Holzbranche
23.09.2025 BRIEFEWald für Klima statt für kurzfristigen Profit
Zum Artikel «Wenn der ‹Büffel› die Arbeit übernimmt» in der «Volksstimme» vom 16. September, Seite 13
Die Rodung von zwei Hektaren Wald westlich von Diegten unter ...
Wald für Klima statt für kurzfristigen Profit
Zum Artikel «Wenn der ‹Büffel› die Arbeit übernimmt» in der «Volksstimme» vom 16. September, Seite 13
Die Rodung von zwei Hektaren Wald westlich von Diegten unter dem Vorwand der «Zwangsnutzung» wirkt übertrieben, denn eine Fläche in dieser Grössenordnung (20 000 m2) überschreitet wahrscheinlich den tatsächlich relevanten Sicherheitsbereich deutlich. Statistisch ist das Risiko, dass Bäume Menschen gefährden, sehr gering. Solche grossflächigen Eingriffe dienen oft eher wirtschaftlichen Interessen als der Sicherheit.
Im Artikel wird berichtet, dass nun sogenannt «klimataugliche», teils nicht einheimische Baumarten wie Douglasien, Nussbäume, Lärchen, Elsbeeren oder Speierlinge gepflanzt werden sollen. Doch wissenschaftliche Studien zeigen: Buchenwälder sind trotz Klimawandel weiterhin gut an unsere Standorte angepasst – wenn man ihnen Zeit gibt, sich natürlich zu verjüngen. Natürlich gewachsene Jungbäume bilden tiefere Wurzeln und stabile Mykorrhiza-Netzwerke, die sie widerstandsfähig gegen Trockenheit machen. Kahlschläge zerstören jedoch Bodenstrukturen, heizen die Fläche auf und beeinträchtigen das fein abgestimmte Ökosystem. Zudem verdichten schwere Maschinen den Boden, sodass die feinen Kapillaren, über welche die Mykorrhiza-Pilze den Bäumen Wasser zuführen, zerstört werden.
Ich erlebe selbst, wie wohltuend der Wald an heissen Sommertagen ist, besonders dort, wo alte Buchen stehen und der Wald weitgehend sich selbst überlassen bleibt. Ein möglichst ungestörter, natürlicher Wald ist nicht nur kühler, sondern bietet auch Lebensraum, der zu unseren einheimischen Tieren und Pflanzen passt, etwas, das fremde Baumarten oft nicht leisten können. Das Risiko, auf die falschen «Klima- bäume» zu setzen, ist gross, denn niemand kann vorhersagen, welche Arten in 50 oder 80 Jahren hier bestehen werden. Ein naturnah verjüngter Wald bleibt stabiler, speichert mehr Wasser und CO2 und schützt uns besser vor Hitze und Trockenheit. Langfristig bringt uns ein Wald, der seine Klimafunktion bewahrt, weit mehr Nutzen als jeder kurzfristige Gewinn aus Holzverkauf.
Katharina Gunzenhauser, Sissach
