In der Dürri
10.09.2026 Persönlich15. Auguscht. S het scho wiider 35 Grad! Die Hitz nimmt mer alli Energie und jede Pfupf. I cha nümm dänke, numme non e bitz notiere, was I so gsee zringsum. Süscht tanze um die Zyt bim Summerfliider im Garte duss fröölig Hunderti vo blaue Summervöögel. Jetz aber ...
15. Auguscht. S het scho wiider 35 Grad! Die Hitz nimmt mer alli Energie und jede Pfupf. I cha nümm dänke, numme non e bitz notiere, was I so gsee zringsum. Süscht tanze um die Zyt bim Summerfliider im Garte duss fröölig Hunderti vo blaue Summervöögel. Jetz aber wirblet numme droches Laub in der Luft, as riss e hitzige Windstoss düürri Grabchränz in Fätze.
De Chuchichrütli gib I scho ufgfanges Abwäschwasser, wil in der Zytig und im Gmeiniblettli ständig stoot, me sell Wasser spaare, wo s numme gieng. Me macht sich jo schon efangs e Gwüsse bim Duschen und Spüele. An der Stroos nooch s Tal ab liggen am Waldrand umgheyti Öschen und Aahorn. Verdurschtet, verdorrt und am Wurzelstock knickt vom eigene Gwicht. Wie sii dooligge, mahne sii eim an gfalleni Soldaten us eren alte Gfächtsreihe. Jederzyt chas der Kamerad nääbedra breiche.
Wyter obe gege Lauch, Bölchen und Chall herbschtelet der Wald scho sit Wuche wie süscht erscht im Oktober. Es lyt e Truur über der Natur. D Bäum stärbe vor eusen Auge. Me ghööre sen ächze, sääge d Förschter, und es geeb vill z Ruumen und Umztue im Winter. Vor zäh Tag ändlig e Gwitter mit Blitz und Dunner. I tanz vor Freud und stampf und holej im Rääge, ass sich Hund und Chatz undrem Kanebee verstecke, wil der Alti duss im Garte eso spinnt. Aber der Wolkebruch isch nach zwänzg Minute scho ummen und ei Stund spööter alles wiider eso furzdroch wie vorhär.
Langsam wird eim begryflig, worum uralti Zivilisatione wie d Maya am Wassermangel häi chönne z Grund goo. E Dürri füehrt zu Hungersnot und d Not zu Gwalt und Rebellion. S Volk erschloot syni Herrscher und Prieschter und stürzt die nutzlose Räägegötter vo de Soggel und mit ihne die alte Gsetz und Oornige. Die heilige Stedt wärde verloo und ihri Bewohner verstreut in alli Wind. So sy ganzi Ryych in chürzischter Zyt verfalle.
Jetz lütets an der Huustür; es sy d Zeugen Jehovas. Die häi natürlig ihri ureigeni Erkläärig für die Problem. Die Dürri syg e göttlichi Stroof, wird mer verzellt, e Ploog wie synerzyt im Alte Teschtamänt. Dört heeb der Herr au zää Ploogen über s Land Ägypte gschickt, und bi eus miech er s jetz genauso. Und das syg im Fall erscht der Aafang, wil är schick gly no vill schlimmeri Ploogen über die sündigi Wält. Sii heebes scho bi Corona gsäit!
Aso, wenn die wiider mol lüte, mach I nümm uf. Do wirsch jo depressiv, wie die eim grad mit der Apokalypse chömme! In der Zytig stoot, ass es nach ere Dürri vilmol Starkrääge geeb. Wird das die neggschti Ploog, ass es nummen no schifft wie us Chübel? Und cha die beiherti Ärde die Nessi denn überhaubt no ufnee? Oder bringt s Wasser, wenn s in d Spält an de Häng lauft, der Booden in s Rutsche? Froogen über Frooge.
I gsee uf em Fliider jetz e blaus Summervöögeli sitze. Und näbedra non e zweits. Also Schluss jetz mit dene trüebe Gedanke, es git no Hoffnig und mer wäi jetz nonig grad der Tüüfel an d Wand moole.
Florian Schneider wurde 1959 geboren und stammt aus Reigoldswil. Er ist Sänger, Schauspieler und Liederschreiber und lebt mit Tochter Mina in Eptingen.

