Kanton plant für die Zukunft
24.09.2026 BaselbietRichtplan wird grundlegend überarbeitet – erste Vorschläge liegen vor
Umfahrungen verschwinden, neue Zugverbindungen bleiben ein Thema. Auch das Velonetz soll neu ausgestaltet werden. Nun kann sich die Öffentlichkeit zu den Verkehrsplänen äussern.
...Richtplan wird grundlegend überarbeitet – erste Vorschläge liegen vor
Umfahrungen verschwinden, neue Zugverbindungen bleiben ein Thema. Auch das Velonetz soll neu ausgestaltet werden. Nun kann sich die Öffentlichkeit zu den Verkehrsplänen äussern.
Janis Erne
Der Baselbieter Richtplan wird erstmals seit seinem Erlass 2009 von Grund auf überprüft. Der Richtplan legt vereinfacht gesagt fest, wie sich der Kanton räumlich entwickeln soll und wo etwa wichtige Verkehrsprojekte vorgesehen sind. Er ist für die Behörden verbindlich, bedeutet aber noch nicht, dass ein eingetragenes Projekt auch tatsächlich umgesetzt wird.
Gestern hat der Regierungsrat das erste Teilpaket der Überprüfung in die Vernehmlassung geschickt. Bis zum 31. Januar können Gemeinden, Parteien, Verbände und Interessierte Stellung nehmen. Vorerst geht es um das Raumkonzept sowie Verkehr und Mobilität. Siedlungs-, Arbeits- und Entwicklungsgebiete, Landschaft, Energie sowie vom Bund geforderte Bauland-Auszonungen folgen in einem zweiten Paket. Für das Oberbaselbiet enthält das erste Paket einige interessante Änderungen: Aus dem Richtplan verschwinden sollen die Umfahrungen von Waldenburg und Rickenbach. Mit den beiden – bisher nur theoretischen – Projekten sollten die jeweiligen Ortsdurchfahrten vom Verkehr entlastet werden. Der Kanton begründet die Streichung damit, dass die beiden Umfahrungen viel kosten würden, das Verkehrsaufkommen in den beiden Dörfern aber gering sei. Neu ist die Diskussion nicht: Bereits 2016 wollte die SP beide Projekte aus dem Richtplan streichen. Der Landrat lehnte dies damals deutlich ab.
Auch auf der Schiene soll ein altes Projekt verschwinden: das Überholgleis Tecknau. Das Gleis war einst für zusätzliche Güterzüge durch das Ergolztal Richtung Bern und Lötschberg vorgesehen. Nun soll es aus dem Richtplan gestrichen werden, weil der Kanton keinen ausreichenden Nutzen mehr darin sieht.
Weiterverfolgt wird dagegen eine wesentlich grössere Idee: ein neuer Juradurchstich zwischen dem Raum Liestal und dem Mittelland. Das Projekt geistert seit Jahrzehnten durch die Politik. Der Kanton hält nun fest, dass ein neuer Tunnel Voraussetzung für einen deutlichen Ausbau des Bahnangebots zwischen dem Baselbiet und dem Mittelland wäre. Zuständig für die weitere Planung ist der Bund.
Wika-Tunnelidee wird geprüft
Ebenfalls langfristig angelegt ist die «Entflechtung Liestal Nord». Dabei sollen die Bahnlinien vom Adlertunnel (Fernverkehr) und von Frenkendorf her (S-Bahn und Güterverkehr) so miteinander verbunden werden, dass Züge gleichzeitig fahren können und sich weniger gegenseitig behindern. Wartezeiten von Zügen vor der Verzweigung in Liestal könnten so reduziert werden. Zudem soll damit mehr Platz für zusätzliche Verbindungen geschaffen werden. Die Idee ist nicht neu: Pläne für eine solche Entflechtung gibt es bereits seit Jahren. Bis zu einer Realisierung sind jedoch noch weitere Schritte auf Bundesebene nötig.
Noch offener ist eine Verbindung zwischen Ergolz- und Birstal, wie sie die Wirtschaftskammer Baselland mit einer Initiative in Form eines kombinierten Strassen- und Bahntunnels fordert. Der Kanton räumt ein, dass zwischen den beiden Tälern eine leistungsstarke Direktverbindung fehlt. Viel Verkehr läuft deshalb über Pratteln und Muttenz. Nun soll untersucht werden, welche Verbesserungen möglich wären. Während im Birstal Reinach Nord als möglicher Anschlusspunkt im Raum steht, ist noch offen, wo eine solche Verbindung im Ergolztal ansetzen könnte.
Auch das kantonale Velonetz wird neu geordnet. Fortan unterscheidet der Kanton zwischen Velovorzugs-, Velohaupt- und Basisrouten. Eine Velovorzugsroute ist durchs Ergolztal vorgesehen. Auf diesen besonders hochwertigen Verbindungen sollen Velofahrende möglichst flüssig und mit wenigen Stopps vorankommen. Daneben sollen bestehende Routen angepasst werden, etwa in Bubendorf, Rickenbach und Anwil.
Ebenfalls konkreter wird die Planung in Bubendorf. Die kantonseigene Parzelle 1409 soll als einer von drei möglichen Standorten für einen Standplatz für Fahrende in den Richtplan aufgenommen werden. Das Grundstück liegt ausserhalb des Dorfes bei der ARA Frenke 3 und ist über eine Querstrasse an die Kantonsstrasse zwischen Bubendorf und Liestal angebunden. Ein Teil wird heute von der Kläranlage genutzt, ein Teil landwirtschaftlich. Neben Bubendorf prüft der Kanton Standorte in Oberwil und Reinach.
