Hitze ist für viele eine echte Gefahr
26.06.2026 BaselbietSpital, Spitex und Altersheime reagieren auf hohe Temperaturen
Die anhaltende Hitze belastet nicht nur die Bevölkerung, sondern auch das Gesundheitswesen. Vor allem ältere und chronisch kranke Menschen leiden unter den hohen Temperaturen. Spitäler, Pflegeheime und die ...
Spital, Spitex und Altersheime reagieren auf hohe Temperaturen
Die anhaltende Hitze belastet nicht nur die Bevölkerung, sondern auch das Gesundheitswesen. Vor allem ältere und chronisch kranke Menschen leiden unter den hohen Temperaturen. Spitäler, Pflegeheime und die Spitex haben deshalb ihre Schutzmassnahmen verstärkt.
Christian Horisberger
Die ungewohnt hohen Temperaturen über einen längeren Zeitraum empfinden hierzulande die wenigsten Menschen als angenehm. Für ältere, geschwächte oder chronisch kranke Menschen stellen sie gar eine gesundheitliche Gefahr dar. Institutionen der Altersbetreuung, der Krankenpflege und Spitäler sind während Hitzeperioden deshalb besonders gefordert.
«In der Notfallaufnahme des Kantonsspitals Baselland ist derzeit einiges los», erklärt Dominik Werner auf Anfrage der «Volksstimme» zu den Auswirkungen der aktuellen Hitzewelle. Hitze sei dabei eine Ursache, meist jedoch indirekt: «In vielen Fällen werden bereits bestehende Beschwerden durch die Hitze akzentuiert, zum Beispiel Rückenschmerzen, die zuvor über Monate kaum spürbar waren.» Im Sommer komme es zudem vermehrt zu Unfällen und Stürzen, die auf Hitze, Erschöpfung und verminderte Konzentration zurückzuführen seien. Besonders betroffen seien ältere Menschen.
Klimatisieren und Lüften
Da für Patientinnen und Patienten sowie Mitarbeitende ein angenehmes Raumklima von zentraler Bedeutung sei, setze das KSBL gezielt verschiedene Massnahmen um, um die Bedingungen in den Gebäuden möglichst angenehm und sicher zu gestalten. Laut Spitalsprecher Werner kommen in sensiblen Bereichen wie Operationssälen, Intensiv- und Überwachungsstationen, Labors sowie Räumen mit empfindlicher Medizintechnik oder Medikamentenlagerung Lüftungssysteme mit Kühlfunktion und HEPA-Filtration zum Einsatz.
In den übrigen Bereichen setzt das KSBL auf ein Konzept aus optimierten Lüftungssystemen und nächtlicher Fensterlüftung zur natürlichen Abkühlung – bei längeren Hitzeperioden mit mehreren Tropennächten in Folge eine Herausforderung. Auf mobile Ventilatoren wird verzichtet, um eine Verbreitung von Krankheitserregern zu verhindern.
Das Sissacher Zentrum für Pflege und Betreuung Mülimatt hat für seine Bewohnenden seit Jahren erprobte und gut eingespielte Szenarien, wie Geschäftsführerin Mireille Dimetto auf Anfrage sagt: «Wir können damit auch längere Hitzeperioden recht gut meistern.» Das Wärmeempfinden sei jedoch sehr individuell. Deshalb gelte es, die Reaktionen von Bewohnenden und Mitarbeitenden genau zu beobachten, um bei Bedarf rasch reagieren zu können. Für die Heimbewohnerinnen und -bewohner würden zudem Aktivitäten wie Sudoku-Challenges organisiert, um ihnen die Zeit zu vertreiben, während sie wegen der Hitze möglichst nicht nach draussen gehen sollten.
Um den Mitarbeitenden in Bereichen mit betriebsbedingt hohen Temperaturen die Arbeit zu erleichtern, hat das «Mülimatt» weitere Massnahmen ergriffen oder geplant: Für die Wäscherei wurden Industrieventilatoren bestellt, die kühlere Luft vom Gang in die Arbeitsräume blasen. Längerfristig wolle man sowohl dort als auch in der Küche «die Klimabedingungen bautechnisch anschauen», so Dimetto.
Kühltüchlein von der Spitex
Die Mitarbeitenden der Spitex Regio Liestal haben spezielle Kühltücher erhalten, mit denen sie sich auf ihren Touren erfrischen können. Zudem sind sie angehalten, ihre Einsätze nach Möglichkeit auf den Morgen und den späteren Abend zu verlegen. In der Betreuung nähmen die Spitex-Fachkräfte eine wichtige Beobachtungs- und Schutzfunktion wahr, erklärt Sprecherin Iris Lima. Die Mitarbeitenden liessen an Hitzetagen besondere Aufmerksamkeit walten, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen und bei Bedarf rasch Unterstützung zu leisten. Zudem unterstützten und berieten sie ihre Klientinnen und Klienten dabei, sich aktiv vor hohen Temperaturen zu schützen.
Keine durch die Hitze bedingte Häufung von Einsätzen registriert hingegen die Baselbieter Polizei. Und auch keine hitzebedingte Tenue-Erleichterung: Die Polizistinnen und Polizisten patrouillieren selbst bei 37 Grad in langen Hosen.
Vieh regiert empfindlich und braucht Abkühlung
ch. Für die Landwirtschaft bleibt die aktuelle Wetterlage nicht ohne Folgen: Die unterschiedlichen Kirschensorten sind gleichzeitig reif, Obst, Gemüse und Kartoffeln müssen bewässert und das Vieh in den Ställen erfrischt werden.
Bis zum ersten Grasschnitt hatten die Bauern einen guten Frühling. Dann blieben zunächst die Niederschläge aus, danach folgte die Hitzewelle. Diese Kombination sei für den Juni aussergewöhnlich und werde für die landwirtschaftlichen Erträge nicht ohne Folgen bleiben, sagt Andreas Bubendorf, stellvertretender Leiter des Zentrums Ebenrain. Das Getreide brauche jetzt Wasser, damit sich grosse Körner bilden könnten. Bei anhaltender Trockenheit werde die Ernte trotz guter Bestockung «nicht wahnsinnig gross» ausfallen. Auch der Mais, wichtiges Viehfutter für den Winter, leide. Die Blätter seien eingerollt, die Pflanzen hätten ihr Wachstum eingestellt. Es könne sein, dass dieser Stillstand bis zur Ernte nicht mehr aufgeholt werde. Auch auf den Wiesen herrscht Wachstumsstillstand. Dort, wo der erste Schnitt kurz vor der Hitzeperiode erfolgte, sei alles braun, so Bubendorf. Die Wiesen würden sich jedoch erholen, sobald wieder Regen falle.
Hochbetrieb herrscht derzeit in den Kirschenanlagen. Der intensive Sonnenschein und die hohen Temperaturen hätten die Reifung der Kirschen derart beschleunigt, dass auch die späten Sorten reif seien und sich die gesamte Ernte auf ein kurzes Zeitfenster konzentriere, erklärt der Experte: «Eine Staffelung ist nicht möglich, es kommt alles auf einen Schlag.» Die Erntehelfer sind unter den gegenwärtigen Bedingungen nicht zu beneiden: Zusätzlich zu den grossen Mengen, die gepflückt werden müssen, seien die Temperaturen unter den gedeckten Anlagen sehr hoch, so Bubendorf.
Während Kirschen an frei stehenden Bäumen weich werden oder zu schrumpeln beginnen, stellt der ausbleibende Regen für die Früchte in den Anlagen kein Risiko dar, da diese meistens bewässert würden. Auch andere Obstsorten sowie der Gemüseanbau seien auf Bewässerung angewiesen. Kartoffeläcker müssten ebenfalls unbedingt bewässert werden.
Um das Vieh vor Hitzestress zu bewahren, werden Kühe nachts auf die Weiden getrieben und verbringen den Tag im Stall. Dort empfiehlt Bubendorf dringend, mit Ventilatoren für Luftzirkulation zu sorgen und zusätzlich Wasser zu zerstäuben, um die Temperaturen für die Tiere erträglicher zu machen. Schweine und Kühe seien noch hitzeempfindlicher als Menschen. Auf die Milchmenge habe die aktuelle Situation bisher nur geringfügige Auswirkungen.
Auf Höfen, die über eine eigene Wasserversorgung verfügen, ist laut Andreas Bubendorf noch kein Wassernotstand ausgebrochen. Das könne sich jedoch ändern, wenn die auf Anfang kommender Woche angekündigten Niederschläge ausbleiben. «Dann können Selbstversorger mit schwachen Quellen ein Problem bekommen.»


