Kanton etwas weniger attraktiv
30.04.2026 BaselbietRegierung will die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft verbessern
Baselland belegt im kantonalen Wettbewerbsindikator 2025 der UBS den siebten Platz. Gegenüber 2023 verliert das Baselbiet einen Platz. Das Projekt «Standort Baselland» des Regierungsrats soll nun die Rahmenbedingungen ...
Regierung will die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft verbessern
Baselland belegt im kantonalen Wettbewerbsindikator 2025 der UBS den siebten Platz. Gegenüber 2023 verliert das Baselbiet einen Platz. Das Projekt «Standort Baselland» des Regierungsrats soll nun die Rahmenbedingungen für Firmen verbessern.
Tobias Gfeller
Der Kanton Baselland gehört zu den leistungsfähigsten Standorten der Schweiz. Besonders in den Bereichen Wirtschaftsstruktur, Innovationskraft und Humankapital kann das Baselbiet überzeugen. Dies belegt der alle zwei Jahre durch die Grossbank UBS veröffentlichte kantonale Wirtschaftsindikator. Trotz der teilweise positiven Bewertung verliert Baselland gegenüber der Analyse von 2023 einen Platz und das Prädikat «hoch» in Bezug auf die Wettbewerbsfähigkeit. Die Ränge 1 bis 6 belegen im Bericht 2025 die Kantone Zug, Basel-Stadt, Zürich, Waadt, Aargau und Genf.
Besonders gut bis sehr gut schneidet das Baselbiet gemäss UBS bei der Erreichbarkeit (Rang 4 von 26 Kantonen), der Wirtschaftsstruktur (Rang 5), der Innovationskraft (Rang 7) sowie beim Humankapital (Rang 9) ab. Auf den hinteren Rängen landet das Baselbiet beim Arbeitsmarkt (Rang 21) und beim Kostenumfeld (Rang 20). «Hier wirken sich die ungünstige demografische Entwicklung sowie überdurchschnittlich stark steigende Strompreise im Kanton negativ aus», schreibt die Standortförderung Baselland in ihrem Jahresbericht.
Der Anteil der über 65-Jährigen an der Gesamtbevölkerung ist im Baselbiet sehr hoch. Gleichzeitig stagniert der Anteil der Personen im erwerbsfähigen Alter. Auch der Ausblick auf die Entwicklung in den nächsten Jahren sei für den Kanton herausfordernd, mahnt Julien Kurt, Kommunikationsleiter der Baselbieter Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion (VGD), auf Anfrage.
Auch bei den Staatsfinanzen (Rang 21) muss sich das Baselbiet weiterhin mit einem der hinteren Ränge begnügen. Der Spielraum eines Kantons, seine Wettbewerbsfähigkeit über finanzpolitische Massnahmen zu verbessern – beispielsweise via Steuersenkungen oder Infrastrukturinvestitionen – verringere sich mit zunehmender Verschuldung, heisst es im UBS-Bericht.
Hohe Teuerungsrate beim Strom
Bei der steuerlichen Belastung der Unternehmen hat sich das Baselbiet laut VGD-Sprecher Kurt in den vergangenen Jahren im Kantonsvergleich deutlich verbessert und sei dank tiefen Steuersätzen und den Abzugsmöglichkeiten für forschungsintensive Unternehmen sehr attraktiv. «Auf der anderen Seite ist die Einkommenssteuerbelastung, namentlich bei hohen Einkommen, nach wie vor hoch.» Hoch seien im Kantonsvergleich aufgrund der starken Nachfrage auch die Löhne und Gehälter, die Büromietpreise und Wohnungsmieten. Die VGD wertet dies als Indiz für die hohe Standortattraktivität des Baselbiets.
Gemäss UBS ist es seit der Strommangellange im Winter 2022/23 zwischen den Kantonen zu erheblichen Verschiebungen bei den relativen Stromkosten gekommen. Die höchste Teuerungsrate bei den Strompreisen wiesen laut UBS die Kantone Schaffhausen, Zürich und Baselland auf.
Die Baselbieter Regierung möchte bei der nächsten Analyse der Grossbank UBS das Prädikat «hoch» zurückerlangen. Gelingen soll dies mit dem Projekt «Standort Baselland», das der Regierungsrat Anfang dieses Jahres lanciert hat. Ziele seien die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit, der Abbau administrativer Hürden und eine noch klarere Positionierung der Stärken des Baselbiets gegenüber bestehenden Unternehmen ebenso wie gegenüber potenziellen Investoren, schreibt Thomi Jourdan (EVP), Vorsteher der Volkswirtschaftsdirektion, im Vorwort des Jahresberichts der Standortförderung.
Auch soll die Resilienz der Wirtschaft gegenüber strukturellen und konjunkturellen Ereignissen wie den US-Zöllen, Handelshemmnissen und zunehmendem Protektionismus erhöht werden. Teil des Projektauftrags des Regierungsrats sei es, die mögliche Betroffenheit des Kantons und der Wirtschaft im Baselbiet durch die genannten Verwerfungen zu analysieren, erklärt VGD-Sprecher Kurt.
Ein zentraler Hebel für die Steigerung der Standortattraktivität ist laut Thomi Jourdan Innovation. Er nennt das Engagement des Forschungsunternehmens Centre Suisse d’Electronique et de Microtechnique (CSEM) in Allschwil als Beispiel. Das CSEM leiste einen wichtigen Beitrag zur technologischen Wettbewerbsfähigkeit der Region.
Auch die Ansiedlung des Zahnimplantateherstellers Straumann Group im Innovationsareal «uptown-Basel» in Arlesheim stehe sinnbildlich für die Dynamik des Innovations-Ökosystems: «Sie ermöglicht den Aufbau eines neuen Medtech-Innovationshubs, stärkt Forschung und Entwicklung und fördert unternehmensübergreifende Kooperationen in dieser Zukunftsbranche – zum Nutzen des gesamten Kantons», schreibt Jourdan.
Nach dem erfolgreichen Aufbau des Life-Sciences-Cluster in Allschwil ist die Volkswirtschaftsdirektion daran, die dort gewonnenen Erkenntnisse auf den Medtech-Bereich anzuwenden. Bei der Frage nach der Ausgestaltung der Verwaltungsprozesse, die für Firmen relevant sind, bezieht der Kanton die Unternehmen gezielter mit ein. Damit beschreite der Kanton nicht nur für das Baselbiet neue Wege, betont VGD-Sprecher Julien Kurt.
Der kantonale Wettbewerbsindikator der UBS zeigt, dass vor allem das untere Baselbiet eine hohe Wettbewerbsfähigkeit aufweist. Das Oberbaselbiet und das Laufental liegen auch über dem nationalen Durchschnitt, haben aber spezifische Herausforderungen – namentlich bei der Branchenstruktur und zum Teil bei der Erreichbarkeit. Die regionalen Zentren Sissach, Gelterkinden und Laufen besitzen gemäss VGD grosses Entwicklungspotenzial – auch hinsichtlich Ansiedlung und Weiterentwicklung von Arealen für Industrie und Gewerbe.
Entsprechend stehen diese Gebiete auch im Rahmen der neuen Regionalpolitik (NRP) im Fokus. Im sehr ländlich geprägten Raum gilt es gemäss VGD-Sprecher Julien Kurt, zu analysieren, wo Aktivitäten und Projekte sinnvoll und umsetzbar sind. «Infrage kommen sicherlich die Bereiche Tourismus und Landschaft, wobei die Angebotsentwicklung auf die lokalen Bedürfnisse abgestimmt werden muss.»

