Herr Brodmann, Ihr Bericht sagt nur, dass 30 Proben am oder über dem Richtwert lagen. Wie hoch war der höchste gemessene PFOS-Wert?
Gab es auch extreme Ergebnisse?
Peter Brodmann: Die Einzelwerte werden nicht publiziert, weil sie eine Momentaufnahme ...
Herr Brodmann, Ihr Bericht sagt nur, dass 30 Proben am oder über dem Richtwert lagen. Wie hoch war der höchste gemessene PFOS-Wert?
Gab es auch extreme Ergebnisse?
Peter Brodmann: Die Einzelwerte werden nicht publiziert, weil sie eine Momentaufnahme darstellen. Den Betrieben haben wir angeboten, mit einer Zweitmessung den ersten Messwert zu verifizieren. Frühestens dann wird sich zeigen, ob der Einzelwert repräsentativ ist oder ob sich die PFAS-Konzentration in der Milch aufgrund von unterschiedlichen Tränkwasserquellen, Fütterung, Weidegang oder anderen Parametern verändert.
Gab es regionale Häufungen innerhalb des Kantons? Konkret: Wie viele der 30 Proben stammten aus dem Oberbaselbiet?
Im ganzen Kanton wurden punktuell Richtwertüberschreitungen festgestellt. Jeder Betrieb muss nun im Einzelfall angeschaut werden. Erst die Ursachenabklärung wird zeigen, ob die PFAS-Belastung von mehreren Betrieben auf die gleiche Ursache zurückzuführen ist und ob regionale Zusammenhänge bestehen.
Wie erklären Sie den Konsumentinnen und Konsumenten, dass die Milch trotz Richtwertüberschreitung weiterhin uneingeschränkt konsumiert werden darf? Später wird die Milch mit gleicher Belastung vielleicht einmal als unverkäuflich eingestuft.
Solange das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV keine lebensmittelrechtlichen Höchstwerte für PFAS in Milch festlegt, gibt es keine rechtliche Grundlage, um Massnahmen zu verfügen. Das Monitoring von PFAS in der Baselbieter Milch und die nachfolgenden Abklärungen sind jedoch wichtige Schritte, um die PFAS-Rückstände in der Milch rasch und proaktiv zu senken.
Wie wirken sich die einzelnen hohen Werte auf die Milch aus, die wir im Laden aus dem Regal nehmen?
Die Verkaufsmilch, welche im Handel gekauft werden kann, ist eine Mischung aus Milch von verschiedenen Produzentinnen und Produzenten. Die im Jahr 2025 durch das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV veranlassten Untersuchungen zeigen, dass die EU-Richtwerte für PFOS in der Verkaufsmilch weitestgehend eingehalten werden.
Kann ein Landwirtschaftsbetrieb die Belastung überhaupt kurzfristig senken, wenn die Ursache im Boden oder Wasser liegt?
Dies kann nur im Rahmen der Ursachenabklärung individuell abgeklärt werden. Verfügt ein Betrieb zum Beispiel über zwei Tränkewasserquellen, wovon eine unbelastet ist, könnte diese genutzt werden. Falls die Ursache beim Futter liegt, kann eine Anpassung beim Futtermanagement geprüft werden.
Laufen die 30 betroffenen Landwirtschaftsbetriebe Gefahr, künftig keine Milch mehr abliefern zu dürfen?
Es kann davon ausgegangen werden, dass auch für Lebensmittel wie Milch und Milchprodukte PFAS-Höchstwerte festgelegt werden. Der Kanton möchte deshalb frühzeitig allfällige PFAS-Belastungen erkennen und Massnahmen zu deren Reduktion in Angriff nehmen.
Interview tho.