Holzen, holzen, holzen …
04.06.2026 BaselbietChrista Dettwiler
Johnny ist mit seinen Kollegen von früh bis spät damit beschäftigt, Stämme heranzuschaffen, sie zu Brennholz zu verarbeiten und Lastwagen voll Scheiter auszuliefern. Die Nachfrage ist gross. Unsere eigene Scheiterbeige ist so lang, ...
Christa Dettwiler
Johnny ist mit seinen Kollegen von früh bis spät damit beschäftigt, Stämme heranzuschaffen, sie zu Brennholz zu verarbeiten und Lastwagen voll Scheiter auszuliefern. Die Nachfrage ist gross. Unsere eigene Scheiterbeige ist so lang, dass sie wohl zwei Winter lang reichen wird.
Doch die Schattenseiten des Holzgeschäfts sind nicht zu übersehen. Vergangene Woche hat Johnny von einer Waldbesitzer-Familie Dutzende Stämme zugekauft. Dabei hat er sich ziemlich darüber aufgeregt, wie schlecht die Leute den Wald behandeln. Die staatliche Forstbehörde Conaf bezahlt wohl für die Waldpflege, schreibt auch vor, welche und wie viele Bäume herausgeholt werden dürfen. Doch trotz Kontrollen kann auch der Flañio-Clan, der Wald von hier bis nach Argentinien besitzt, unbehelligt wüten, herausholen, was zu holen ist, ohne Plan, ohne Rücksicht. Die Waldarbeiter haben noch am ehesten Interesse an einem gesunden Wald, aber sie müssen tun, was ihnen befohlen wird.
Weil Johnny das ungewöhnlich sonnige Wetter zum Holzen nutzt, kümmern sich Yvonne, der Chnöpperli und ich um Haus und Hof. Wir sind mittlerweile ein gut eingespieltes Team und haben das tägliche Füttern von Katzen, Hunden, Schweinen, Hühnern, Jungstieren und Pferden voll im Griff. Der Chnöpperli hilft tatkräftig mit. Es ist verblüffend, wie viel er schon ziemlich selbstständig tun kann. Als Belohnung winkt der tägliche Ritt in der Heukarrette.
Die übrigen Kühe befinden sich seit einiger Zeit im Winterquartier auf dem Berg. Das heisst für uns, immer mal wieder hinaufzusteigen, um nach ihnen zu sehen. Normalerweise dauert das so um die zwei Stunden, mit dem Chnöpperli hat’s fast den ganzen Tag gedauert.
Es ist etwas ganz Wunderbares, mit ihm den Wald zu erkunden. In seinen Augen ist nichts langweilig oder gewöhnlich. In seiner Begleitung entfaltet sich der ganze Zauber der Natur aufs Neue. Die hohlen Baumstrünke müssen genauestens auf Tiefe und Beschaffenheit erkundet, die leuchtend roten Pilze auf dem Weg als verbotene Früchte deklariert werden. Dann gilt es, Spuren zu identifizieren. Es sind ganz eindeutig Wildschweine unterwegs gewesen. Und bei jedem Tepa-Baum muss angehalten und tief eingeatmet werden. Die Blätter riechen wie eine exklusive Body-Lotion.
Weil der Chnöpperli seit einiger Zeit von den Hinterlassenschaften der Tiere fasziniert ist, muss auch die Frische der Kuhfladen eingehend überprüft werden. Das hat durchaus auch seinen Zweck, denn dank der Fladen können wir der Spur der Kühe folgen.
Wir haben sie schliesslich ganz oben an der Grenze zu den Nachbarn gefunden und sie ein Stück bergab getrieben. Beim Picknick haben wir die Aussicht auf die Anden, auf die Ebene und auf die gold und orange schimmernden Scheinbuchen genossen und davon geträumt, dass die Menschen hier eines Tages die Schätze erkennen, die sie hüten.
Die Journalistin Christa Dettwiler ist 2022 gemeinsam mit ihrem Sohn und dessen Ehefrau von Rünenberg nach Chile ausgewandert. Sie erzählt regelmässig von ihrem Alltag.

