«Ich wünsche mir eine längere Verlobungszeit»
01.04.2022 Arisdorf, Fusion, Hersberg, GemeindenFlorian Kron fordert gemächlicheres Tempo bei Fusionsplänen
Der Plan, den Vertrag zur Fusion mit Arisdorf bereits im Herbst vor das Volk zu bringen, stösst in Hersberg auf Kritik – beim Befürworter des Projekts, Florian Kron, wie auch beim Gegner Hugo Gross.
Sebastian ...
Florian Kron fordert gemächlicheres Tempo bei Fusionsplänen
Der Plan, den Vertrag zur Fusion mit Arisdorf bereits im Herbst vor das Volk zu bringen, stösst in Hersberg auf Kritik – beim Befürworter des Projekts, Florian Kron, wie auch beim Gegner Hugo Gross.
Sebastian Schanzer
Bereits im September könnten die Hersberger und Arisdörfer Stimmberechtigten an ihrer jeweiligen Gemeindeversammlung über den Vertrag zum Zusammenschluss der beiden Gemeinden abstimmen. Das stellte das Projektlenkungsgremium den Einwohnerinnen und Einwohnern jüngst an einem Workshop in Arisdorf in Aussicht.
Die Ankündigung kam überraschend, zumal seit der Bewilligung des Kredits von 50 000 Franken zur Prüfung einer Fusion vor mehr als zwei Jahren kaum Informationen über das Projekt an die Bevölkerung weitergegeben wurden. Die Pandemie verzögerte nicht nur die Antwort aus Arisdorf auf das Hersberger Fusionsbegehren, sondern auch die anschliessenden Planungsarbeiten. Erst im vergangenen September wurde die personelle Besetzung des Gremiums bekannt gegeben, am erwähnten Workshop vor knapp zwei Wochen trat dieses erstmals vor die Bevölkerung, fühlte ihr den Puls und informierte – unter Ausschluss der Presse – über den Stand der Dinge. Eine Mitteilung zu den Ergebnissen des Workshops soll «in den nächsten Tagen» erfolgen, kündigt Dieter Pfister, der externe Projektleiter, auf Anfrage an.
Zusammenarbeit ausgeschöpft
Im Publikum waren am Workshop unter anderem der ehemalige Hersberger Gemeindepräsident Florian Kron sowie der langjährige Präsident der Rechnungs- und Geschäftsprüfungskommission (RGPK) Hugo Gross – zwei im Dorfleben engagierte Einwohner mit gegensätzlicher Haltung bezüglich dieses Zusammenschlusses. Kron hatte bereits 2017 mit dem Arisdörfer Gemeindepräsidenten Markus Miescher eine Absichtserklärung unterzeichnet, wonach die Gemeinden eine Fusion prüfen sollten. Es sei der logische nächste Schritt, nachdem alle Möglichkeiten der Zusammenarbeit mittlerweile ausgeschöpft seien. «Eine Fusion würde diese Zusammenarbeit stark vereinfachen. Damit könnten wir uns viel Aufwand und auch Geld sparen», ist Kron überzeugt. Den Ausschlag gab aber ein anderes, wiederkehrendes Problem von Hersberg: «Die Gemeinde hat ja immer wieder Mühe, ihre Behörden zu besetzen: Gemeinderat, Wahlbüro, Sozialhilfe. Wenn eine Gemeinde mehr Einwohner hat, sind auch mehr mögliche Kandidaten vorhanden», so Kron.
Hugo Gross sieht das anders: «Fehlendes Personal gibt es auch in grösseren Gemeinden», sagt er. Ein Zusammenschluss mit Arisdorf, so seine Befürchtung, würde vielmehr dazu führen, dass sein Dorf zu einem Ortsteil verkomme und die Hersbergerinnen und Hersberger gänzlich auf ein Engagement in kommunalen Ämtern verzichteten. Auch das Interesse am politischen Geschehen ginge verloren, wenn eine kleine Gemeinde von einer grossen «geschluckt» würde. «Zudem ist durch Studien bewiesen, dass eine Gemeindefusion keineswegs zu Einsparungen bei der Verwaltung führt.» Aus diesen Gründen bekämpft Gross das Vorhaben. Die jüngst von ihm lancierte und gewonnene Referendumsabstimmung, die er auch als Votum gegen den Hersberger Gemeinderat und dessen Fusionspläne verstanden haben will (die «Volksstimme» berichtete), hat ihm Rückenwind verliehen.
Treffen am Banntag?
Bei allen Meinungsverschiedenheiten sind sich die beiden in einem Punkt einig: Eine Abstimmung über den Vertrag bereits im Herbst sei viel zu früh. «Ich wünsche mir eine längere Verlobungszeit», sagt Florian Kron auf Anfrage. «Der eine oder andere hat vielleicht zweimal leer geschluckt, als er den Vorschlag hörte, dass Hersberg künftig nur ein Ortsteil von Arisdorf sein soll. Das muss verdaut werden.» Erzwinge man bereits im Herbst eine Entscheidung, so fehle die Zeit für eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Vorhaben, die jetzigen Meinungen würden mangels gegenseitigen Austauschs zementiert. «Es geht auch um die feinstofflichen Dinge. Wir müssen erfahren: Wer sind eigentlich diese Arisdörfer und was bringt es mir, wenn ich nachher auch einer von ihnen bin? Was haben wir gemeinsam ausser Friedhof, Schule, Verwaltung oder Feuerwehr?», so Kron. Es brauche jetzt gemeinsame Anlässe, an denen man sich treffe und sich kennenlerne: «Der nächste Banntag wäre doch ideal dafür.»
Auch Hugo Gross wünscht sich mehr Debatte, Gespräche und Informationen. «Es werden jetzt alle möglichen Vorabklärungen unternommen, und bereits in einem halben Jahr sollen wir über den fertigen Vertrag abstimmen. Was die Hersberger oder die Arisdörfer Bevölkerung über den Zusammenschluss denkt, weiss bis dahin niemand», moniert Gross. Daran ändere auch der «spärlich besuchte» Workshop nichts. Er hätte bereits vor zwei Jahren eine konsultative Urnenabstimmung befürwortet, wie es in anderen Kantonen bei Fusionsvorhaben von Gemeinden vorgeschrieben ist. «Dass wir nicht bereits vor zwei Jahren das Referendum ergriffen und einen klaren demokratischen Entscheid erwirkt haben, bedauere ich heute.»