«Ich alleine kann kein Feuer löschen»
31.07.2026 Bezirk LiestalRoger Salathe übergibt Kommando der Regionalfeuerwehr und wird pensioniert
Nach 45 Dienstjahren, davon 23 als Kommandant, geht Roger Salathe heute in Pension. Der bald 64-Jährige prägte das Feuerwehrwesen in Liestal und Umgebung nachhaltig und hinterlässt eine bestens ...
Roger Salathe übergibt Kommando der Regionalfeuerwehr und wird pensioniert
Nach 45 Dienstjahren, davon 23 als Kommandant, geht Roger Salathe heute in Pension. Der bald 64-Jährige prägte das Feuerwehrwesen in Liestal und Umgebung nachhaltig und hinterlässt eine bestens aufgestellte Stützpunkt- und Regionalfeuerwehr.
Tobias Gfeller
Am 9. Mai feierte die Stützpunkt- und Regionalfeuerwehr Liestal gemeinsam mit dem Rettungsdienst des Kantonsspitals Baselland (KSBL), dem Bevölkerungsschutzverband Argantia und der Zivilschutzorganisation die Eröffnung der Rettungswache Altmarkt. Tausende Menschen sind der Einladung gefolgt und machten den Tag zu einem Volksfest. Mittendrin und stets gefragt Roger Salathe: Für den langjährigen Feuerwehrkommandanten war es das letzte grosse öffentliche Hurra und gut zweieinhalb Monate vor der Pension ein würdiger Abschluss einer langen Feuerwehrkarriere.
Heute Freitag, 31. Juli, geht Roger Salathe in Pension. 45 Jahre lang war er Mitglied der Feuerwehr Liestal beziehungsweise der Stützpunkt- und Regionalfeuerwehr. In den vergangenen 23 Jahren leitete er die Feuerwehr als Kommandant. Als er Ende 2003 das Amt übernommen hat, war er noch ein «Milizler», heute ist er ein voll angestellter Berufsfeuerwehrmann. Er höre mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf, wie man so klassisch sage, meint Salathe: «Ich kann mit einem guten Gefühl aufhören. Die Feuerwehr ist gut aufgestellt und für die Zukunft gerüstet. Ich war sehr gerne Feuerwehrmann und Kommandant. Daher ist auch Wehmut dabei.»
Kritiker ernst genommen
Roger Salathe ist Chef von rund 130 Feuerwehrangehörigen. Die neue Rettungswache Altmarkt funktioniert als Hauptwache, der Standort in Nuglar-St. Pantaleon als Nebenwache. Sieben Gemeinden gehören zur 2019 gegründeten Stützpunkt- und Regionalfeuerwehr Liestal, darunter die Oberbaselbieter Dörfer Arisdorf, Hersberg, Lupsingen und Seltisberg. Dazu leistet die Organisation Ergänzungseinsätze bis Waldenburg und ins Fünflibertal. «Wir sind personell gut aufgestellt. Natürlich besteht auch bei uns die Herausforderung der Tagesverfügbarkeit», so Salathe.
Roger Salathe gehörte zu den treibenden Kräften in der Entwicklung des Feuerwehrwesens im Baselbiet. Die Umwandlung der Liestaler Stadt- zur Regionalfeuerwehr, die Integration der sieben Gemeinden und die Teilprofessionalisierung waren ein mit Widerständen verbundener Kraftakt. Salathe wusste stets um die interne und externe Kritik, nahm diese ernst und bezog die Kritikerinnen und Kritiker mit ein, liess von seinen Überzeugungen aber nie ab: «Die Feuerwehr war immer ein emotionales Thema und wird es immer sein, gerade auch in kleineren Gemeinden. Wer bei der Feuerwehr arbeitet, tut dies mit Herzblut.» Die Regionalisierung und Professionalisierung der Feuerwehr seien nötig gewesen, ist Salathe auch kurz vor sei-
ner Pensionierung überzeugt: «Wir sind und bleiben eine Milizfeuerwehr. Die aktuelle Form ist – richtig geführt – die kostengünstigste für den Steuerzahler.» Wenn ein Einwohner Hilfe benötigt, sei es ihm egal, woher die Feuerwehr kommt. «Wichtig ist, dass Hilfe kommt», sagt er.
Roger Salathe weiss um die lokale Bedeutung der Ortsfeuerwehren: «Ich hatte stets Verständnis für die Sorgen um eine drohende Entwurzelung der Feuerwehr. Ich nahm die Menschen mit und erklärte, musste in meiner Funktion aber auch klar führen. Das war mein grosses Los in den 23 Jahren.» Salathe musste stets ein Verkäufer sein – gegen innen und aussen. Gerade im Kantonshauptort Liestal reden viele Menschen mit, wenn es um die Feuerwehr geht. «Der Einfluss aus der Politik nahm laufend zu – einerseits aus der Stadtpolitik, aber auch aus der Kantonspolitik», sagt er.
Gesprächskultur gestärkt
Auch wenn der Einfluss auf die Feuerwehren von aussen zugenommen hat, sah sich Roger Salathe primär «zuvorderst im Dienst der Bevölkerung». Die Arbeit mit jungen Menschen habe ihm persönlich gutgetan: «Es waren immer wieder neue Charaktere dabei. Ich musste sie von meinen Ideen überzeugen und die Neuen miteinbeziehen.» All die Interessen von innen und aussen zu berücksichtigen, sei spannend, manchmal aber auch aufreibend gewesen.
Roger Salathe stiess auch Veränderungen in der psychologischen Nachbearbeitung von Einsätzen an. «Kann man schwierige und schlimme Ereignisse nicht verarbeiten, kann dies schwerwiegende psychische Spuren hinterlassen», mahnt Salathe. Die interne Gesprächskultur wurde proaktiv gefördert. Auch Fachpersonen werden regelmässig beigezogen. Mittlerweile werden bei der Stützpunkt- und Regionalfeuerwehr Liestal auch die Angehörigen der Feuerwehrmitglieder nach schwierigen Einsätzen unterstützt. «Stellen Sie sich vor, Sie warten zu Hause in der Nacht, bis Ihr Mann von einem Einsatz zurückkommt, aber es dauert deutlich länger als angenommen. Das können sehr schwierige Momente sein», sagt Roger Salathe.
Als bleibende Erinnerungen nennt der abtretende Kommandant den Brand einer Schreinerei auf dem Schildareal, den Brand der «Scenario»- Bar in Liestal, des Restaurants «Kanonenkugel» in Liestal und den Brand einer Industriehalle an der Wölferstrasse in Frenkendorf. Als Kommandant verlagerte sich Roger Salathes Arbeitsplatz immer mehr ins Büro hinter den Bildschirm. Der administrative Aufwand habe jährlich zugenommen. Trotzdem war es Salathe wichtig, regelmässig bei Einsätzen vor Ort zu sein. «Auch wenn ich nicht gerade Piket oder Dienst hatte, versuchte ich, bei grösseren Einsätzen auf Platz vorbeizuschauen, schon nur aus Respekt und Wertschätzung meinen Leuten gegenüber», sagt er.
Roger Salathe verteilte Kompetenzen und Verantwortungen auf mehrere Schultern. Der bald 64-Jährige wollte nie ein Alleinherrscher als Kommandant sein, im Gegenteil: «Natürlich war ich gemäss Hierarchie der Chef. Ich sah uns aber immer als Team. Ich alleine kann kein Feuer löschen.»
Er werde immer mit der Feuerwehr verbunden bleiben, versichert Roger Salathe. Als Pensionär freue er sich auf mehr Zeit mit der Familie, gerade auch mit seinen fünf Enkelkindern. «Ich habe einiges nachzuholen. Die Familie musste viel auf mich verzichten. Jetzt möchte ich einfach für sie da sein, mich auch mal ohne grosse Ziele hängen lassen. Langweilig wird es mir bestimmt nicht.»
Ab dem 1. August übernimmt der bisherige Leiter Wache Altmarkt und Vizekommandant Andreas Wagner das Kommando der Stützpunkt- und Regionalfeuerwehr Liestal.

