Arbeitskräfte beliefert», erklärte Zangger. Die Firma Vollenweider & Co. war Ende der 1840er-und Anfang der 1850er-Jahre noch in den transatlantischen Sklavenhandel involviert, als dieser international längst geächtet war und von den Briten auf See bekämpft wurde. Vollenweider hat gemäss Zangger mit dem Sklavenhandel hohe Gewinne erzielt.
Als weiteres Beispiel nannte Andreas Zangger Samuel Hoch (1780 – 1840), Sohn von Regierungsrat Wilhelm Hoch. Dieser legte während 30 Jahren bei der Herrnhuter Brüdergemeinde in der Karibik den Fokus auf die Missionierung von Versklavten. «Die Kirchen haben zur Aufrechterhaltung der Sklaverei beigetragen», erinnerte Zangger.
Trotz der Verflechtung mehrerer Einzelpersonen sieht Andreas Zangger beim Kanton Baselland als Ganzes keine besondere Schuld. «Es gibt Kantone und Städte, die viel stärker in den Kolonialismus verwickelt waren.» Profitiert hätten vor allem jene, die bereits Kapital besassen. Es habe auch viele Baselbieterinnen und Baselbieter gegeben, die in europäischen Kolonien ihr wirtschaftliches Glück gesucht haben, dort aber kläglich gescheitert sind.
Auf Nachfrage nach der Herkunft der Baselbieterinnen und Baselbieter und möglicher geografischer Schwerpunkte nannte Studienautor Zangger explizit den Raum Liestal und das Oberbaselbiet, Regionen, die beide reformiert geprägt waren. «Das ist mir erst aufgefallen, als der Bericht fertiggestellt war», gab Zangger zu. Man kenne schweizweit mehr Personen mit Verflechtungen mit dem Kolonialismus aus reformierten Kantonen.
Mit dem Untersuchungsbericht ist der Auftrag der Baselbieter Regierung und des Landrats erfüllt. Der Bericht könne in die öffentliche Debatte einfliessen, meinte Staatsarchivarin Jeannette Rauschert. Auch könne er als Basis für den Schulunterricht oder für Ausstellungen genutzt werden.

