«Hobbyarchäologen» werden wichtiger
23.06.2026 Baselbiet, KulturArchäologie Baselland präsentiert ihren Jahresbericht
Die bedeutsamsten Entdeckungen in der Landschaft im Baselbiet wurden im vergangenen Jahr alle von ehrenamtlichen Spähern gemacht. Mit dem Programm der ehrenamtlichen «Schatzsucher» versucht die Archäologie Baselland, Illegale zu ...
Archäologie Baselland präsentiert ihren Jahresbericht
Die bedeutsamsten Entdeckungen in der Landschaft im Baselbiet wurden im vergangenen Jahr alle von ehrenamtlichen Spähern gemacht. Mit dem Programm der ehrenamtlichen «Schatzsucher» versucht die Archäologie Baselland, Illegale zu verdrängen.
Tobias Gfeller
Ein Bronzebeil in Burg im Leimental, zwei Goldmünzen am Bärenfels in Arisdorf, ein Medaillon im Hardwald in Muttenz und gleich 553 Münzen im Burgenrain in Sissach: Vier der wertvollsten Funde gelangen im vergangenen Jahr nur dank der Arbeit der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer der Archäologie Baselland. Die Ehrenamtlichen, man könnte sie salopp auch als «Hobbyarchäologen» bezeichnen, werden immer wichtiger, sagte der Baselbieter Kantonsarchäologe Reto Marti anlässlich der Präsentation des Jahresberichts 2025 am vergangenen Freitag in der Barfüsserkirche in Basel. Dort sind im Rahmen der Sonderausstellung «Schatzfunde – versteckt, verschollen, entdeckt» unter anderem das Bronzebeil, die Goldmünzen und eine Auswahl des Münzhorts aus Sissach ausgestellt.
Die Archäologie Baselland arbeitet im Rahmen eines speziellen Programms eng mit Ehrenamtlichen zusammen, erklärte Andreas Fischer, Leiter Archive und Öffentlichkeitsarbeit. Die Kantonsarchäologie könnte aus Ressourcengründen deren wertvolle Arbeit in der Landschaft gar nicht leisten. «Wir müssen uns auf unsere Kernaufgabe in der Bauzone und auf Notgrabungen konzentrieren», betonte Fischer. Das Programm mit den ehrenamtlichen Spähern sei auch essenziell, um die illegalen Schatzsucher zu verdrängen. Zwar sei das Problem mit jenen, die illegal archäologische Funde suchen, für sich behalten und womöglich auch verkaufen, in anderen Ländern grösser, doch auch im Baselbiet sind gemäss Andreas Fischer Illegale unterwegs: «Wir konnten solche Personen auch schon bei der Polizei anzeigen.» Es gehe beim Programm mit den ehrenamtlichen Spähern auch darum, den Kanton zu erforschen, bevor er geplündert ist, so Fischer.
Anerkennung im Jahresbericht
Archäologische Funde dürfen gemäss Gesetz nicht behalten werden. Finanziell entschädigt für ihre Arbeit werden die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer nicht. «Ein Danke und ein Jahresbericht», antwortete Andreas Fischer auf die Frage, wie die Archäologie Baselland die Freiwilligen entschädigt. «Das Monetäre steht nicht im Vordergrund. Es geht um das Interesse an der Vergangenheit und auch um den Kick, wenn man etwas findet.»
Das öffentliche Präsentieren der Funde und das namentliche Erwähnen der Finderinnen und Finder hätten für die Späher im Sinne einer Anerkennung grössere Bedeutung als eine finanzielle Entschädigung, ist Andreas Fischer, Leiter Archive und Öffentlichkeitsarbeit bei der Baselbieter Kantonsarchäologie, überzeugt. Im umfassenden Jahresbericht wird die Arbeit der Ehrenamtlichen unter anderem mit der detaillierten Beschreibung der Art und Weise, wie die Objekte gefunden wurden, gewürdigt.
Im Januar 2025 meldete der ehrenamtliche Späher Thomas Frei den Fund von über 130 römischen Münzen in Sissach. Frei hatte die Münzen mithilfe eines guten Gespürs sowie eines Metalldetektors im Waldboden entdeckt, heisst es im Jahresbericht. Im Verlaufe der Arbeiten des professionellen Grabungsteams wurden insgesamt 553 Münzen aus der Zeit des Gallischen Sonderreichs zwischen 274 und 260 vor Christus gefunden. Es sei damals eine Zeit der innerrömischen Auseinandersetzungen gewesen, erläuterte Kantonsarchäologe Reto Marti. Weshalb die Münzen beim Burgenrain in Sissach mutmasslich versteckt wurden, ist nicht bekannt.
Wie die Funde jeweils der Öffentlichkeit präsentiert werden, ist eine weitere Herausforderung für die Archäologie Baselland. Abgesehen vom Römermuseum bei Augusta Raurica und eben Sonderausstellungen wie jene in den vergangenen Monaten im Historischen Museum Basel bieten sich der Kantonsarchäologie nur wenige Möglichkeiten, um die Funde zu zeigen. «Die meisten der insgesamt 1,5 Millionen Objekte befinden sich im Depot. Es wäre natürlich toll, wenn wir wenigstens unsere wichtigsten Funde dem Publikum zeigen könnten», meinte Andreas Fischer.
Das Museum Baselland in Liestal bietet vereinzelt Platz, um archäologische Fundgegenstände auszustellen. Die Archäologie Baselland versucht, mit Ortsmuseen zusammenzuarbeiten, um die in den jeweiligen Gemeinden gefundenen Objekte zu zeigen. Auch werden vereinzelt an Dorffesten wie Ende August in Läufelfingen Fundstücke präsentiert. Ein eigenes Museum für die Archäologie wäre sehr kostenintensiv, weiss Fischer: «Das Momentum dafür kam nie zustande. Auch gab es keinen Mäzen, der ein solches Museum finanziert hätte. Das ist ein Fakt, den wir anerkennen müssen.» Dies sei aber kein Vorwurf an die Politik, stellte Fischer klar.



