Jedes dritte Kind braucht Deutschförderung
02.10.2025 BaselbietGemeinden reagieren mit Sprachkurs-Gutscheinen oder planen gar ein Obligatorium
vs. Fast jedes dritte Kind im Baselbiet spricht kurz vor dem Kindergarten noch nicht genügend Deutsch. Das zeigt die erste kantonale Sprachstanderhebung, die Anfang dieses Jahres ...
Gemeinden reagieren mit Sprachkurs-Gutscheinen oder planen gar ein Obligatorium
vs. Fast jedes dritte Kind im Baselbiet spricht kurz vor dem Kindergarten noch nicht genügend Deutsch. Das zeigt die erste kantonale Sprachstanderhebung, die Anfang dieses Jahres durchgeführt wurde. Von 2663 erfassten Kindern wiesen 828 – also 31,1 Prozent – einen Förderbedarf auf, wie es in einer Mitteilung heisst, die der Kanton Baselland vorgestern verschickt hat.
Besonders auffällig ist die Lage bei mehrsprachigen Kindern: Von den 1437 Kindern, die zu Hause mindestens eine andere Sprache als Deutsch sprechen, benötigt mehr als die Hälfte (54,4 Prozent) zusätzliche Unterstützung. In Aesch, Allschwil, Pratteln und Reinach brauchen am meisten Kinder Deutschunterricht.
Im Oberbaselbiet stechen Lausen, Gelterkinden und Zunzgen hervor. Auch Liestal ist stark betroffen.
Die Erhebung verdeutlicht, wie vielfältig die sprachliche Landschaft im Baselbiet ist. Fast die Hälfte der Kinder (46 Prozent) wächst ausschliesslich deutschsprachig auf. 14,3 Prozent sprechen nur eine Fremdsprache, ein Drittel wächst zweisprachig auf – meist mit Deutsch – und 6,4 Prozent sind sogar drei- oder mehrsprachig.
Damit Eltern den Fragebogen des Kantons verstehen konnten, standen das Formular und «interkulturelle Vermittler» in insgesamt 20 Sprachen zur Verfügung, darunter Albanisch, Arabisch, Portugiesisch, Tamilisch oder Ukrainisch. Am meisten genutzt wurde jedoch das englische Angebot.
Es gibt Nachholbedarf
Die in Zusammenarbeit mit der Universität Basel durchgeführte Sprachstanderhebung bestätigt eine Tendenz, die auch andere Kantone kennen: Kinder mit frühem Zugang zu einer Kita oder Spielgruppe schneiden sprachlich besser ab. Dennoch besuchten zum Zeitpunkt der Befragung rund 500 Kinder mit Förderbedarf keine Einrichtung oder erhielten weniger als vier Stunden Deutschförderung pro Woche. Gründe seien finanzielle Hürden, kulturelle Vorbehalte oder fehlende Angebote in der Nähe.
Um gegenzusteuern, setzen immer mehr Baselbieter Gemeinden auf Sprachfördergutscheine. Gemeinden wie Reinach, Pratteln oder Binningen unterstützen Eltern bereits konkret, andere – etwa Liestal – planen sogar ein Obligatorium. Im Oberbaselbiet fehlen die Unterstützungsmöglichkeiten noch weitgehend. Ziel des Kantons ist, dass möglichst alle Kinder mit Förderbedarf rechtzeitig erreicht werden.
Die Baselbieter Sicherheitsdirektion spricht von einem wichtigen Schritt: Zum ersten Mal liegt ein detailliertes Bild vor, wie gut Kinder vor dem Kindergarteneintritt Deutsch verstehen. Für Bildungsforscher ist das zentral – denn ohne ausreichende Sprachkenntnisse wird der Start in die Schule schnell zur Stolperfalle.
