Idylle in der Hölle
14.07.2026 PersönlichZwei Tage nach dem letzten Schultag packte ich unser Auto bis unters Dach und machte mich mit meiner Familie auf den Weg nach Südfrankreich ans Meer. Für zwei Wochen tauschten wir Stress und Hektik gegen das süsse Nichtstun ein. Morgens so lange schlafen, bis einen die ...
Zwei Tage nach dem letzten Schultag packte ich unser Auto bis unters Dach und machte mich mit meiner Familie auf den Weg nach Südfrankreich ans Meer. Für zwei Wochen tauschten wir Stress und Hektik gegen das süsse Nichtstun ein. Morgens so lange schlafen, bis einen die Sonnenstrahlen wecken. Danach frische Baguettes zum Frühstück. Natürlich mit Kaffee, Sonnenschein und Terrasse. Ferien können manchmal herrlich unkompliziert sein.
Vor uns lagen Tage, die nicht von der Agenda bestimmt waren. Faulenzen stand hoch im Kurs, unterbrochen höchstens von einem Sprung ins Meer zur Abkühlung. Oder ich liess mich auf meinem Schwimmring gemütlich von den Wellen treiben und dabei die Seele baumeln. Ein kühles Getränk in der Hand – Herz, was willst du mehr? So lässt sich selbst die drückende Sommerhitze erstaunlich gut ertragen.
Ganz ohne Schatten blieb unser Aufenthalt allerdings nicht. Immer wieder zogen dunkle Rauchwolken über den Himmel, regelmässig donnerten Löschflugzeuge über unsere Köpfe hinweg. Sie waren im Einsatz gegen die zahlreichen Waldbrände, die derzeit im Südwesten Frankreichs wüten. Gemäss Medienberichten mussten in den vergangenen Wochen Tausende Menschen ihre Häuser verlassen, weil sich die Flammen unkontrolliert ausbreiteten. In den Bergen entlang der Grenze zu Spanien zerstörte ein Feuer rund 4600 Hektaren Land – das entspricht mehr als fünfmal der Gemeindefläche von Sissach. Hunderte Feuerwehrleute kämpften gegen die Flammen an, oft unter beinahe aussichtslosen Bedingungen. Wind und die aussergewöhnlich trockene Luft sorgten dafür, dass immer wieder neue Brände entstanden.
Unser Campingplatz blieb davon glücklicherweise verschont. Trotzdem hinterliess der beissende Rauchgeruch einen faden Beigeschmack. Während wenige Kilometer entfernt Menschen um ihre Häuser bangten oder ihre Heimat verloren, sassen wir abends zusammen mit Feriengästen aus halb Europa auf dem grossen «Dorfplatz» und genossen das Unterhaltungsprogramm. Kinder tanzten zur Mini-Disco, Erwachsene applaudierten den Animateuren oder feuerten ihr Land beim WM-Public-Viewing an. Das fühlte sich irgendwie surreal an.
Mir ist bewusst, dass Waldbrände im Süden Europas nichts Ungewöhnliches sind. Neu sind jedoch ihr Ausmass, ihre Häufigkeit und ihre Intensität. Das stimmt mich nachdenklich. Genauso wie die braunen Felder und ausgetrockneten Bäche bei uns im Baselbiet, die vielerorts eher an den Süden als an die Nordwestschweiz erinnern.
Ich bin deshalb mit der Erkenntnis nach Hause gereist, dass wir noch sorgfältiger mit unserer Umwelt umgehen müssen. Damit Ferien auch in Zukunft vor allem Erinnerungen an Meer, Sonne und gemeinsame Zeit hinterlassen – und nicht an Rauch am Horizont.
Pascal Kamber, Redaktor «Volksstimme»

