«Klang hat immer eine Wirkung»
10.07.2026 Bezirk LiestalSamuel Hagmann therapiert Menschen mit Musik
Im «Palazzo» in Liestal wird seit Beginn dieses Jahres mit Klängen für das seelische, geistige und körperliche Wohl gesorgt. Der gebürtige Itinger Samuel Hagmann hat als Kunsttherapeut eine Praxis eröffnet. Er ...
Samuel Hagmann therapiert Menschen mit Musik
Im «Palazzo» in Liestal wird seit Beginn dieses Jahres mit Klängen für das seelische, geistige und körperliche Wohl gesorgt. Der gebürtige Itinger Samuel Hagmann hat als Kunsttherapeut eine Praxis eröffnet. Er ist damit ein Pionier auf seinem Gebiet.
Iris Bösiger
Samuel Hagmanns Therapieraum im Liestaler «Palazzo» wirkt harmonisch und einladend. Das Tageslicht kommt durch zwei grosse Dachfenster, die auf dem kulturellen Gebäude thronen, herein. Wo man auch hinschaut, sieht man Instrumente aller Art. Und trotzdem ist der Raum luftig und nicht überfüllt. Das schafft die besten Voraussetzungen für alle Menschen, die sich in Hagmanns Hände begeben und einen Raum für ihre Stimme benötigen.
«Musikalische Vorkenntnisse braucht man dafür nicht», erläutert der erfahrene Trompetenspieler. Er selbst konzentriert sich seit mehr als 30 Jahren vorwiegend auf Improvisation und weiss demnach, wovon er spricht. Alles in seiner Praxis ist auf Intuition ausgelegt oder darauf, sie wiederzufinden. Wie so häufig bei therapeutischen Angeboten wird zuerst ein Gespräch geführt, um einen Startpunkt zu bestimmen und vor allem, um Vertrauen aufzubauen. «Vertrauen ist das A und O, damit die Menschen loslassen und ihre Gefühle nach aussen transportieren können», betont Hagmann.
Alles, was danach passiert, basiert nicht auf Lehrbuch oder Vorgabe, sondern auf den Bedürfnissen seiner Klientinnen und Klienten. Hagmann schlägt Herangehensweisen vor und hilft damit, ein Erlebnis zu schaffen, das auf einer oder mehreren Ebenen Positives auslösen kann. Das kann übungszentriert sein: Man hat den Raum, um ein Instrument zu erlernen. Menschen, die nie laut sein konnten, dürfen bei Hagmann genau das.
Ebenso kann auch erfahrungsorientiert gearbeitet werden. Das heisst, dass man durch Klänge einen Zustand erschafft, in dem das Nervensystem innert kürzester Zeit zur Ruhe kommen kann. Der dritte «Trick», wie es Hagmann nennt, ist konfliktorientiert: Inneren oder äusseren Konflikten wird durch Klänge Ausdruck verliehen. Sie finden damit eine Form und können umprogrammiert oder mit positiven Alternativen ersetzt werden, was Konflikte tragbarer machen oder sie gar gänzlich auflösen kann. Klienten bestimmen selbst, welche Instrumente zu ihren Empfindungen passen. Am Ende einer Sitzung wird das Erlebte durch ein Resumée abgeschlossen.
Der Grossteil der Instrumente in Hagmanns Praxis ist pentatonisch gestimmt. Das heisst, dass man sie gar nicht falsch spielen kann. Egal, welche Saiten man zusammen zupft oder welche Töne man nacheinander spielt: Es klingt immer richtig. Das kann gerade Menschen helfen, die sich nie getraut haben, ein Instrument in die Hände zu nehmen. Wer nicht selbst auf der Suche nach musikalischer Erfüllung ist, darf sich Hagmanns Können auch einfach hingeben. Er hat eine Holzliege, die aussieht wie ein Wikinger-Boot, und darunter sind eine Menge Saiten gespannt. Wenn man darauf liegt und er die Saiten anschlägt, geht die Schwingung direkt in den Körper und lässt das Nervensystem herunterfahren.
Der gebürtige Itinger ist alles andere als ein unbeschriebenes Blatt, weder musikalisch noch auf persönlicher Ebene. In jungen Jahren nahm er Trompetenunterricht und reiste mit 10 Jahren mit Heini Stebler und seinem Alphorn als Jungtalent durch die Schweiz. Nach seiner Ausbildung zum Primarlehrer wanderte er mit seiner Frau nach Neuseeland aus und baute sich ein Leben unter dem Vulkan inmitten der Maori auf. Er wurde zweimal Vater und bewegte sich aktiv in der Musikszene. Nach einigen Jahren kamen die Rückkehr in die Schweiz und mit ihr die Schwierigkeiten, mit denen sich Hagmann in seiner Heimat konfrontiert sah.
Therapeut aus Überzeugung
Nach einem Burnout beschliesst er, die Ausbildung zum Kunsttherapeuten Fachrichtung Musik zu absolvieren. «Nach meiner ganzen Geschichte und eigenen Heilung durch verschiedene Therapieformen kann ich nun auf ein grosses Sammelsurium an Erfahrungen aus Shiatsu, Yoga und Craniosacral zurückgreifen und bin zu 100 Prozent von diesen Methoden überzeugt», erklärt Hagmann.
Leider sei diese Therapieform noch nicht genügend etabliert ausserhalb von spezialisierten Kliniken, aber gerade auch deswegen möchte er einen einfachen Zugang für alle interessierten Menschen bieten. Hagmann betont: «In der Schweiz hinken wir etwas hinterher, wenn es darum geht, den seelischen und geistigen Bedürfnissen Raum zu geben. Ich möchte ein Teil dieser Lösung sein. Es ist universell, dass Klang eine Wirkung hat.»
Für alle, die sich auf diese Entdeckungsreise begeben wollen, ist es wichtig zu wissen, dass Samuel Hagmanns Therapie krankenkassenanerkannt ist. Wer nicht sicher, aber neugierig ist, kann sich gratis für eine halbstündige Schnupperstunde anmelden.
Weitere Informationen auf www.musigtherapie.ch

