Kinder, Karriere, Absicherung
17.03.2026 Bezirk LiestalWelche finanziellen Risiken bringt eine Familie mit sich?
Wer kümmert sich um die Kinder, wer arbeitet wie viel – und was bedeutet das für später? Diese Fragen standen im Zentrum eines Vortrags in der Kantonsbibliothek. Peter Mösch Payot zeigte auf, warum man ...
Welche finanziellen Risiken bringt eine Familie mit sich?
Wer kümmert sich um die Kinder, wer arbeitet wie viel – und was bedeutet das für später? Diese Fragen standen im Zentrum eines Vortrags in der Kantonsbibliothek. Peter Mösch Payot zeigte auf, warum man sich früh mit finanziellen Fragen beschäftigen sollte.
Wendy Maltet
Familiengründung ist oft mit grossen Gefühlen verbunden. Doch gerade in dieser Phase würden viele Paare zentrale Fragen zur sozialen Absicherung verdrängen, erklärte Peter Mösch Payot vor interessiertem Publikum. «Zwei Drittel der Paare sprechen nicht darüber, was passiert, wenn man sich scheidet», sagte der Professor für Sozialrecht. Dabei seien solche Gespräche kein Misstrauensvotum, sondern Ausdruck von Liebe und Respekt: «Es sind Zeichen von Reife der Beziehung.»
Der Vortrag von Peter Mösch Payot in der Kantonsbibliothek am vergangenen Donnerstagabend wurde in Kooperation mit der Fachstelle Gleichstellung für Frauen und Männer Basel-Landschaft durchgeführt. Während der Veranstaltung wurde kostenlose Kinderbetreuung angeboten – ein Detail, das bereits verdeutlichte, wie stark Alltag und Vorsorgefragen miteinander verknüpft sind.
Im Verlauf des Abends machte Mösch Payot deutlich, wie vielschichtig das Thema soziale Sicherheit ist. Leistungen des Sozialstaats greifen bei Krankheit oder Unfall, bei Arbeitslosigkeit, Mutterschaft, Invalidität oder im Alter. Dazu kommen Unterstützungen bei Familienlasten, Bildungsfragen oder finanzieller Not.
Das Sozialrecht sei dabei ein weit verzweigtes System. Neben klassischen Sozialversicherungen wie AHV oder Arbeitslosenversicherung gebe es kantonale Bedarfsleistungen, etwa für Pflegekosten oder Stipendien, Schutzbestimmungen im Arbeitsrecht oder familienrechtliche Unterhaltsregelungen. «Man kann Sozialversicherungsprofi sein und muss trotzdem sehen, dass noch weitere Systeme mitwirken», erklärte Mösch Payot.
Besonders knifflig sei zudem, dass der Begriff «Familie» je nach Leistung unterschiedlich definiert werde. Teilweise werde der Lohn eines Partners auch ohne Trauschein berücksichtigt, in anderen Fällen spiele der Zivilstand hingegen eine entscheidende Rolle.
Drei Säulen und ihre Grenzen
Zur Einordnung verwies Mösch Payot auf das bekannte Drei-Säulen-Modell der Schweiz. Die erste Säule mit der AHV sichere das Existenzminimum. Wer den gewohnten Lebensstandard im Alter halten wolle, sei jedoch auf die zweite Säule, die berufliche Vorsorge, sowie auf private Vorsorge angewiesen.
Mit einer maximalen AHV-Rente von rund 2500 Franken monatlich werde lediglich die Grundsicherung erreicht. Wie hoch die Leistungen ausfallen, hänge stark vom Einkommen ab. «Am meisten profitieren diejenigen, die gut verdienen», betonte Mösch Payot – eine Realität, die für viele Haushalte nicht zutreffe.
Ob jemand Anspruch auf bestimmte Leistungen hat, hängt in der Schweiz unter anderem davon ab, ob man hier wohnt oder arbeitet. Wer seinen Wohnsitz im Land hat, ist etwa in der AHV, der IV oder der obligatorischen Krankenversicherung versichert, auch ohne Erwerbstätigkeit.
Doch auch hier bleibt der Einfluss des Einkommens gross. Mösch Payot veranschaulichte dies am Beispiel einer Invaliditätsrente: Wer zuvor ein hohes Einkommen hatte, erhält bei teilweiser Erwerbsunfähigkeit deutlich mehr Leistungen als jemand mit tiefem Lohn. Bei Personen, die überwiegend Hausarbeit leisten, wird die Einschränkung mittels Haushaltsabklärung bewertet. Das Ergebnis falle häufig eher tief aus.
Wer arbeitet, ist zusätzlich in Bereichen wie Mutterschaftsentschädigung oder beruflicher Vorsorge abgesichert. Allerdings gelten Eintrittsschwellen. Wer weniger als 22 680 Franken jährlich verdient, ist etwa von der obligatorischen Pensionskasse ausgeschlossen. Auch Mutterschaftsleistungen gibt es nur bei bestehender Erwerbstätigkeit. Mösch Payot warnte deshalb eindringlich davor, ein Arbeitsverhältnis während der Schwangerschaft leichtfertig aufzulösen.
Krankheit als grösstes Risiko
Als besonders unterschätztes Risiko bezeichnete der Experte eine plötzliche Krankheit. Viele Familien kalkulierten mit zwei Einkommen. Fällt eines davon weg, könne dies rasch zu finanziellen Engpässen führen. Krankentaggeld sei in der Schweiz nicht obligatorisch, Lohnersatzleistungen seien zeitlich begrenzt und deckten oft nur rund 80 Prozent des Einkommens.
Sein Rat: Beim Stellenantritt nicht nur auf den Lohn schauen, sondern auch auf Versicherungsleistungen im Krankheitsfall.
In seinem Fazit hielt Mösch Payot fest, dass eine eigene Erwerbstätigkeit mit möglichst hohem Pensum grundsätzlich die beste Grundlage für Absicherung bei Krankheit, Arbeitslosigkeit sowie für Alters- und Invalidenvorsorge darstellt. Für Personen mit tiefem Einkommen oder ohne Erwerbstätigkeit könne eine Eheschliessung mit einem besser verdienenden Partner Vorteile bringen, insbesondere wenn jemand einen grossen Teil der Familienarbeit übernimmt.
Nicht verheirateten Paaren empfiehlt der Professor, sich vertraglich und über private Versicherungen abzusichern, etwa mit Blick auf Todesfall, Invalidität oder Altersvorsorge.
Der lehrreiche Abend ging schliesslich in einen Apéro über, bei dem Mösch Payot den Besucherinnen und Besuchern für individuelle Fragen zur Verfügung stand.

