Jeden Donnerstag eine Wundertüte
13.10.2026 NiederdorfDer Verein Solimatt setzt sich für eine nachhaltige Produktion von Lebensmitteln ein
Gemüse und Obst gemeinschaftlich und ökologisch zu produzieren, das ist seit vier Jahren Sinn und Zweck des Vereins Solimatt. Bevor am Samstag bei Pizza aus dem Holzofen Erntedank gefeiert ...
Der Verein Solimatt setzt sich für eine nachhaltige Produktion von Lebensmitteln ein
Gemüse und Obst gemeinschaftlich und ökologisch zu produzieren, das ist seit vier Jahren Sinn und Zweck des Vereins Solimatt. Bevor am Samstag bei Pizza aus dem Holzofen Erntedank gefeiert wurde, legten Mitglieder Hand an beim Ernten und Abräumen.
Brigitte Keller
Der Samstag ist trüb und es nieselt. Das Nass von oben und die Erde, die bald einmal an den Schuhsohlen kleben wird, stört aber niemanden. Im Gegenteil, auf diesen Moment haben alle sehnsüchtig gewartet. Unter ihnen Landwirtin Marianne Lerch und Gemüsegärtnerin Kristin Metzner vom Verein Solimatt.
Seit vier Jahren produziert der Verein auf dem Hof Baselmatt in Niederdorf auf 50 Aren Gemüse. Er gehört damit zu rund 40 Betrieben in der Schweiz, die sich der solidarischen Landwirtschaft verschrieben haben. Solidarische Landwirtschaft ermöglicht aktive Mitarbeit und Mitgestaltung und die Beteiligten erhalten hochwertige, saisonal und regional produzierte Nahrungsmittel. Der direkte Kontakt und das eigene Miterleben fördern die Wertschätzung für Lebensmittel.
«Bei uns zahlt man nicht für ein einzelnes Gemüse», erklärt Kristin Metzner, «sondern für das gesamte Paket, alles ist gleich viel wert; wenn eine Kultur nicht funktioniert, gleichen wir es mit etwas anderem aus.» Dieses Prinzip zahlte sich in diesem heissen und trockenen Sommer aus, in dem das eine oder andere Gemüse nicht gedeihen wollte und durch andere ersetzt werden konnte.
Tag zum Mitmachen
Wer Mitglied ist, erhält wöchentlich einen Ernteanteil an frischem Gemüse und Obst. Die Mitglieder können beim Pflanzen, Jäten, Ernten oder Verpacken und Ausliefern mithelfen, dies ist ein Teil des Konzepts der solidarischen Landwirtschaft. Was die Körbe enthalten, ist jeweils eine Überraschung, oder, wie es eine der Helferinnen nennt, «eine wöchentliche Wundertüte». Beigelegte Kochrezepte können inspirieren, falls der Korb ein bislang unbekanntes Gemüse enthält oder einem einfach die Ideen gerade ausgegangen sind.
Am vergangenen Samstag stand beim gemeinschaftlichen Arbeiten unter anderem das Abernten des Kürbisfelds auf dem Programm. Erwachsene – aber auch eifrige kleine Kinder – sammelten alle restlichen Speisekürbisse ein und füllten Kiste um Kiste damit. Im Folientunnel auf dem oberen Feld wurden von weiteren Mitgliedern die letzten Tomaten geerntet und danach die Stauden abgeschnitten. Ein weiterer Helfer liess diese durch einen Häcksler laufen.
Unter den Helfenden an diesem Mitmachtag befand sich auch Natalie Oberholzer. Die Grünen-Landrätin und Leiterin des «Naturforums Regio Basel» zählt zu den Mitgliedern des Vereins Solimatt. Wer mithelfe, erlebe mit, wie viel Aufwand beim Produzieren nötig sei, sagt sie. «Durch den Bezug zur Landwirtschaft lernt man hier, mit dem, was auf den Teller kommt, anders umzugehen und das Essen wieder mehr wertzuschätzen.»
Der fehlende Regen in diesem Jahr bescherte den beiden Gemüsebäuerinnen, wie vielen anderen Produzenten in der Region auch, so manche Extrastunde. Wasser sei zwar vorhanden gewesen, dieses an die richtigen Stellen zu bringen, sei jedoch sehr zeitraubend gewesen. Beinahe die Hälfte ihrer Präsenzzeit sei fürs Bewässern der Gemüsekulturen draufgegangen. Das bestehende Bewässerungssystem müsse dringend angepasst respektive durch ein effizienteres ersetzt werden.
Etwas zu kurz gekommen seien bei der hohen Arbeitsbelastung die Öffentlichkeitsarbeit und die Werbung. Dafür habe leider die Kapazität gefehlt. «Ja, da könnten wir noch aktiver werden», sagt Marianne Lerch, nicht zuletzt, um zusätzliche Mitglieder zu gewinnen. «20 weitere Mitglieder wären schön, dann haben wir unser oberstes Ziel erreicht.»

