Intelligänz Beschtie
29.10.2026 PersönlichMy letschte Zahnarzt-Bsuech isch en absoluts Highlight worde. Das het scho im Wartzimmer aagfange. Dört hani nämmlig e neus Gfüül entdeckt. Und i bi jo mittlerwyle 34 Joor alt. Do chönnt me meine, dass men alli Gfüül wos git, scho het dörfe (oder ...
My letschte Zahnarzt-Bsuech isch en absoluts Highlight worde. Das het scho im Wartzimmer aagfange. Dört hani nämmlig e neus Gfüül entdeckt. Und i bi jo mittlerwyle 34 Joor alt. Do chönnt me meine, dass men alli Gfüül wos git, scho het dörfe (oder müesse) entdecke. Aber der Alltag bewyyst immer wiider s Gegeteil.
In de letschte Joor zum Byschpiil, het sich bi mir e neus Gfüül entwicklet, wo sich in Form vomene Tschudere zeigt. Es Tschudere, wo steercher yyfahrt as jede Horrorfilm. Es Tschudere, wos mer d Hoor nid nummen ufstellt, sondern fascht scho uswirft. S Tschudere, wo mi überchunnt, wenn i es KI-generierts Plakat gseh. Und i muess säge, wies isch: Das sy grafischi Frankenstein-Monschter. Hemmigslos zämmeklaut us Überräschte vo menschlicher Kreativiteet. Zämmegsetzt zumenen ästhetische Unghüür – ohni Egge, ohni Kante, ohni Härz und ohni Seel.
Aber was wottsch? D KI schlyycht sich mit Liechtgschwindigkeit in alli Egge vo eusem Läbe. Nur wünschti mir d KI in anderen Egge, as in dene, wo si sich grad am Uustooben isch. I wünsch mir vo der KI, dass si mers Altglas entsorgt, nid ass si mir es Gedicht schryybt. I wünsch mir vo der KI, ass si mys Gschirr abwäscht, nid ass si mys Dänken übernimmt. I wünsch mer vo der KI, ass si d Wält rettet, nid aazündet. Das macht si aber halt scho. Mit wassersuffende Server-Farme, mit explodierende Drohne – und mit KI-Spiilzüg. Das isch nämmlig e neue Trend: KI-Teddys im Chinderzimmer. Aber d Wüsseschaft warnt dervor. Bi verschiidenschte Teschts het men uusegfunde, ass die Teddys de Chind gärn mol erkläre, wo s Mami d Zündhölzli versteckt.
Aber gömmer vom Chinderzimmer zrugg ins Wartzimmer. Dört bini nämmlig ghockt, woni es neus Gfüül entdeckt ha. Uf em Tischli isch e Flyer gläge. Wärbig für e Flohmärt. Und däm Flyer hesch ufen erschte Blick aagseh, ass är vomene Mensch gmacht worden isch. Do sy Farben und Schriftarte kombiniert worde, wo kei Maschiine würd kombiniere. Uf däm Flyer het nüd zämmepasst. Do het sich öbber kreativ ustobt – mit «WordArt», Neocolor und Collage und weiss nid was. Jä, das isch alles andere gsi as e perfekte Flyer. Das isch Kunscht gsi. Amateurhafti und lyydeschaftlichi Kunscht voller Eggen und Kante, voller Härz und Seel. Und vellicht isch das jo der Vorteil vo KI. Ass me die menschlichi Kreativiteet no viil me fot afo schetze. Die menschlichi Kreativiteet, merkwürdig und eigenartig, wie si cha sy. Und mit däm neue warme Gfühl hani mi guet gluunt in Behandligs-Stuel gschwunge. Und ha während der Behandlig grad non e wyters Mol müesse lere, ass es no ganz vill Gfüül git, wo me nonig entdeckt het.
Dominik Muheim ist in Reigoldswil aufgewachsen und lebt in Liestal. Er ist freischaffender Kabarettist und Slam-Poet. Er gewann 2017 den Baselbieter Kulturpreis und war 2024 Träger des «Salzburger Stiers».

