Kleiner Anhänger, grosse Pläne
24.07.2026 BaselbietMit QR-Code verlorenen Schlüsseln auf der Spur
Eneas Vogel und Yanis Plüss haben mit «Founco» ein System entwickelt, das Finder eines verlorenen Schlüssels per QR-Code mit den Besitzern in Kontakt bringt. Gegründet haben sie die Firma mit 17 und 18 Jahren ...
Mit QR-Code verlorenen Schlüsseln auf der Spur
Eneas Vogel und Yanis Plüss haben mit «Founco» ein System entwickelt, das Finder eines verlorenen Schlüssels per QR-Code mit den Besitzern in Kontakt bringt. Gegründet haben sie die Firma mit 17 und 18 Jahren – neben Gymnasium, Matur und heute Zivildienst.
Lea Wieser
Wer schon einmal seinen Schlüsselbund verloren hat, weiss, wie gross der Aufwand und wie hoch der Preis ist, um jeden einzelnen Schlüssel zu ersetzen. Genau das wollen Eneas Vogel und Yanis Plüss aus Therwil und Bottmingen mit ihrer Firma ändern. Hinter dem Namen ihres Startups «Founco» stecken die englischen Wörter «found code». Ihre Schlüssel anhänger sind mit einem individuellen QR-Code versehen. Nach dem Kauf registrieren Kundinnen und Kunden ihren Anhänger auf der «Founco»-Website und hinterlegen ihre Kontaktdaten. Geht der Schlüssel verloren, genügt ein Scan des QR-Codes. Ohne sichtbare persönliche Daten können Finderinnen und Finder den Besitzer anschliessend anrufen oder ihm eine Nachricht hinterlassen. Nach Angaben der Gründer würden die meisten verlorenen Schlüssel bereits am nächsten Tag wieder zu ihren Besitzern zurückfinden.
Gerade diese Kombination aus einfacher Handhabung und Datenschutz soll «Founco» von vergleichbaren Angeboten unterscheiden. «Wir sind nicht die Ersten mit einer solchen Idee», sagt Vogel. Während aber bei anderen Produkten Telefonnummern oder Adressen teilweise direkt auf dem Schlüsselanhänger angebracht sind und für Einbrüche oder Ähnliches missbraucht werden könnten, bleiben die persönlichen Angaben bei «Founco» geschützt. Auch gegenüber Ortungsgeräten wie einem Apple «AirTag» sehen die Gründer Vorteile. «Ein ‹AirTag› funktioniert nur innerhalb des ‹Apple-Ökosystems› und muss regelmässig mit einer Batterie betrieben werden. Der QR-Code von ‹Founco› dagegen kann mit jedem Smartphone gescannt werden und kommt ohne Stromversorgung aus.» Gleichzeitig setzen die Gründer bewusst auf kurze Kommunikationswege.
Die Geschäftsidee entstand eher zufällig. Schon als 17-Jähriger hatte Plüss sich in den Kopf gesetzt, ein Unternehmen gründen zu wollen. Dann brachte sein Vater einen gefundenen Schlüssel nach Hause. Die Idee war geboren, den Kontakt zwischen Finder und Besitzer einfacher und gleichzeitig sicherer zu gestalten.
Dass die beiden bereits mit 17 und 18 Jahren eine Firma gründeten, war kein Hindernis. Ein grosses Startkapital benötigten sie nicht. Investoren oder Bankkredite kamen nie infrage. «Unser Produkt war am Anfang günstig herzustellen», sagt Vogel. Begonnen haben sie mit Schlüsselanhängern, die sie mit einem 3D-Drucker im Keller von Vogels Elternhaus produzierten. Die nötigen Ausgaben haben sie mit ihrem eigenen Ersparten finanziert.
Mittlerweile hat sich das Unternehmen weiterentwickelt. «Founco» war beim Casting für «Die Höhle der Löwen Schweiz», schaffte es aber nicht in die Fernsehsendung, weil die Jury das Produkt nicht überzeugend genug fand. Daraufhin entschieden sich die Gründer, ihre Produktion zu professionalisieren. Die Anhänger aus dem 3D-Drucker hätten zwei Nachteile gehabt: «Zum einen waren sie wegen des Materials nicht so stabil wie erwünscht. Zum anderen war es beim Aufdrucken des Logos schwierig, den gewünschten Farbton zu erhalten.» Heute werden die Schlüsseanhänger von einer deutschen Verkehrsschilderfirma mit Sitz in Bonn hergestellt. «Diese Firma hat für unser Produkt die mit Abstand kleinsten Schablonen angefertigt, die sie je hatten», sagt Plüss lachend. Da die Anhänger jetzt aus Alu sind, seien sie deutlich robuster und hochwertiger als die ersten Modelle.
Anpassung bewährt sich
Der Schritt scheint sich auszuzahlen. Inzwischen hat «Founco» nach eigenen Angaben mehr als 10 000 Schlüsselanhänger verkauft. Für Privatpersonen kostet ein Anhänger 11.95 Franken. Unternehmen profitieren bei grösseren Bestellungen von Mengenrabatten und können die Anhänger mit dem eigenen Firmenlogo versehen lassen. Sie sind zu einer wichtigen Kundengruppe geworden: Auf ihrer Website präsentieren Vogel und Plüss die Logos zahlreicher Unternehmen, die bereits bei ihnen bestellt haben. Die Referenzliste zeigt nicht nur, welche Reichweite sich die heute 20-Jährigen aufgebaut haben, sie dient zugleich als Aushängeschild für weitere Geschäftskunden.
Vom finanziellen Wohlstand sind Vogel und Plüss noch weit entfernt. Nach Abzug aller Kosten für die laufenden Ausgaben und die Weiterentwicklung ihres Unternehmens bleibt ihnen ein durchschnittlicher Stundenlohn von rund 15 Franken. Hier zeige sich allerdings, warum es praktisch sei, dass die beiden jung sind und die Firma noch klein. Bei gewissen Kunden sei ihr Alter nämlich eine Hürde: «Wir kämpfen schon ein bisschen damit, komplett ernst genommen zu werden», sagt Vogel. Dabei sei es sowohl für sie als auch für die Kundschaft in mancher Hinsicht ein Vorteil.
«Wir sind nicht darauf angewiesen, jeden Monat einen gewissen Umsatz zu generieren, da wir nicht davon leben müssen. Das nimmt eine Menge Druck raus», erklärt Vogel. «Für uns ist es wichtig, dass unsere Kundinnen und Kunden wissen, dass unser Produkt nicht qualitativ schlechter ist, nur weil wir jung sind und Spass haben an dem, was wir machen», fügt Plüss hinzu.
Neben dem Zivildienst – und ab September während des Maschinenbaustudiums an der ETH – bleibt die Firma fester Bestandteil des Alltags von Vogel und Plüss. Meist arbeiten die beiden zwei bis drei Abende pro Woche an «Founco», gelegentlich auch an einem Wochenende. Schritt für Schritt wollen sie ihr Unternehmen weiter ausbauen – mit einem Produkt, das möglichst viele verlorene Schlüssel wieder mit ihren Besitzern zusammenbringen soll.

