Im Herzen sind sie alle Kupfer
13.01.2026 DiepflingenSo entstehen Fasnachtsplaketten
Vieles in der Plaketten-Produktion bleibt Handarbeit, allerdings sind die dazu nötigen Hände schwer zu finden. Sie produzieren Freude, aber auch Plaketten, die zum Scheitern verurteilt sind.
Daniel Aenishänslin
...So entstehen Fasnachtsplaketten
Vieles in der Plaketten-Produktion bleibt Handarbeit, allerdings sind die dazu nötigen Hände schwer zu finden. Sie produzieren Freude, aber auch Plaketten, die zum Scheitern verurteilt sind.
Daniel Aenishänslin
Wer in dieser Industriehalle arbeitet, sollte dies sorgfältig tun. Vor allem sollte er oder sie auf die eigenen Finger achten, schliesslich entfaltet die Stanzmaschine einen Stanzdruck von 40 Tonnen, die Prägemaschine sogar einen Pressdruck von 350 Tonnen. Was die Finger deformieren würde, bringt die Plaketten erst so richtig in Form.
Thomas Liechti, Inhaber der Firma Prägetech, nutzt die Ausgabe der Gelterkinder Plakette, um sein Reich zu präsentieren. Von Maschine zu Maschine nimmt er die Neugierigen mit. Einige der Gäste halten ein vorgezogenes Apéro-Bierchen in der Hand. Macht das Staunen gemütlicher.
Jede Plakette ist im Herzen eine Kupferplakette. Der Rohstoff wird aus Osteuropa importiert. Um aus der Kupferplakette eine silberne oder goldene zu fertigen, wird ein Galvanik-Prozess nötig. Den übernehmen die Profis von der Waldenburger Rero. Sie überziehen das fertige Kupfermodell mit einer Schicht aus echtem Silber oder genauso echtem Gold.
Liechti hält eine Ronde aus Kupfer hoch. Ein kleines Stück Kupfer, das Ausgangsprodukt der Plakette ist. Vor den Augen der Schaulustigen stanzt und prägt er. «Es ist eine Freude, wenn du am Ende des Tages siehst, dass du ein schönes Produkt hergestellt hast», sagt er. Darin stecke das Herzblut des modellierenden Graveurs. Seine Arbeit habe «absolut etwas Künstlerisches».
Kleine Grösse, aber detailreich
Seine Kunden übergeben Liechti eine Skizze oder digitale Zeichnung, eine zweidimensionale natürlich. Die dritte Dimension erhält die Plakette im Computer in Diepflingen. Auf diese Weise, so Liechti, könne alles umgesetzt werden, was auf einer Vorlage drauf sei. «Alle Wünsche, alle Ideen. Sei das Element noch so klein, die Plakette noch so detailreich.» Der Graveur bestimmt, was in der dritten Dimension nach vorne oder hinten rückt. Mit einem Lasergerät wird die Prägeform ausgearbeitet. Früher stand in dieser Produktionsphase noch ein überdimensionales Gipsmodell der Plakette im Vordergrund. Für Thomas Liechti eine Technik von vorgestern.
Elf Angestellte nehmen sich der Plaketten an. Vieles verlangt nach
Handarbeit. Liechti erzählt: «Je nach Ausführung nehmen wir eine Plakette zwischen 20- und 30-mal in die Hände.» Erst dann geht sie raus. Zum Stanzen, Prägen, Bürsten, Lackieren sind Einzelhandarbeitsplätze nötig.
Liechti bemerkt: «Wenn du den Preis, den du für die Plakette zahlst, der Arbeit gegenüberstellst …». Und beendet den Satz gar nicht erst.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für diese Arbeiten zu rekrutieren, sei die grosse Herausforderung in seiner Branche. Eine Herausforderung, die zunehmend zu einem Problem werde. «Das Ganze ist eine sehr saisonale Geschichte», erklärt Thomas Liechti. Nicht das ganze Jahr über werden hier Plaketten produziert, sondern nur während sieben Monaten. Vom Sommer bis nach dem Jahreswechsel. Die meisten Arbeitnehmer würden eine Stelle mit ganzjährigem Arbeitsaufkommen vorziehen.
Mehrere Zehntausend Plaketten und Pins werden jährlich in Diepflingen gefertigt. Liechti nennt Stiftungen seine Kunden, Gemeinden, Guggenmusiken und Fasnachtsgesellschaften. Letztere aus der ganzen Schweiz, vor allem aber aus der Innerschweiz. Für Sissach habe er 2025 den Jubiläums-Pin anfertigen dürfen, «eine Fasnachtsplakette leider noch nicht».
So viel Freude eine Plakette einem machen könne, so viel Frust könne sie auslösen. Auch wenn das selten geschehe. Das Problem sei immer dasselbe. «Ein schlechtes, ein schwieriges Sujet», benennt es Thomas Liechti. «Eines, von dem du weisst, dass es zum Scheitern verurteilt ist.» Es seien Plaketten, von denen man von vornherein wisse, dass sie der Trägerin, dem Träger keine Freude bereiten werden. «Es sind immer diese lieblosen, unüberlegten Sujets, solche, die im letzten Moment noch gezeichnet werden mussten, die nicht funktionieren», übt Thomas Liechti leise Kritik.
In hohem Tempo wischt eine kreisrunde Bürste eine schwärzliche Patina von der silbernen Plakette. Als würde der Bürstenautomat sie schleifen. Liechti zieht die Plakette unter der Bürste hervor und zeigt das Ergebnis seinen Gästen. Durch diesen letzten Produktionsschritt tritt für das Auge das Relief der Plakette hervor. Thomas Liechti sagt darüber: «Auch das ist wieder ein Erlebnis. Einige unserer Leute schwärmen davon.»


