Kein zweiter «Chlapf a Gring»
15.01.2026 Sport«Die 20. Olympischen Winterspiele gehen an … Turin!», verkündete IOC-Präsident Juan Antonio Samaranch im Juni 1999. Der Traum von Olympischen Winterspielen in der Schweiz – er zerbarst von einer Sekunde auf die andere. Die Entscheidung des Internationalen ...
«Die 20. Olympischen Winterspiele gehen an … Turin!», verkündete IOC-Präsident Juan Antonio Samaranch im Juni 1999. Der Traum von Olympischen Winterspielen in der Schweiz – er zerbarst von einer Sekunde auf die andere. Die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees schockierte das Land. Frustriert waren alle, besonders aber «Dölf» Ogi, der an vorderster Front für «Sion 2006» geweibelt hatte. «Das isch wie ne Chlapf a Gring», entfuhr es dem alt Bundesrat. Jahre später wurde auch aus dem Folgeprojekt «Sion 2026» nichts, die Stimmenden im Wallis lehnten eine entsprechende Vorlage ab. Auch das Bündner Volk sprach sich zweimal gegen Olympia aus. Aus der Traum?
Nächsten Monat wird in Italien um olympische Medaillen gekämpft. «Milano/ Cortina» heissen die Co-Gastgeber der 25. Winterspiele. Nach zuletzt absurd anmutenden Austragungsorten wie Sotschi 2014, Pyeongchang 2018 und Peking 2022 kehren die Spiele nach Europa zurück. Abermals nach Italien.
Doch in zwölf Jahren sollen sie endlich wieder hierzulande stattfinden! Unter Schweizer Olympia-Fans keimt Hoffnung. Sie trägt den Namen «Switzerland 2038». 90 Jahre nach den Spielen in St. Moritz soll es in der Schweiz erneut Winterspiele geben. Dezentral. Nachhaltig. Anders. Zum ersten Mal würde keine Stadt oder Region, sondern ein ganzes Land die Spiele durchführen. 10 Kantone und 14 Gemeinden von Genf bis St. Moritz sind involviert. Heuer lanciert der Bundesrat die Vernehmlassung. Danach wird über einen Grundsatz- und Planungsbeschluss entschieden, den anschliessend das Parlament behandelt. Vergeben werden die Spiele vom IOC im Jahr 2027.
Im Baselbiet sind leider keine Wettkämpfe vorgesehen. Dabei gäbe es in unserem Kanton durchaus Gelegenheiten: Langlauf auf der Waldweide ist denkbar, Rodeln auf der Wasserfallen, Skirennen in Oltingen und Eishockey in Zunzgen. Langenbruck? Die Sprungschanze müsste eigens wieder aufgebaut werden. So weit wird es nicht kommen. Dennoch: «Switzerland 2038» böte der Schweiz die Chance, zu beweisen, dass sich Spiele in einem demokratischen Land und umweltverträglich durchführen lassen. So nämlich proklamieren es die Initiantinnen und Initianten. Sie wollen bestehende Infrastruktur nutzen und den öffentlichen Verkehr. Die Frauen-Fussball-EM hat gezeigt, dass kurze Wege ein Plus sind: In unserem kleinen Land ist selbst ein dezentral ausgetragener Anlass noch zentral.
Es liegt alles bereit. Fehlt bloss noch der Schnee. Ob der bis 2038 noch bis in tiefe Lagen fallen wird?
Seraina Degen
Seraina Degen (1986) ist in Niederdorf aufgewachsen. Als Torhüterin spielte sie lange leidenschaftlich Fussball, heute bleibt sie beruflich am Ball – als Redaktorin bei SRF Sport.

