«Haki hat keinen Agenten, der hat einen Bruder»
15.01.2026 Sport, Fussball«Nati»-Trainer Murat Yakin im «SportTalk» des Sportamts
Fussball-Nationaltrainer Murat Yakin hat am Dienstag in der Kantonsbibliothek von den Vorbereitungen auf die WM berichtet, über seinen Rauswurf beim FCB gesprochen und verraten, welches sein persönlich ...
«Nati»-Trainer Murat Yakin im «SportTalk» des Sportamts
Fussball-Nationaltrainer Murat Yakin hat am Dienstag in der Kantonsbibliothek von den Vorbereitungen auf die WM berichtet, über seinen Rauswurf beim FCB gesprochen und verraten, welches sein persönlich grösstes Spiel war.
Tobias Gfeller
Murat Yakin ist Profi durch und durch. Er weiss, wann er lieber nichts sagen sollte, als möglicherweise etwas Falsches zu sagen. Wer denn der beste Schweizer Fussballer aller Zeiten sei, wollte Moderator Daniel Schaub wissen. Yakin nannte Stéphane Chapuisat, der mit Borussia Dortmund 1997 die Champions League gewonnen hat. Von der aktuellen Nationalmannschaft wollte der Nationaltrainer keinen Spieler hervorheben, obwohl der kluge Diplomat Yakin Captain Granit Xhaka schon zu den Besten zählen würde, wie er auf Nachfrage betonte.
Murat Yakin gewährte im Rahmen des «SportTalks» des Sportamts Baselland in der Kantonsbibliothek in Liestal Einblicke in sein bisheriges Schaffen als Trainer und blickte auf die Weltmeisterschaft im Sommer in den Vereinigten Staaten, Kanada und Mexiko voraus. Daniel Schaub, Journalist und Autor von mehreren Sportbüchern, aktuell verantwortlich für die Kommunikation beim Sportamt Baselland und ehrenamtlich Präsident des Fussballverbands Nordwestschweiz, wollte von Yakin wissen, wie der Fahrplan für die WM aussieht. Gestern Mittwoch wurde entschieden, wo die Schweizer Nationalmannschaft ihr Quartier in den USA aufschlagen wird. Der Cheftrainer wird in den nächsten Monaten viele Reisen zu seinen im Ausland engagierten Spielern unternehmen, Gespräche führen und in Workshops mit dem Staff die WM vorbereiten. Im März sind Testspiele in Basel gegen Deutschland und in Oslo gegen Norwegen geplant.
«Können mit Grossen mithalten»
Nach der Auslosung im Dezember in Washington war Murat Yakin mit dem Staff in den USA unterwegs, um das ideale WM-Quartier zu erörtern. Über Weihnachten reiste er mit seiner Familie nach New York City. Für den gebürtigen Münchensteiner ist der «Big Apple» etwas «too much». Am liebsten hätte er sich im Hotelzimmer eingeschlossen, sagte er mit einem Lachen. Für die Weltmeisterschaft gab sich Yakin optimistisch. Bei einem Rückblick auf die erste Fussball-WM in den USA 1994, die Yakin als Spieler aufgrund einer Verletzung verpasst hatte, erinnerte er sich an gute Leistungen der Schweizer «Nati», meinte aber auch: «Spanien war im Achtelfinal damals eine Nummer zu gross. Heute können wir mit den Grossen mithalten.»
Murat Yakin ist seit August 2021 Trainer der Schweizer Fussballnationalmannschaft. Die Anfrage des Fussballverbands sei damals unerwartet gekommen, wie er im Gespräch verriet. Als Trainer eines Challenge-League-Vereins – Yakin trainierte damals den FC Schaffhausen – ist man für gewöhnlich nicht auf der Shortlist für einen Job als Nationaltrainer. Yakin war gerade beim Skifahren, als «Nati»-Direktor Pierluigi Tami anrief. «Ich dachte, Tami wolle eine Runde Golf mit mir spielen.»
«Nati»-Trainer mit Leib und Seele
Anstatt auf den Ski stand Murat Yakin am nächsten Morgen beim Verband in Bern auf der Matte. Der Rest ist grösstenteils eine Erfolgsgeschichte. Der 51-Jährige stand mehr als 50-mal als «Nati»-Trainer an der Seitenlinie und qualifizierte sich für die WM in Katar, die Europameisterschaft in Deutschland und im vergangenen Herbst eben für die WM 2026. Yakin stand dazwischen immer wieder in der Kritik, weil die Resultate oder der Spielstil der Mannschaft nicht stimmten. Doch wenn es darauf ankam, waren Yakin und sein Team da.
Im «SportTalk» war zu spüren: Der Baselbieter ist «Nati»-Trainer mit Leib und Seele. Aus dem Stolz und der Ehre, die für ihn mit dem Amt verbunden sind, macht Yakin kein Geheimnis. Die Rückzugsmöglichkeiten nach Turnieren und Zusammenzügen tun ihm gut. Er vertraut den Spielern, sie vertrauen ihm. Das scheint zu passen.
Auch in der Kantonsbibliothek strahlte Murat Yakin das für ihn typische Selbstvertrauen aus, ohne dabei arrogant zu wirken. Als ein Zuhörer auf die Frage von Daniel Schaub, wer denn zu den Favoriten für den WM-Titel gehöre, die Schweiz nannte, nickte Yakin dem Zuhörer mit einem breiten Grinsen zu. In der Realität sieht Yakin eher Argentinien, England und Spanien zuoberst auf der Liste.
Bis zu seinem Job als Nationaltrainer hat Murat Yakin als Spieler und Trainer viel gesehen. Als Innenverteidiger prägte er Anfang der 2000er-Jahre die Erfolgsära beim FC Basel unter Trainer Christian Gross mit. Das Heimspiel gegen Celtic Glasgow in der Champions-League-Qualifikation bezeichnete Yakin im Gespräch mit Schaub als sein persönliches «Spiel des Lebens». Der Verteidiger traf selber per Kopf zum 2:0, sein Bruder Hakan spielte einen kongenialen Steilpass auf Christian Gimenez, der souverän zum 1:0 einschob. «Ich weiss noch immer nicht, wie Haki den Jimmy gesehen hat.»
Sozialhilfe bei GC und Sion
Die Beziehung zu Bruder Hakan ist bekanntlich eng. Als der Spielmacher beim FCB immer besser wurde, stieg automatisch das Interesse aus dem Ausland. Typisch für die Beziehung der Yakins war es, dass der grosse Bruder Murat, der die Geschicke der Karriere von Hakan mitorganisierte. Die interessierten Vereine riefen Murat an, um nach Hakan zu fragen. «Haki hat keinen Agenten, der hat einen Bruder», habe es damals geheissen, erzählte Murat Yakin im «SportTalk». Die Lacher in der gut besuchten Kantonsbibliothek hatte der «Nati»-Trainer auf seiner Seite.
Weniger lustig ist seine Erinnerung an die Entlassung als Trainer des FC Basel. Trotz zweier Meistertitel und der Qualifikation für den Halbfinal in der Europa League musste Murat Yakin gehen. Verstehen kann er dies bis heute nicht. Es folgten Anstellungen bei Spartak Moskau – gemäss Yakin einfach mal weit weg und mit guter Bezahlung – und danach bei GC und Sion. In Zürich und im Wallis habe er Sozialhilfe geleistet, scherzte Yakin.
Privat hat Murat Yakin den Bezug zur Heimatregion Basel nie verloren, auch wenn er mit seiner Familie mittlerweile in Zürich lebt. Er geniesse das Zusammensein mit ehemaligen Fussballkollegen und die regelmässigen Klassenzusammenkünfte in Münchenstein. Er wisse, meinte Yakin, dass sich sein Dialekt in eine «falsche Richtung» entwickelt habe. «Es ist jedes Mal schön, wenn ich den Bözbergtunnel nehmen darf. Dann kommen Heimatgefühle auf.»
Nach dem Gespräch gab es für die Zuhörerinnen und Zuhörer Unterschriften und Selfies. Murat Yakin gab sich volksnah. Und das war nicht gespielt.


