IM GEDENKEN -Dieter Stalder, Liestal
17.04.2026 Bezirk LiestalDieter Stalder wurde am 4. November 1944 als zweites Kind von Walter und Elisabeth Stalder-Spiess geboren. Sein Vater war Jurist und Direktor bei der Schweizerischen Bankgesellschaft. Zudem spielte er ausgezeichnet Geige. Dieters Mutter war eine Enkelin des Hanro-Gründers Albert Handschin ...
Dieter Stalder wurde am 4. November 1944 als zweites Kind von Walter und Elisabeth Stalder-Spiess geboren. Sein Vater war Jurist und Direktor bei der Schweizerischen Bankgesellschaft. Zudem spielte er ausgezeichnet Geige. Dieters Mutter war eine Enkelin des Hanro-Gründers Albert Handschin und Mitglied des Lyceum-Clubs, einem internationalen Netzwerk zur Förderung des kulturellen und künstlerischen Austausches unter Frauen.
Beide Eltern waren kulturell sehr interessiert. Vor dem Einschlafen lasen sie Dieter und seiner Schwester Käthi «die wichtigsten Werke der englischen, amerikanischen, deutschen und schweizerischen Jugend- und Unterhaltungsliteratur, aber auch Werke der Hochliteratur» vor, wie sich Dieter Stalder im Geleitwort zu seinem Roman «Sherlock Holmes Abenteuer in der Schweiz» erinnerte.
Während Dieters ersten Lebensjahren wohnte die Familie im Ausland, bevor sie 1950 in die Schweiz zurückkehrte und zunächst nach Küsnacht am Zürichsee zog und später nach Basel. Schon früh zeigte sich Dieters kreatives Talent: Er zeichnete, malte und musizierte, erhielt Klavierunterricht und begann, sich für Orgeln zu interessieren. Bereits als Primarschüler baute er ein erstes kleines Instrument. Im Religionsunterricht begleitete er die Kirchenlieder auf einem Harmonium.
Später amtete Dieter Stalder als Organist und Chorleiter, erwarb das Lehr- und Solistendiplom für Orgel, baute, sammelte und restaurierte Orgeln und Harmonien, machte Führungen in seinem Museum, komponierte, spielte CDs ein und gab Konzerte – oft zusammen mit seiner Frau Anita am Klavier oder seiner Tochter Claudia als Sängerin. Mehr als 20 Jahre lang war er Präsident und später Ehrenpräsident des Organistenverbands Baselland.
Orgeln, Harmonien und das Spiel auf diesen Instrumenten waren seine grosse Leidenschaft, blieben jedoch ein intensiv gepflegtes Hobby. Denn nach der Matura am Literargymnasium Rämibühl in Zürich entschied sich Dieter Stalder für den Lehrerberuf, in dem er mehrere seiner Talente einbringen konnte. Nach der Ausbildung in Basel unterrichtete er viele Jahre mit grossem Engagement in Kleinbasel, zuerst auf Primar-, später auf Sekundarstufe. Seine Schülerinnen und Schüler konnte er begeistern, schrieb für sie Theaterstücke und Musicals, veranstaltete Konzerte und leitete Lager.
Am Basler Lehrerseminar lernte Dieter Stalder 1964 seine spätere Frau Anita kennen. 1969 heirateten die beiden. Nach der Geburt des ersten Kindes zog das Ehepaar nach Liestal, wo es ein Haus im Sichternquartier erwerben konnte. Im Laufe der Jahre kamen vier weitere Kinder und später neun Enkelkinder dazu, denen Dieter Stalder ein engagierter und zugewandter Vater und Grossvater war.
Mit den Kindern zusammen erfand und erzählte er gerne Geschichten und liess diese als zweibändige, illustrierte «Häxegschichte» drucken. Als ausgeprägter Familienmensch sei ihm das Wichtigste gewesen, dass es allen um ihn herum gut ging und er sein Umfeld zufrieden und glücklich machen konnte, weiss Dieters Schwester. «Ich wäre gerne immer für meine Familie da», schrieb er ihr noch im letzten Herbst ins Freundschaftsalbum.
Sehr wichtig waren Dieter Stalder auch seine Instrumente. Sein besonderes Interesse galt dem Harmonium, das Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts als Ersatz für die Orgel und als Hausinstrument sehr beliebt war. Anfang der 1970er-Jahre setzte er ein kleines Inserat in die Zeitung mit der Frage, ob es noch irgendwo Harmonien gebe. Daraufhin wurden ihm 16 Instrumente angeboten. Seine stetig wachsende Sammlung fand zunächst im Wohnhaus Platz; seit 1992 ist sie in einem separaten Gebäude auf dem familieneigenen Grundstück untergebracht. Doch damit nicht genug: Im Aargau erwarb Dieter Stalder nicht nur das Harmonium einer Methodistengemeinde, sondern auch gleich die dazugehörige Kapelle.
Nach seiner Pensionierung war Dieter Stalder vermehrt als Komponist und Schriftsteller tätig. Im Eigenverlag publizierte er mehrere Romane, die von historischen Ereignissen oder eigenen Erfahrungen und Erlebnissen inspiriert waren und teilweise von seiner Tochter Patrizia illustriert wurden. Dazu kamen Sachbücher wie die «Erinnerungen eines Sekundarlehrers in Kleinbasel» oder ein umfangreicher Interviewband zum Zweiten Weltkrieg. Für die Konzerte in seinem Orgel- und Harmoniummuseum verfasste Dieter aufwendig gestaltete Programmhefte. Und wenn ihn etwas beschäftigte, meldete er sich in Leserbriefen zu Wort.
Dieter Stalder war ein geselliger, lebensfroher Mensch, der gerne ass, feierte und im Mittelpunkt stand. Er war ein begnadeter Erzähler und konnte bestens unterhalten. Nach seiner Pensionierung mehrten sich gesundheitliche Probleme, von denen sich Dieter jedoch möglichst nicht einschränken liess. Er ging weiterhin gerne wandern, absolvierte den Pilgerweg nach Santiago de Compostela, machte Schiffsreisen, unternahm gerne etwas mit seiner Familie und Freunden und musizierte bis kurz vor seinem Tod. Am 19. Januar 2026 konnte Dieter Stalder zu Hause friedlich einschlafen. Auf Wunsch des Verstorbenen fand der Abschied im engsten Familienkreis statt.
Marianne Ingold
Ein ausführlicher Beitrag zum Orgel- und Harmoniummuseum folgt in einer
«Volksstimme»-Ausgabe der kommenden Woche.

