«Jagdhornmusik kann sehr vielfältig sein»
21.05.2026 Bezirk LiestalThekla Homberger spricht über internationale Traditionen, Gemeinschaft und die Fest-Höhepunkte
Wenn Ende Monat Hunderte Bläser nach Liestal reisen, steht die Stadt ganz im Zeichen des Jagdhorns. Thekla Homberger, Präsidentin Jagdhornbläser Schweiz, erklärt, ...
Thekla Homberger spricht über internationale Traditionen, Gemeinschaft und die Fest-Höhepunkte
Wenn Ende Monat Hunderte Bläser nach Liestal reisen, steht die Stadt ganz im Zeichen des Jagdhorns. Thekla Homberger, Präsidentin Jagdhornbläser Schweiz, erklärt, weshalb das Jagdhornblasen mehr ist als gelebtes Brauchtum.
Luana Güntert
Frau Homberger, wie kam es dazu, dass Liestal Austragungsort des Festes wurde?
Thekla Homberger: Die Idee kam von mir, da ich selber aus Füllinsdorf komme und Liestal gut kenne. Das «Stedtli» eignet sich mit seiner schönen Altstadt und der Stadtkirche perfekt für den Anlass. Zudem ist der Standort für die Teilnehmenden aus dem nahen Ausland gut erreichbar.
Sind alle Teilnehmenden Jäger?
Die meisten, ja. Einige sind Profimusiker oder kamen auf anderen Wegen zum Jagdhornblasen. Laut Reglement müssen jedoch mindestens zwei Drittel einer Gruppe aus Jägerinnen oder Jägern bestehen.
Woher reisen die Gruppen an?
Die meisten kommen aus der Schweiz. Daneben erwarten wir Gruppen aus Deutschland, Österreich, Frankreich und Tschechien.
Was erwartet Besucher, die noch nie an einem solchen Fest waren?
Viele sind jeweils überrascht, wie klangvoll Jagdhörner trotz fehlender Ventile tönen. Oft unterschätzt wird auch die Vielseitigkeit der Jagdhornmusik. Neben traditionellen Jagdliedern spielen wir moderne Stücke, Polkas, Walzer oder Märsche.
Welche Rolle spielt das Jagdhornblasen heute noch?
Es ist gleichzeitig Tradition und gelebte Praxis. Einerseits betreiben viele das Spielen aus Freude an der Musik und begleiten damit Hubertusmessen, Geburtstage, Hochzeiten, Beerdigungen und andere Anlässe. Andererseits wird das Jagdhorn nach wie vor aktiv eingesetzt – etwa an Herbstjagden, um den Beginn oder das Ende eines Jagdtages zu signalisieren oder ein erlegtes Tier zu ehren. Für jedes Wildtier gibt es sogar ein eigenes Stück wie «Fuchs tot» oder «Sau tot».
Wie sind Sie persönlich zum Jagdhornblasen gekommen?
Ich bin in einer Jägerfamilie aufgewachsen und habe vor 14 Jahren selbst die Jagdprüfung gemacht. Während meines Jagdlehrjahrs hatte ich viel Kontakt zu meinem Jagdgötti, der Jagdhorn spielte. Einmal begleitete ich ihn zu einer Probe – und das Jagdhorn faszinierte mich sofort. Danach wurde ich Mitglied bei den Jagdhornbläsern Reichenstein. Da ich als Kind Trompete gespielt hatte, fiel mir der Einstieg leichter.
Gab es einen Moment, der Ihnen stark in Erinnerung geblieben ist?
Ja, das war 2013 am Eidgenössischen Jagdhornbläserfest in Brig. Damals stand ich noch ganz am Anfang meiner Bläserinnen- und Jägerinnenlaufbahn. Dort habe ich gespürt, wie stark das gemeinsame Musizieren die Kameradschaft fördert. Zwischen den Wettkämpfen standen oft Gruppen zusammen und spielten spontan gemeinsam, obwohl sie sich gar nicht kannten. Das hat mich sehr beeindruckt.
Hat die Szene genügend Nachwuchs?
Wie viele andere Musikvereine haben auch wir Nachwuchssorgen. Junge Mitglieder gibt es zwar, doch oft rückt die Musik mit dem Einstieg ins Berufsleben oder während der Familiengründung in den Hintergrund.
Wie versucht man, junge Menschen für diese Tradition zu begeistern?
Wir suchen den Kontakt über Musikschulen und zeigen Präsenz an Jagdschulen, um junge Jägerinnen und Jäger direkt anzusprechen.
Welche Programmpunkte sollten auf keinen Fall verpasst werden?
Ein Highlight wird das Eröffnungskonzert am Freitag in der Stadtkirche. Dort spielen mehr als 50 Bläser gemeinsam, unterstützt von jungen Waldhornisten der Musikschule Liestal sowie Barockhornisten aus Italien. Der zweite Höhepunkt folgt am Samstag um 16.15 Uhr in der Rathausstrasse. Dann musizieren mehr als 300 Personen zusammen – das wird ein eindrückliches Erlebnis.
Teilnehmerkategorien
Die Wettspiele in Liestal finden in folgenden Kategorien und Stärkeklassen statt:
Kategorie A: Fürst-Pless- und Parforcehörner in B gemischt, eingeteilt in vier Klassen, wobei die erste Klasse die höchste ist. I: Mindestanzahl Blasende: 7 II: Mindestanzahl Blasende: 7 III: Mindestanzahl Blasende: 7 IV: Mindestanzahl Blasende: 5
Kategorie B: Reine Fürst-Pless- oder reine Parforcehörner in B. Mindestanzahl Blasende: 5
Kategorie C: Reine Parforcehörner in Es, eingeteilt in zwei Klassen, wobei die erste Klasse die höhere ist.
I: Mindestanzahl Blasende: 7 II: Mindestanzahl Blasende: 7
Kategorie D: Übrige Gruppen: Teilnehmerinnen und Teilnehmer, welche den Anforderungen keiner Kategorie dieses Reglements entsprechen. Mindestanzahl Blasende: frei
Kategorie E: Parforcehörner in D, Trompes de Chasse. Mindestanzahl Blasende: gemäss speziellen Vorgaben Trompe de Chasse
Kategorie F: Quartett in Es. Anzahl Blasende: 4 Vollständiger 4-stimmiger Satz (keine Doppelbesetzung der Stimmen).
Unterschiede der Nationen
lug. Die Wiege der grossen Jagdhornmusik liegt in Frankreich. Dort wird traditionell die «Trompe de Chasse» gespielt, deren Musik stark von den höfischen Fanfaren zur Zeit Ludwigs XIV. geprägt ist. Die Töne werden dabei mit einer speziellen Handhaltung im Schalltrichter verändert, was einen besonders warmen und voluminösen Klang erzeugt. In Deutschland, Österreich und der Schweiz dominiert dagegen das kleinere Fürst-Pless-Horn. Dieses wird sowohl für die Kommunikation auf der Jagd als auch in Musikgruppen verwendet. Daneben gibt es noch das grössere Parforcehorn, das ebenfalls regelmässig gespielt wird. In Tschechien hat das Jagdhornblasen auch eine lange Tradition. Dort wird unter anderem auf dem «Borlice», dem Pendant zum Fürst-Pless-Horn, gespielt. Für Feierlichkeiten kommt häufig das grössere Naturhorn «Lesnice» zum Einsatz. Im Vergleich zum eher kraftvollen deutschen Stil legen tschechische Bläser grossen Wert auf Musikalität, Dynamik und Leichtigkeit.


