Heisser Start ins Schuljahr
13.08.2026 BaselbietMassnahmen von der Trinkpause bis zum Fernunterricht
Während die hohen Temperaturen diesen Sommer vielerorts Sorgen bereiten, müssen auch die Lehrpersonen bei der Unterrichtsgestaltung Lösungen für die Hitze finden. Schulleitungen aus der Region berichten, wie sie mit ...
Massnahmen von der Trinkpause bis zum Fernunterricht
Während die hohen Temperaturen diesen Sommer vielerorts Sorgen bereiten, müssen auch die Lehrpersonen bei der Unterrichtsgestaltung Lösungen für die Hitze finden. Schulleitungen aus der Region berichten, wie sie mit der Hitze umgehen.
Lea Wieser
Just in der bereits fünften Hitzewelle dieses Sommers starten die Kinder im Kanton Baselland ins neue Schuljahr. Die SP reicht an der Landratssitzung vom 27. August das Vorstosspaket «Hitzemassnahmen ergreifen» ein. Darin fordert SP-Landrat Jan Kirchmayr «Hitzefrei»: Ab einer Aussentemperatur von 33 Grad soll die Möglichkeit bestehen, die Schulpflicht vorübergehend aufzuheben und den Präsenzunterricht auszusetzen.
Die Jungfreisinnigen hingegen fordern in ihrem offenen Brief an den Regierungsrat eine Klimaanlagenpflicht in allen Klassenzimmern der öffentlichen Schulen im Kanton. Ebenfalls unzufrieden ist der Lehrerverein, der die Empfehlungen des Amts für Volksschulen bemängelt, da diese nicht realistisch umzusetzen seien. Die «Volksstimme» hat bei Schulen der Region nachgefragt, wie sie derzeit mit der Hitze umgehen.
Die Lehrpersonen würden kreativ, sagt Monique Juillerat, Rektorin der Primarschule Bubendorf: «Es gibt Klassen, die in die Badi gehen oder sich bei einer Wasserschlacht mit Sprühflaschen abkühlen.» Andere Schulen gehen einen Schritt weiter: In den Primarschulen Gelterkinden, Lausen, Arisdorf und Oberdorf ist der Nachmittagsunterricht heute und morgen freiwillig. «Je nachdem wie das Wetter in den nächsten Wochen wird, werden wir weitere Massnahmen dieser Art treffen. Die Erziehungsberechtigten haben wir darüber bereits informiert», teilt der Lausner Schulleiter Pascal Neukom mit.
Während ein generelles «Hitzefrei» in der Schweiz aufgrund der gesetzlichen Betreuungspflicht der Schulen nicht gestattet ist, solle der freiwillige Nachmittagsunterricht als Alternative dienen. Die Lehrpersonen würden für die jeweiligen Klassen einen altersgerechten und selbstständig zu lösenden Arbeitsauftrag vorbereiten, den die Kinder dann entweder in der Schule bei üblicher Betreuung oder aber auch zu Hause bearbeiten könnten.
Präsenzunterricht ist zentral
Schwieriger ist es für die Sekundarschulen, hitzegerechte Lösungen zu finden, die den Unterricht nicht zu sehr einschränken. Ab der fünften Klasse ist es vom Kanton aus gestattet, anstelle von Präsenzunterricht auf digitale oder hybrid gestützte Lernformen auszuweichen.
So werden die Hitzetage beispielsweise von der Sekundarschule Aesch gehandhabt. Die Gelterkinder Sekundarschule verzichtet auf den Fernunterricht: «Gerade zum Start ins neue Schuljahr ist der Präsenzunterricht für uns zentral, um gemeinsam vor Ort mit den Jugendlichen zu starten», sagt Schulleiter Roger Leoni. Konkrete Lösungen für den Moment gebe es kaum. «Was wir versuchen, ist über Nacht und am frühen Morgen eine Luftzirkulation in die Gebäude zu bringen, um sie auszukühlen», sagt Leoni. Dadurch seien die Temperaturen am Morgen zunächst angenehm und würden erst am Nachmittag wirklich zum Problem.
Ähnlich sieht es bei der Sekundarschule Sissach aus. «Angepasste Unterrichtszeiten oder Fernunterricht sind für uns keine Option», findet auch der Schulleiter Louis Degen. Das funktioniere an der Sekundarschule Sissach gar nicht, da viele Kinder aufgrund der ÖV-Verbindungen ausserhalb der üblichen Unterrichtszeiten nicht nach Hause kommen würden. Somit halte man sich an das am 5. August vom Amt für Volksschulen veröffentlichte Merkblatt bezüglich der Hitze: wenig körperliche Aktivität, Sportunterricht nur in der Halle oder der Badi, viele Trinkpausen, alleinfalls verkürzte Unterrichtszeiten und Weiteres. «In dieser Situation haben wir auch eine gewisse Toleranz, wenn die Kinder ein paar Tage nicht so gut arbeiten», sagt Degen.
Der Blick in die Zukunft
Vielerorts werde nach längerfristigen Möglichkeiten gesucht. «Gerade prüfen wir mit dem Hochbauamt und der Bau- und Umweltschutzdirektion Massnahmen, die wir vornehmen können, wie beispielsweise Fassadenbegrünungen», erklärt der Gelterkinder Schulleiter Leoni. Auch Degen von der Sekundarschule Sissach sei im Moment in Kontakt mit dem Hochbauamt, um solche Lösungen zu finden. Pascal Neukom teilt mit, auch die Primarschule Lausen wolle die Thematik der Hitzeschutzmassnahmen mit den Gemeindeverantwortlichen hinsichtlich einer längerfristigen Planung besprechen.
«Mittlerweile bin ich den Klimaanlagen nicht mehr komplett abgeneigt», sagt Degen. «Besonders da wir diese aufgrund unserer Photovoltaik ohne zusätzlichen Energieverbrauch betreiben könnten.» Gelterkinden und Lausen zeigen sich in dieser Thematik weniger entschlossen. «Wir sind eine Klimaschule, wodurch ein schonender Umgang mit Ressourcen unser Fokus ist», sagt der Gelterkinder Schulleiter, «daher ist eine Klimaanlage für uns nicht oberste Priorität.» Am Ende habe allerdings die Lösung, die für die Schülerinnen und Schüler am besten ist, Vorrang.
