Heimliches Filmen in der Garderobe
17.02.2026 SissachFolgt ein Handyverbot beim EHC Zunzgen-Sissach?
Nach einem Spiel der U14-Junioren des EHC Zunzgen-Sissach haben einige heimlich ihre Kollegen in der Garderobe gefilmt. Laut Klubverantwortlichen sind die Aufnahmen nicht ins Internet gelangt. Der Verein hat umgehend reagiert und ...
Folgt ein Handyverbot beim EHC Zunzgen-Sissach?
Nach einem Spiel der U14-Junioren des EHC Zunzgen-Sissach haben einige heimlich ihre Kollegen in der Garderobe gefilmt. Laut Klubverantwortlichen sind die Aufnahmen nicht ins Internet gelangt. Der Verein hat umgehend reagiert und kündigt Konsequenzen an.
Melanie Frei
Nach einem Eishockeyspiel der U14 des EHC Zunzgen-Sissach ist es in der Garderobe zu einem Vorfall gekommen, der aufhorchen liess: Spieler des Heimteams filmten mit ihren Smartphones Mannschaftskollegen heimlich in der Garderobe. Es kann aber ausgeschlossen werden, dass die Aufnahmen ins Internet gelangt sind, so die «bz Basel» gestern.
Vanjo Di Biase, Nachwuchschef des Clubs, reagierte umgehend. Er verfasste einen Rundbrief an alle Eltern der betroffenen Spieler, in dem er die Sachlage klar darlegte und unmissverständlich machte: Filmaufnahmen in der Garderobe seien ein «No-Go». In einem Schreiben an die Eltern kündigte Di Biase an, man werde «strikter durchgreifen» und nötigenfalls auch disziplinarische Massnahmen ergreifen, wie es in der «bz Basel» heisst.
Was viele Jugendliche möglicherweise als harmlosen Streich betrachten, ist rechtlich gesehen eine ernste Angelegenheit. Das Filmen ohne Einwilligung im Geheim- oder Privatbereich ist eine Verletzung der Privatsphäre und kann strafrechtlich verfolgt werden mit einer Geldstrafe oder im schwerwiegenden Fall mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren.
Demütigung im sozialen Umfeld könne zu massiver psychischer Belastung führen, so Di Biase im Schreiben an die Eltern. Er fordere sie auf, das Gespräch mit ihren Kindern zu suchen. Als nächsten Schritt erwägt der Verein ein komplettes Handyverbot «beim Betreten der Eishalle». Wer die Regeln nicht einhalte, könnte vom Club ausgeschlossen werden. Vanjo Di Biase und weitere Vertreter des Vereins standen bis Redaktionsschluss für ein persönliches Gespräch mit der «Volksstimme» nicht zur Verfügung.
Ein schweizweites Phänomen
Der Vorfall in Sissach ist kein Einzelfall. Er trifft auf einen gesellschaftlichen Trend, den Forschende schon länger beobachten. Eine Studie der Universität Lausanne aus dem Jahr 2025, durchgeführt im Auftrag des Schweizerischen Verbands für Sport in der Schule (SVSS), zeigt: Zwei Drittel der befragten Schülerinnen und Schüler duschen nach dem Sport selten oder gar nicht. Rund 6 Prozent duschen nie. Hauptgrund ist die Scham, befeuert besonders durch die Omnipräsenz von Smartphones. Laut der Studie nehmen knapp drei Viertel der Jugendlichen ihr Smartphone in die Garderobe mit. Die Folge: Nacktfotos und kompromittierende Aufnahmen können im Internet landen. Jonathan Badan, Co-Präsident des SVSS, bezeichnete das Risiko in einem Beitrag im «Tagesanzeiger» vergangenen Herbst als «sehr real». Die Studie des SVSS empfiehlt, bei zukünftigen Bauprojekten neben gemeinsamen Umkleide- und Duschbereichen auch Einzelkabinen einzurichten für mehr Intimsphäre.
Was früher selbstverständlich war – gemeinsam duschen nach dem Sport – ist heute ein heikles Terrain. Der EHC Zunzgen-Sissach hat das nun auf die harte Tour gelernt. Der Club hat gezeigt, wie ein Verein in einem solchen Moment reagieren kann: transparent, entschlossen und mit dem Wohl der Jugendlichen im Zentrum. Ob das reicht, um künftige Vorfälle zu verhindern, wird auch davon abhängen, wie ernst das Thema in Familien, Schulen und Vereinen genommen wird. Und das nicht nur im Baselbiet.

