«Ich habe gar nichts verstanden»
30.01.2026 SissachDer 14-jährige M. kam als Kleinkind aus Syrien über den Libanon in die Schweiz – er erzählt
Kurz nach seiner Geburt verliess er mit seinen Eltern Syrien und wuchs im Libanon auf. 2021 kam die Familie im Rahmen eines Aufnahmeprogramms in die Schweiz. Heute lebt der ...
Der 14-jährige M. kam als Kleinkind aus Syrien über den Libanon in die Schweiz – er erzählt
Kurz nach seiner Geburt verliess er mit seinen Eltern Syrien und wuchs im Libanon auf. 2021 kam die Familie im Rahmen eines Aufnahmeprogramms in die Schweiz. Heute lebt der 14-jährige M. in Sissach, spielt Fussball, hilft seinen Eltern beim Übersetzen und sucht seinen Weg in die Berufswelt.
Aufgezeichnet von Rosmarie Wüthrich
«Ich kam in Syrien in einem Dorf mit römischen Bauten zur Welt. Im Krieg wurde dieses Dorf bombardiert, unser Haus zerstört. Als ich einen Monat alt war, flüchteten meine Eltern mit mir in den Libanon. Mein Vater hatte dort bereits als Maurer gearbeitet und fand weiterhin Arbeit.
In den kommenden Jahren bekam ich drei Geschwister. Im Libanon durfte ich in den Kindergarten. Dort lernte ich Arabisch und ein wenig Französisch, dann in der 1. und 2. Klasse erhielt ich Arabisch- und ein wenig Englischunterricht. Das hat mir hier in der Schweiz geholfen. Wir bewohnten dort eine grosse Wohnung und lebten zehn Jahre im Libanon.
Die Hisbollah machte im Libanon den syrischen Menschen das Leben schwer. So hatten wir das Glück, dass wir 2021 als Familie von der Schweizer Behörde ausgewählt wurden und in einem einmaligen Programm in der Schweiz Asyl bekamen.
Wir konnten dann nach Zürich fliegen und lebten dort im Asylzentrum zusammen mit anderen netten Familien. Wir haben diese später wieder besucht.
Nach 20 Tagen, direkt vor Weihnachten, mussten wir umziehen. Wir kamen nach Sissach in ein altes Haus. Dort haben uns Leute von der Gruppierung Freiwillige für Flüchtlinge Sissach besucht und sie halfen uns, das Haus gemütlich und wohnlich einzurichten.
Vor einem Jahr sind wir in eine Wohnung umgezogen. Am Tag, an dem wir zügelten, hat es geschneit. Bei dieser Wohnung hat es einen Garten und grosse Bäume. Manchmal helfe ich beim Laubrechen oder Rasenmähen.
In Sissach mussten wir dann zur Schule. Das war sehr komisch und sehr anders. Ich habe gar nichts verstanden. Da war eine nette Deutschlehrerin. Sie konnte auch Arabisch sprechen. Sie hat mir und meinen Geschwistern sehr geholfen, schnell Deutsch zu verstehen und auch zu sprechen. Da ich sehr gerne Fussball spiele, auch auf dem Pausenplatz, habe ich bald Freunde gefunden.
Ich brauchte etwa ein Jahr, bis ich Deutsch besser verstand. Jetzt bin ich bald 4 Jahre in Sissach und verstehe auch Schweizerdeutsch. Ich kann es auch ein wenig sprechen. Aber lieber spreche ich Hochdeutsch.
Jetzt muss ich ab und zu den Eltern helfen beim Übersetzen, zum Beispiel bei einem Arzt- oder Zahnarztbesuch oder wenn wir deutschsprachigen Besuch haben. Manchmal finde ich das immer noch schwierig.
Ich bin sehr froh, dass hier kein Krieg ist. Krieg ist sehr schlimm.
Ich liebe Fussballspielen und habe dreimal pro Woche Fussballtraining und am Wochenende einen Match. Ich spiele am linken Flügel und bin immer sehr stolz, wenn ich ein Goal schiesse.
Meine Mutter kocht sehr gut. Vor allem syrisches Essen. Besonders die Maamouls mag ich sehr. Das ist ein Griessgebäck mit Dattel-Walnuss-Füllung. Wenn ich Zeit habe, helfe ich ihr. Ich liebe das syrische Essen. Döner mag ich auch sehr. Pizza, Spaghetti und Poulet mag ich auch, aber Fondue nicht. Ich esse nicht gerne Käse.
Jetzt bin ich in der Sekundarschule und muss Schnupperlehren machen und einen Beruf finden. Ich habe in einer Carrosseriefirma als Autolackierer geschnuppert. Das hat mir sehr gut gefallen. Ich würde gerne etwas mit Autos machen. Auch möchte ich in der Schweiz bleiben und vielleicht einmal ein eigenes Auto und ein eigenes Haus haben. Vielleicht möchte ich auch einmal den Schweizer Pass bekommen.»
Rosmarie Wüthrich engagiert sich bei der Gruppierung «Freiwillige für Flüchtlinge Sissach». Die Serie wird in loser
Folge fortgesetzt.

