Hitze als härteste Prüfung
27.03.2025 RegionÄrzte, Lehrpersonen und Politiker fordern verbesserten Schutz an Schulen
Mit der klimatischen Entwicklung nehmen die Hitzetage zu. Das führt zu mehr Unterrichtsstunden mit über 30 Grad in den Klassenzimmern. Nun fordern Kinderärzte, die Lehrerverbände von ...
Ärzte, Lehrpersonen und Politiker fordern verbesserten Schutz an Schulen
Mit der klimatischen Entwicklung nehmen die Hitzetage zu. Das führt zu mehr Unterrichtsstunden mit über 30 Grad in den Klassenzimmern. Nun fordern Kinderärzte, die Lehrerverbände von Baselland und Basel-Stadt sowie ein Baselbieter Landrat und eine Basler Grossrätin Massnahmen.
Tobias Gfeller
Würde es noch immer «hitzefrei» geben und dafür die gleichen Regeln wie früher angewandt, hätte im Sommer 2023 in Basel an 17 Tagen kein Unterricht stattgefunden. Dies rechnete vorgestern im Rahmen einer Medienkonferenz Jean-Michel Héritier vor. Der Präsident der Freiwilligen Schulsynode Basel-Stadt machte klar, dass 17 unterrichtsfreie Tage völlig unrealistisch sind, wenn der vollgepackte Lehrplan eingehalten werden soll.
Im gleichen Sommer ergab eine Messung des Lehrerinnen- und Lehrervereins Baselland (LVB) an 38 Schulstandorten an drei Tagen im August alarmierende Resultate. Der Spitzenwert in einem Schulzimmer lag gemäss LVB-Präsident Philipp Loretz bei 42 Grad. Bereits zur Mittagszeit betrug die durchschnittliche Temperatur über alle 38 Schulstandorte gerechnet mindestens 30 Grad. «Bei 36 Grad im Klassenzimmer hat das nichts mehr mit Unterricht zu tun», mahnte Loretz. «Die Zeit drängt. Wir können das Problem nicht weiter auf die lange Bank schieben.»
Auch ein Chefarzt warnt
An der Medienkonferenz im Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB) war zu spüren: Die Geduld der Lehrpersonen und der Kinderärzte beim Thema Hitze ist vorbei. Dass das UKBB für die Medienkonferenz seine Räumlichkeiten zur Verfügung stellte und dass der Ärztliche Direktor Urs Frey die Teilnehmenden offizielle begrüsste und selber die Dringlichkeit des Themas unterstrich, war ein starkes Signal.
«Kindergesundheit und Umweltfaktoren sind unterschätzte Themen», sagte Frey. Die klimatische Erwärmung könne über indirekte Effekte ein Thema fürs Lernen und die Entwicklung der Kinder sein, unterstrich der Ärztliche Direktor des UKBB.
Zum ersten Mal fordern Ärzte, die beiden Lehrpersonenverbände und Politiker aus den beiden Basel gemeinsam Massnahmen, um die Hitzeproblematik an den Schulen anzugehen. Bisher sei wenig bis nichts passiert, kritisieren sie unisono. SP-Landrat Jan Kirchmayr und GLP- Grossrätin Sandra Bothé-Wenk fordern mit Vorstössen die beiden Kantonsregierungen zum Handeln auf.
Dabei geht es um Sofortmassnahmen, mit denen die Temperaturen schon im kommenden Sommer reguliert werden sollen, und um langfristige Massnahmen, die auch die Schulbauten betreffen. Es brauche an den Schulstandorten endlich ein repräsentatives Monitoring, mit dem die Temperaturen über mehrere Wochen erfasst werden, forderte Jean-Michel Héritier. Dann brauche es möglichst rasch ein Lüftungsmanagement. Es werde immer schwerer, über Nacht die Klassenzimmer zu kühlen. «Schon zu Beginn der Schultage betragen die Temperaturen in den Schulen weit über 20 Grad», zeigte Philipp Loretz auf.
Einfluss auf die Leistung
Dabei gehe es um den Schutz der Kinder und Jugendlichen sowie der Lehrpersonen. Gerade für Schwangere seien hohe Temperaturen über eine längere Zeitspanne gefährlich, warnte der Riehener Kinderarzt Patrick Hetzel. Als Vertreter der Arbeitsgruppe «Hitze und Schule» der Gesellschaft für Kinder und Jugendmedizin Regio Basel engagiert sich Hetzel schon seit vielen Jahren im Bereich Raumklima an den Schulen. Für ihn ist offensichtlich: «Hitze an der Schule reduziert die Lernleistung.» Bei über 28 Grad in den Klassenzimmern plädiert der Kinderarzt für hitzefrei. «Hitzeschutz ist Kinderschutz», stellte Patrick Hetzel klar.
Bereits im vergangenen September forderte der Baselbieter Landrat mit der Überweisung eines Vorstosses von Jan Kirchmeyr kurzfristige Massnahmen gegen heisse Klassenzimmer. Einen weiteren Vorstoss zum Thema hat die Regierung auf eigene Initiative hin entgegengenommen. Das Thema wird die Schulen und die Kantone in den beiden Basel in naher und ferner Zukunft noch mehr beschäftigen. Auch die Gemeinden als Verantwortliche der Primarschulen werden sich verstärkt mit dem Thema befassen müssen, auch wenn Massnahmen gegen die Hitze viel Geld kosten werden.

