Im Schwitzkasten des Sommers
03.09.2026 BaselbietEine Bilanz in Zahlen zu Hitze und Trockenheit in den vergangenen drei Monaten
Juni, Juli und August sind vorbei. Dass der Sommer 2026 heiss und trocken war, haben alle bemerkt. Wie aussergewöhnlich er tatsächlich war, zeigen nun die Messreihen von «MeteoSchweiz» ...
Eine Bilanz in Zahlen zu Hitze und Trockenheit in den vergangenen drei Monaten
Juni, Juli und August sind vorbei. Dass der Sommer 2026 heiss und trocken war, haben alle bemerkt. Wie aussergewöhnlich er tatsächlich war, zeigen nun die Messreihen von «MeteoSchweiz» – mit Rekordwärme in Rünenberg und historischer Trockenphase in Langenbruck.
David Thommen
Geht es ums Wetter und Klima im Oberbaselbiet, findet in der «Volksstimme» häufig Rünenberg Erwähnung. Aus einfachem Grund: Auf 611 Metern über Meer betreibt «MeteoSchweiz» dort eine automatische Messstation, deren Daten bis 1982 zurückreichen. Für Temperaturvergleiche in unserer Region ist sie deshalb besonders wertvoll.
Die Bilanz des Sommers fällt deutlich aus: Nach unserer eigenen Auswertung der «MeteoSchweiz»- Daten waren die drei Sommermonate 2026 in Rünenberg mit durchschnittlich rund 22,4 Grad die wärmsten seit Messbeginn. Der bisherige Rekordsommer 2003 kam auf rund 21,6 Grad.
Aussergewöhnlich war in diesem Jahr, dass sich mehrere Hitzewellen folgten. Im Juni lag die Durchschnittstemperatur in Rünenberg 4,6 Grad über der Norm von 1991–2020, im Juli waren es 4,4 Grad. Das provisorische Klimabulletin weist für August ebenfalls ein Plus von 4,6 Grad aus. Über alle drei Monate ergibt sich damit eine Abweichung von rund 4,5 Grad nach oben. Im Juni wies Rünenberg die höchste Temperaturabweichung aller im Klimabulletin aufgeführten Schweizer Messstationen auf; im August zeigte sich gemäss provisorischem Bulletin ein ähnliches Bild. Heiss war es in der ganzen Schweiz – die Abweichungen im Oberbaselbiet fielen jedoch besonders gross aus.
Auch schweizweit war die Abfolge aussergewöhnlich: Der Juni war laut «MeteoSchweiz» mit 3,5 Grad über der Norm der drittwärmste seit Beginn der landesweiten Messungen 1864. Der Juli folgte mit einem Plus von 3,2 Grad auf Rang zwei; nur der Juli 2015 war noch geringfügig wärmer. Der August lag nach dem provisorischen Stand ebenfalls auf Rang zwei. Drei derart warme Monate unmittelbar nacheinander erklären, weshalb der Sommer auch als Ganzes aus dem Rahmen fällt.
37,6 Grad – Rekord
Einen eindrücklichen Einzelwert lieferte Rünenberg am 27. Juni: Das Thermometer kletterte auf 37,6 Grad. Damit fiel nicht bloss ein Junirekord, auch der bisherige absolute Höchstwert der Station wurde um gleich 1,6 Grad überboten. Seit dem Hitzesommer 2003 hatte der Stationsrekord bei 36,0 Grad gelegen.
Der Rekord fiel mitten in eine Hitzeperiode, die «MeteoSchweiz» wegen ihrer Kombination aus frühem Auftreten, Dauer und Intensität inzwischen als «historisch» einstuft. Die heisseste Phase dauerte vom 19. bis 28. Juni. An mehreren Wetterstationen in der Schweiz erreichten die Tageshöchsttemperaturen über zehn Tage gemittelt Rekordwerte.
Nach einer kurzen Verschnaufpause setzte sich die Hitze im Juli fort. Im landesweiten Mittel war nur der Juli 2015 noch etwas wärmer. Ende des Monats verschärfte sich die Lage nochmals: In Basel-Binningen wurden am 30. Juli 39,7 Grad gemessen – damit wurde der bisherige Temperaturrekord für die Alpennordseite, aufgestellt 2015 in Genf, eingestellt. Fast ohne Unterbruch ging die Hitze in die erste Augusthälfte über. Erst eine Kaltfront Mitte August sorgte für tiefere Temperaturen.
Kaum Nass vom Himmel
Beim Regen ist eine einzelne Station weniger aussagekräftig. Ein Gewitter kann ein Dorf kräftig treffen, während wenige Kilometer daneben kaum etwas fällt. Für die Einordnung haben wir deshalb neben Rünenberg auch die Messreihen von Sissach, Eptingen und Langenbruck angeschaut. Besonders weit zurück reicht jene von Langenbruck – und gerade dort zeigt sich, wie ungewöhnlich der frühe Sommer 2026 war.
Im Juni fielen in Langenbruck lediglich 33,6 Millimeter Regen. In der mehr als 140-jährigen Messreihe war einzig der Juni des legendären Hitzesommers 2003 mit 25,3 Millimetern noch trockener. Der Juni 2026 belegt damit Rang zwei der niederschlagsärmsten Junimonate seit Messbeginn.
Und im Juli geschah praktisch dasselbe nochmals: Diesmal kamen in Langenbruck gerade einmal 18,2 Millimeter zusammen. Weniger Regen gab es dort in einem Juli seit Beginn der uralten Reihe nur 1911 mit 11,5 Millimetern. Juni und Juli brachten zusammen somit nur gerade 51,8 Millimeter. Zwei aufeinanderfolgende Monate auf Rang zwei in einer weit über hundertjährigen Messreihe: Viel deutlicher lässt sich die aussergewöhnliche Trockenheit in diesem Sommer kaum illustrieren.
Das Problem mit der Trockenheit hatte allerdings schon vor dem meteorologischen Sommer begonnen. Von April bis Juni fielen schweizweit nur 56 Prozent des üblichen Niederschlags – gemeinsam mit 1976 der tiefste Wert seit 1901. Auch nach dem Juli blieb das Defizit vielerorts im Rekordbereich. Besonders stark betroffen war der Jura.
Erst in der zweiten Augusthälfte folgte eine gewisse Entspannung. Die Kaltfront um den 17. August brachte verbreiteteren Regen, später kamen weitere Niederschläge hinzu. Sie reichten allerdings längst nicht aus, um das über Monate entstandene Defizit auszugleichen. Auch das August-Bulletin von «Meteo-Schweiz» weist vielerorts weiterhin unterdurchschnittliche Niederschlagsmengen aus.
Kurz: Dieser Sommer hielt das Oberbaselbiet und weite Teile der Schweiz über Wochen im Schwitzkasten. Jetzt wissen wir auch, wie heiss und wie trocken es war.
Grosses Regendefizit
tho. Nicht nur der Sommer, bereits das ganze bisherige Jahr ist im Oberbaselbiet deutlich zu trocken. Einzig im Februar lag die Regenmenge an der Messstation in Rünenberg über der langjährigen Norm; in allen anderen Monaten fiel weniger Niederschlag als üblich.
Bis Ende August beträgt das kumulierte Defizit an dieser «MeteoSchweiz»-Station rund 270 Millimeter – also rund 270 Liter Wasser pro Quadratmeter. Gefallen sind seit Jahresbeginn rund 395 Millimeter, üblich wären bis Ende August etwa 665 Millimeter.
Ganz ähnlich sieht es an der Messstation in Sissach aus. Hier sind in den ersten acht Monaten lediglich 385 Millimeter Regen gefallen. Die kumulierte Normsumme für Januar bis August der Referenzperiode 1991 – 2020 liegt bei rund 670 Millimetern. Es fehlen statistisch gesehen also rund 285 Liter Regen pro Quadratmeter.

