Kämpfen wieder im Vordergrund
02.06.2026 RegionArmee testet mit «Conex 26» die Mobilmachung
Im Rahmen eines erweiterten Wiederholungskurses (WK) übt die Schweizer Armee im Juni in der Nordwestschweiz die Mobilmachung im zivilen Gelände. 3500 Armeeangehörige sind an der Übung beteiligt.
...Armee testet mit «Conex 26» die Mobilmachung
Im Rahmen eines erweiterten Wiederholungskurses (WK) übt die Schweizer Armee im Juni in der Nordwestschweiz die Mobilmachung im zivilen Gelände. 3500 Armeeangehörige sind an der Übung beteiligt.
Tobias Gfeller
Die Kaserne Aarau ist aktuell noch besser geschützt als sonst. Blachen versperren die Sicht aufs Gelände, Stacheldrahtzäune säumen auf dem Areal die Gehwege. Ähnlich sieht es zurzeit bei der Kaserne in Liestal aus. Die Armee schützt im Rahmen der Übung «Conex 26» auch sich selber und damit ihre Infrastruktur. Wie im Ernstfall soll verhindert werden, dass die Kasernen einfach betreten werden können.
Mit «Conex 26» trainiert die Territorialdivision 2 im Rahmen eines WKs im Juni die Mobilmachung und gemeinsam mit zivilen Behörden die Abwehr hybrider Bedrohungen und militärischer Gewalt. Oberstes Ziel ist es, die Verteidigungsfähigkeit zu stärken und die Zusammenarbeit mit zivilen Partnern zu überprüfen und zu verbessern. An der Übung sind insgesamt sieben Bataillone in den Bereichen Infanterie, Genie, Rettung, Führungsunterstützung und Logistik beteiligt. Im Rahmen des vierwöchigen WKs betreiben die 3500 Armeeangehörigen eine sogenannte Einsatzbezogene Ausbildung (EBA). Offiziell begann die Übung gestern. Ende dieser Woche werden die ersten Truppen einrücken.
Rheinhäfen als Übungsplätze
«Conex 26» findet im Grossraum der Kantone Aargau, Baselland, Luzern und Solothurn statt. Nach dem anfänglichen Training auf Übungsplätzen der Armee verlegen sich die Truppen auch in zivile Gebiete. Im Baselbiet stehen die Rheinhäfen im Raum Birsfelden und Muttenz im Zentrum. Gemeinsam mit ansässigen Unternehmen wird der Schutz kritischer Infrastruktur trainiert. In Aesch wird eine Dekontamination eines Landwirtschaftsbetriebs infolge einer Tierseuche geübt. In Liesberg wird die Bekämpfung der Tierseuche im Waldgelände geprobt. Ausserhalb des Baselbiets wird unter anderem auf Juraübergängen und entlang der Aare und Reuss trainiert.
«Conex 26» unterscheidet sich stark von der «Conex 15», als die Territorialdivision 2 letztmals in der Nordwestschweiz in diesem Rahmen geübt hat. Damals standen Helfen und Schützen im Zentrum, erinnerte Kommandant Alexander Kohli an der gestrigen Medienkonferenz in der Kaserne Aarau. «Kämpfen steht heute wieder im Vordergrund.» Grund dafür sei die veränderte Sicherheitslage aufgrund des Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine und «hybrider Ereignisse». Die Lage sei elf Jahre nach der letzten «Conex» komplexer und volatiler, erklärte Kohli. «Die Armee muss sich wieder besser vorbereiten, um als letzte Reserve der Gesellschaft ihre Aufgabe wahrnehmen zu können.»
Armee will sich zeigen
Bis Ende des WKs am 27. Juni soll die Einsatzbereitschaft der 3500 Armeeangehörigen erreicht sein. Mit «Conex 26» soll die Mobilisierungsfähigkeit getestet und das Verhalten unter erhöhter Bedrohung und die Zusammenarbeit mit zivilen Partnerorganisationen trainiert werden. Mit Zertifizierungen sollen die erlangten Fähigkeiten offiziell gekennzeichnet werden. Zur Zertifizierung 1 gehören Grundfähigkeiten im Verband auf Schiess- und Waffenplätzen. Für die Zertifizierung 2 im Sinne von «fit für die Mission» wird das Trainierte in die Realität im zivilen Gelände übertragen. Als wichtiges Element zu Beginn von «Conex» gilt die Gewährleistung des Eigenschutzes von Truppen und Infrastruktur. In der abschliessenden Phase wird die Rückführung im Rahmen des Wiederherstellens der materiellen Einsatzbereitschaft geprobt.
Konkret trainiert werden gemäss Projektleiter Xaver Sailer, Oberst im Generalstab, das Bekämpfen von bewaffneten Gruppen, die Raumüberwachung, das Abriegeln und Durchsuchen einer urbanen Zone respektive eines Geländeteils, der Objektschutz, das Überwinden, Überschreiten und Beseitigen von Hindernissen, das Verbinden über Distanzen – Stichwort Funken, die Logistik und die Trümmerrettung und Brandbekämpfung.
Gemäss Kommandant Alexander Kohli wird die Übung für die Bevölkerung spürbar sein. Als Beispiel nannte er Armeeangehörige am Bahnhof im Rahmen der Mobilmachung. «Die Armee hat sich in den vergangenen 20 Jahren zu sehr auf die Waffenplätze zurückgezogen», kritisierte Kohli. Dadurch sei sie für die Bevölkerung zu wenig spürbar gewesen. Das soll sich auch mit «Conex 26» ändern. «Die Bevölkerung soll auch wissen, wofür die Armee das Geld braucht.»
