Klangland schaften im Spitalzimmer
26.02.2026 BaselbietForschungsprojekt für schnellere Erholung und Heilung mit 3D-Sound aus der Natur
Spitalaufenthalte können mit Angst und Stress verbunden sein. Tragen dreidimensionale Naturklänge dazu bei, dass sich Patienten nach einer Operation besser erholen? Das untersucht die ...
Forschungsprojekt für schnellere Erholung und Heilung mit 3D-Sound aus der Natur
Spitalaufenthalte können mit Angst und Stress verbunden sein. Tragen dreidimensionale Naturklänge dazu bei, dass sich Patienten nach einer Operation besser erholen? Das untersucht die Universitäre Klinik Orthopädie & Traumatologie des Kantonsspitals Baselland im Rahmen einer Studie.
Regula Vogt-Kohler
Der melodiöse Gesang von Vögeln, das muntere Gurgeln eines Bachs: Allein schon der Gedanke an diese Geräusche löst Entspannung aus. Was wir subjektiv als wohltuend wahrnehmen und erleben, ist durch wissenschaftliche Studien auch auf objektiver Ebene erwiesen. Das Hören von Klängen aus der Natur hat eine beruhigende Wirkung, kann Depressionen und Schmerzen lindern und unterstützt die Erholung und Heilung. Dies belegen mehrere Forschungspublikationen.
Lässt sich diese Wirkung verstärken, wenn natürliche Geräusche als eigentliche Klanglandschaften dreidimensional abgespielt werden? Das ist die Ausgangslage für eine klinische Studie, die im Rahmen einer Dissertation in der Universitären Klinik Orthopädie und Traumatologie des Kantonsspitals Baselland auf dem Bruderholz unter der Studienverantwortung von Prof. Dr. med. Michael Hirschmann läuft. Technischer Partner ist das Unternehmen Audiobreeze, das eine Abspielstation mit 3D-Naturklanglandschaften entwickelt hat. «Sämtliche Klänge wurden professionell in der Natur aufgenommen, das hat uns überzeugt», sagt Berenike Burger, Zentrumsmanagerin Universitäres Zentrum Bewegungsapparat.
«Keine Geschmackssache»
Wieso eigentlich Naturklänge und nicht einfach Musik? Und welchen Mehrwert liefert 3D? Pitt Weiss, Co-Gründer und CEO von «Audiobreeze», geht in seiner Antwort weit zurück in der Geschichte der Menschheit. «Wenn Vögel zwitschern, ist die Welt in Ordnung. Das ist tief in uns verankert.» Naturklänge interpretieren gehört sozusagen zu unserer Grundkonstruktion, und was wir als ungefährlichen Normalzustand wahrnehmen, empfinden wir als angenehm. «Musik ist Geschmackssache, Naturklänge nicht», sagt Weiss dazu.
Und wenn überdies der Sound der Natur wie im wirklichen Leben dreidimensional und in guter Klangqualität zu hören sei, habe dies neurologisch eine ganz andere, stärkere Wirkung. «Es kommt als Realität an. Es wird vom Gehirn als Wirklichkeit akzeptiert, anders als in Stereo oder von der Decke.»
Allerdings eignet sich nicht jedes Geräusch aus der Klangbibliothek der Natur für einen Sound, der Wohlbehagen auslösen soll. Kreischende Möwen oder allzu heftig donnernde Wasserfälle sorgen eher für Anspannung. So hat Pitt Weiss nach dem Feedback der ersten Versuchspersonen im Bruderholzspital ein paar als unangenehm empfundene schrille Vogelstimmen aus der Klangmischung herausgefiltert.
Der Einsatz der dreidimensionalen Naturklanglandschaften erfolgt dosiert. «Zweimal je 20 Minuten maximal am ersten und dritten Tag des Aufenthalts auf der Station», erläutert Meike Materna, Mitarbeiterin der wissenschaftlichen Teams. Die Patienten und Patientinnen können dabei aus den Programmen «Wasser», «Wald» und «Berg» wählen und jederzeit vorzeitig aussteigen. «Bis jetzt gab es nur positive Reaktionen», berichtet Andrea Lucchi, Stationsleiter der Privatabteilung im 12. Stock.
Bei der noch bis Ende April laufenden Studie mitmachen können alle, die sich im Bruderholzspital einem orthopädischen Wahleingriff unterziehen. Die Teilnehmenden werden gemäss Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt: Während die eine Gruppe regelmässig Naturklänge über das in zwei Patientenzimmern installierte Audiosystem zu hören bekommt, erlebt die zweite Gruppe einen klassischen normalen Spitalaufenthalt.
Audiobreeze: Der Gesang von Sand und Eis
rv. Das 2023 von den Sounddesignern Pitt Weiss und Ramon De Marco gegründete Start-up-Unternehmen Audiobreeze (www.audiobreeze.com)hatmitden3D-Naturklanglandschaften ein erstes Produkt auf den Markt gebracht. Das Unternehmen sei am Anfang der Reise und befinde sich noch auf Investorensuche, sagt Pitt Weiss. «Wir fangen im Gesundheitsbereich an, weil wir starke Wirkungen nachweisen können.» Weitere mögliche Einsatzorte sind Bereiche wie Outdoor-Markengeschäfte und Hotellerie. Bereits fest installiert ist das Audiosystem im «IWB CityCenter» in der Steinenvorstadt in Basel.
Die Naturklänge wurden mit speziellen Acht-Kanal-Mikrofonen in Tausenden Stunden auf der ganzen Welt aufgenommen. Die Soundbibliothek besteht inzwischen aus Tausenden Stunden Klangmaterial, das durch einen Algorithmus immer wieder neu komponiert wird und sich dadurch nie wiederholt. Befragt nach dem ungewöhnlichsten Ort und Geräusch muss Ramon De Marco nicht lange überlegen: Die singenden Dünen in der Sahara und der Gesang des Schwarzeises im Silsersee.

