Ins Lager statt in die Grube
28.07.2026 ReigoldswilDie Probst-Gipse aus dem Gemeindezentrum bleiben erhalten
Die sechs Gipsskulpturen Jakob Probsts in Reigoldswil werden doch nicht zerstört. Der «Schwörende» wird Teil der Sammlung der Abteilung Archäologie und des «Museum BL». Fünf Skulpturen ...
Die Probst-Gipse aus dem Gemeindezentrum bleiben erhalten
Die sechs Gipsskulpturen Jakob Probsts in Reigoldswil werden doch nicht zerstört. Der «Schwörende» wird Teil der Sammlung der Abteilung Archäologie und des «Museum BL». Fünf Skulpturen übernimmt das «Archiv Regionaler Künstler*innen-Nachlässe» Basel.
Martin Stohler
Die sechs Gipsskulpturen waren in den 1970er-Jahren auf Initiative des Architekten Max Schneider als Leihgabe nach Reigoldswil gekommen und fanden im dortigen Gemeindezentrum eine Bleibe. Dieses muss nun einer Überbauung weichen und wird im August abgerissen. Damit stellte sich die Frage, was mit den Gipsskulpturen Probsts geschehen soll.
Die Gemeinde verfügt über keine Räumlichkeiten, in denen die Skulpturen aufgestellt werden könnten, und zeigte kein Interesse an einer Übernahme der Werke. Damit lag der Ball definitiv bei den Eigentümerinnen des Probst-Nachlasses, den beiden Enkelinnen Jakob Probsts, Giulietta Coates und Nikki Drinan Coates.
Diese leben in Südfrankreich und London. Sie konnten und wollten die zum Teil überlebensgrossen Gipsskulpturen nicht übernehmen. An einer Telefonkonferenz mit Gemeindepräsident Fritz Sutter und Gemeindeverwalter Markus Dörflinger sprachen sie sich am 26. Mai dafür aus, dass die Skulpturen beim Abbruch des Gemeindezentrums zerstört werden sollten. Damit sollte verhindert werden, dass es zu unautorisierten Abgüssen kommt oder mit den Werken etwas passiert, was nicht im Sinne Jakob Probsts wäre. Erhalten bleiben sollten allenfalls Modelle und Werke, bei denen sich keine Bronzegüsse nachweisen liessen. Dies traf auf die Gipsskulpturen im Gemeindezentrum nicht zu, wie ein erster Augenschein zeigte.
Ins Museum und Archiv
Als Reaktion auf den Entscheid vom 26. Mai, über den die «Volksstimme» berichtete, bemühte sich Stefan Hess, der Leiter des «Dichter:innenund Stadtmuseum Liestal», die Zerstörung der Gipsplastiken doch noch abzuwenden. Nach intensiven Gesprächen mit den Probst-Enkelinnen, der Kuratorin der Kunstsammlungen Archäologie und Museum Baselland, Dina Epelbaum, und Tomas Lochman vom «Archiv Regionaler Künstler*- innen-Nachlässe» (ARK Basel) gelang dies auch. So wird der «Schwörende» Teil der kunsthistorischen Sammlung der Hauptabteilung Archäologie und Museum Baselland. Eine entsprechende Schenkungsurkunde wurde am 15. Juli von den Probst-Enkelinnen Giulietta Coates und Nikki Drian sowie Dina Epelbaum unterzeichnet. Auch die übrigen fünf Gipsskulpturen bleiben erhalten. Diese gehen als Schenkung ans ARK Basel.
Die Bronzeplastik des «Schwörenden» – gelegentlich trägt sie auch den Namen «Der Schwur» – wurde 1959 von der Basellandschaftlichen Kunstkreditkommission erworben und im folgenden Jahr aus Anlass des 80. Geburtstags des Künstlers im Park des Schlosses Ebenrain aufgestellt, wo sie auch heute noch steht. So gesehen ist es sinnvoll, dass das «Museum BL» die Gipsskulptur übernimmt. Sie wird allerdings nicht öffentlich ausgestellt werden, wie Museumsleiter Marc Limat bestätigt, sondern wird in einem der Depots eingelagert. Dort kann sie auf Wunsch besichtigt werden. Zudem wird sie in die Datenbank der Sammlung aufgenommen und wird künftig auch online im Kulturgüterportal Nordwestschweiz zu finden sein.
Reinigung des «Schwörenden»
Um eine Gefährdung anderer Objekte, die sich bereits im Depot befinden, zu vermeiden, wird der Zustand jedes neu in die kantonale Sammlung aufgenommenen Objekts standardmässig überprüft. Gefahren können beispielsweise von Schimmel, Schädlingsbefall oder starker Verschmutzung ausgehen. Die Überprüfung des «Schwörenden» und dessen anschliessende Reinigung erfolgte am 21. Juli durch Silvia Kalabis, die Leiterin des Konservierungslabors von Archäologie und «Museum BL», und ihre Kollegin Caterina Leandri.
Auf die Frage, wie sie den Zustand des «Schwörenden» beurteile, sagt Silvia Kalabis: «Dieser ist den Umständen entsprechend gut. Diese Modelle werden nicht für die Ewigkeit gemacht. Es geht hauptsächlich um die Form. An einigen Stellen sind Brüche zu sehen, wenige Teile sind lose.» Eine Verschmutzung der rauen, weissen Oberfläche sei auf Dauer unvermeidlich. Neben Staub entdeckte Silvia Kalabis an der Plastik auch tote Insekten, Kaugummi und Pflanzenreste. «Dies alles wurde durch eine einfache Trockenreinigung mit Pinsel, Bürste und Staubsauger entfernt.»
Knifflige Sache
Der Transport ins Museum-Depot wird am 6. August erfolgen. Dabei stellt insbesondere das Verladen der Gipsskulptur die Transporteure vor einige Herausforderungen. «Diese», so Silvia Kalabis, «liegen vor allem in der Grösse und der instabilen Materialkombination aus Holz, Eisenarmierung und dem brüchigen Gips. Alles zusammen verträgt keine grossen Erschütterungen und Gewichtsverlagerungen, etwa durch Kippen.»
Eine weitere Herausforderung ergebe sich durch den Standort des «Schwörenden» im 1. Obergeschoss des Gemeindezentrums, das nur durch eine schmale Treppe verlassen werden kann.
Die übrigen fünf Gipsfiguren werden vom ARK Basel übernommen. Der gemeinnützige Verein mit Quartier in Pratteln besteht seit 2019. Er erschliesst und dokumentiert die ihm übergebenen Nachlässe und stellt sie der Forschung sowie Ausstellungs-, Vermittlungs- und Bildungsprojekten zur Verfügung. Bei den fünf Gipsskulpturen handelt es sich um die Vorlagen für die Werke «Schweizer Typ», «Landmädchen» (zwei Fassungen), «Kolumbus» und «Genius». Sie sind mehrheitlich in einem schlechteren Zustand als der «Schwörende». Laut Tomas Lochman von ARK Basel geht es dem Archiv in erster Linie darum, die Gipsfiguren physisch zu retten. Weitere Absichten würden damit nicht verfolgt. Auch der Transport der für das ARK Basel bestimmten Gipsskulpturen wird eine knifflige Sache werden.
Die Nummer 2/2026 der «Baselbieter Heimatblätter» enthält neben anderen Beiträgen einen illustrierten Katalog der sechs Probst-Gipsskulpturen, erhältlich bei Schaub Medien AG in Sissach.



