Headcoach entlassen, Spiel gewonnen
03.02.2026 Sport, EishockeySWHLB: EHC Zunzgen-Sissach – GCK Lions 2:1 n.P. (0:0; 0:1; 1:0; 1:0)
Der Vorstand des EHC Zunzgen-Sissach hat den Headcoach seines Frauenteams, Roger Rensch, entlassen. Das wichtige Spiel um die Play-off-Ränge gegen die GCK Lions gewinnen die ZS-Ladies im ...
SWHLB: EHC Zunzgen-Sissach – GCK Lions 2:1 n.P. (0:0; 0:1; 1:0; 1:0)
Der Vorstand des EHC Zunzgen-Sissach hat den Headcoach seines Frauenteams, Roger Rensch, entlassen. Das wichtige Spiel um die Play-off-Ränge gegen die GCK Lions gewinnen die ZS-Ladies im Penaltyschiessen.
Daniel Monnin
Der Meistertitel vor zehn Monaten war der eine Ausreisser nach oben, der in die Annalen der ZS-Ladies eingehen wird. Ein Erfolg, der Headcoach Roger Rensch und seinem damaligen Team zuzuordnen ist. Doch seither löst sich das schöne Meisterhaus in seine Einzelteile auf. Vergangene Woche hat der Verein Rensch entlassen. Ihm wurde unter anderem vorgeworfen, er sei zu laut und zu aggressiv. Dies könnte der erste Schritt in Richtung Niemandsland gewesen sein, denn hinter vorgehaltener Hand wird bereits ein freiwilliger Abstieg in die SWHLC kolportiert. Ende Ambitionen in Richtung mehr Professionalität und SWHLB-Spitze, hallo Feierabend-Eishockey.
Nun, das muss nicht unbedingt negativ sein. Mit jungen, eigenen Spielerinnen aus der Region ein Team zu bilden und in der dritthöchsten Liga einen Neuanfang zu planen, ist eine hehre Sache. Nur, wie viele «junge, eigene Spielerinnen» aus dem aktuellen Kader könnten das Gerüst eines neuen Teams bilden? Zu viele sind es sicher nicht. Der freiwillige Abstieg könnte als Affront gegenüber jenen Leuten wahrgenommen werden, die das Ladies-Team während Jahren mit viel Geld alimentiert haben, damit der Weg in Richtung B-Spitze fortgeführt werden konnte. Oder gegenüber dem entlassenen Headcoach und jenen Spielerinnen im Team, welche die gleichen professionellen Ziele verfolgten wie er.
Die Entscheidung dürfte ein Hofknicks vor jenen Teilen im Team und in deren Umfeld sein, die einerseits mehr Spielzeit verlangten, andererseits zu wenig ambitioniert sind oder waren, um dem Ziel SWHLB-Spitze vieles unterzuordnen. Roger Rensch wollte sich auf Anfrage nicht zu seiner Entlassung äussern. Er meinte nur, er sei enttäuscht, aber er wünsche dem Team alles Gute.
Negatives Gesamtbild
Fragwürdig ist der Zeitpunkt der «Freistellung» und das damit verbundene negative Gesamtbild gegen aussen. Warum nicht diese Saison in Ehren zu Ende spielen und danach einen Neuanfang kommunizieren? Von der ZS-Website ist der Name Roger Rensch verschwunden, die beiden bisherigen Assistenten Michael Buser und Stefan Schwander führen das Team in den letzten drei Spielen und den Play-offs.
Was danach geschieht, ist offen. Die bisherige Partnerschaft mit dem A-Club Fribourg-Gottéron wird unter diesen Vorzeichen kaum erneuert und die besten Spielerinnen könnten die ZS-Ladies verlassen. Doch auch der kolportierte Neuanfang in der SWHLC würde kein Selbstläufer. Das könnte zu einer harten Landung in der schonungslosen Realität führen. Vielleicht überschätzt sich ein Teil des Teams schlichtweg.
Die Neuauflage des letztjährigen, begeisternden Play-off-Finals gegen die Zürcher GCK Lions vom Samstagabend, der erste Auftritt in der Nach-Rensch-Ära, ist den ZS-Ladies zumindest resultatmässig gelungen. Der 2:1-Sieg nach Penaltyschiessen ist verdient, auch weil die bereits für die Play-offs qualifizierten Zürcherinnen zu nonchalant spielten.
Zwei Drittel lang boten beide Teams Eishockey-Schach mit wenig Tempo und neutralisierten sich weitgehend. Mit dem Führungstreffer in der 28. Minute nach einem Fehler im Stellungsspiel der ZS-Ladies an der defensiven blauen Linie driftete die Zürcher Nonchalance aber in Richtung Überheblichkeit. Erst nach dem Sissacher Ausgleich im Powerplay durch Laurine Modoux – sie kurvte durch das Zürcher Abwehrviereck, als gäbe es nichts Einfacheres – begann die Partie einem Eishockeyspiel ohne Wenn und Aber zu gleichen.
Die ZS-Ladies schöpften Mut und pressten, die Zürcherinnen erinnerten sich daran, dass Eishockey ein Kampfspiel ist. Trotz vieler Chancen auf beiden Seiten blieb die Partie nach 65 Minuten unentschieden. Die ZS-Ladies holten sich den Zusatzpunkt mit einem überragenden Penaltyschiessen: Sabrina Müller, Laurine Modoux und Bailey Kehl trafen in sehenswerter Manier, alle drei Zürcherinnen scheiterten an der untadeligen Selina Steiner.
Geht noch mehr?
Wie geht es weiter? Die ZS-Ladies treffen in den letzten drei Spielen exakt auf jene drei Teams – Worb (auswärts), Bassersdorf (zu Hause) und Rapperswil-Jona (auswärts) –, mit denen sie sich um die beste Ausgangslage für die Play-offs (Rang 5 bis 8) balgen. Ein Vorrücken in die ersten Vier ist bei sechs Punkten Rückstand zwar theoretisch noch möglich, aber doch eher unwahrscheinlich.
Punktverluste könnten sich als schmerzhaft erweisen, eine Sieges-Kampagne hingegen könnte das Team zusammenschweissen und neue Kräfte freisetzen – ähnlich wie vergangene Saison. Allerdings sind im Schlussspurt 35 Strafminuten – wie gegen die GCK Lions – ein No-Go.
TELEGRAMM
EHC Zunzgen-Sissach – GCK Lions 2:1 n.P.
(0:0; 0:1; 1:0; 1:0). Eisbahn: Sissach. Schiedsrichter: Lanterna, Holenstein. Tore: 28. S. Merkhofer (Frolik, Sigrist) 0:1; 44. Modoux (Ausschluss Aschwanden) 1:1. Penaltytreffer durch: Müller, Modoux und Kehl (alle ZS).
Strafen: 5-mal 2 Minuten plus 1-mal 5 Minuten plus Spieldauerdisziplinarstrafe (Na. Buser) gegen ZS, 7-mal 2 Minuten gegen GCK.
Zunzgen-Sissach: Steiner; Na. Buser, Kehl; Rueff, Kreutzer; Heinonen, Schafer; Müller, Hehlen, Poirrier; Ni. Buser, Habegger, Jossevel; Modoux, Bärtschi, Stahel; Gehrig.


