Der Weissstorch dürfte sich bald wieder im oberen Kantonsteil einnisten
Bis jetzt wurde noch kein brütendes Weissstorch-Paar im Oberbaselbiet nachgewiesen. Die Sichtungen häufen sich jedoch, und Experten sind überzeugt: Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis sich der ...
Der Weissstorch dürfte sich bald wieder im oberen Kantonsteil einnisten
Bis jetzt wurde noch kein brütendes Weissstorch-Paar im Oberbaselbiet nachgewiesen. Die Sichtungen häufen sich jedoch, und Experten sind überzeugt: Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis sich der Storch auch im oberen Kantonsteil dauerhaft einnistet.
Brigitt Buser
Im Zuge der Industrialisierung in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts gingen die Bestände des Weissstorchs in der Schweiz immer mehr zurück. Dies vermutlich aufgrund der Trockenlegung von Feuchtgebieten und der Umlegung von Wiesen in intensiv genutztes Kulturland, wodurch ihnen vermehrt die Nahrung fehlte. Ebenfalls durch den Bau von Hochspannungsleitungen, in denen die Tiere durch Stromtod – übrigens die häufigste Todesart bei Störchen – ums Leben kamen. 1950 brüteten keine Störche mehr in der Schweiz.
Dank des 1948 begonnenen Wiederansiedlungsprojekts brüteten in den 1960er-Jahren wieder rund zehn Brutpaare. Seither hat der Bestand stetig und seit 2010 rasant zugenommen. So brüten heute wieder über 1000 Paare in der Schweiz – Tendenz steigend.
Anspruchsloser Kulturfolger
In der Region gibt es grosse Brutkolonien bei Augst und Kaiseraugst am Rhein oder im «Zolli» Basel. Auch im unteren Baselbiet und Leimental brüten mehrere Paare. Bisher sind jedoch keine Brutpaare aus dem Oberbaselbiet bekannt. Und dies, obwohl die Sichtungen von Weissstörchen auch im Oberbaselbiet stark zunehmen. Besonders auffallend sind sie, wenn sie auf hohen Gebäuden oder Masten nächtigen, oder wenn sie in teils grossen Gruppen den Traktoren folgen – auf der Suche nach Mausnestern, Grossinsekten und Regenwürmern. Besonders im August, wenn sich die flüggen Jung- und die Altvögel vor dem Herbstzug sammeln, sind Weissstörche in grosser Zahl zu beobachten.
«Dass sich der Weissstorch auch im oberen Kantonsteil ansiedeln wird, ist nur noch eine Frage der Zeit. Als Kulturfolger kommt der Weissstorch im Gegensatz zu anderen Vogelarten mit den von uns gestalteten Lebensräumen gut zurecht. Der Weissstorch kann auf Bäumen oder Nisthilfen brüten und findet im umliegenden Kulturland reichlich Nahrung», sagt Simon Hohl, Co-Präsident von «BirdLife Baselland».
Die Anzeichen für Brutansiedlungen häufen sich tatsächlich: So hält sich ein einzelner Weissstorch seit zwei Jahren regelmässig auf den Nistplattformen bei Bubendorf auf. Diese wurden vom Natur- und Vogelschutzverein Bubendorf mithilfe der Elektra Baselland Ende November 2022 platziert. «Wir vermuten, dass der Vogel auf einen Partner oder eine Partnerin wartet», so Hohl. Bis Weissstörche zu brüten beginnen, kann es bis zu fünf Jahre dauern.
Auch auf www.ornitho.ch, der Meldeplattform für ornithologische Beobachtungen, wurden in den vergangenen Wochen Adebare in Tenniken, Liestal, Seltisberg und Bubendorf gemeldet. Ob es sich um Nahrungsgäste oder junge Vögel auf der Suche nach geeigneten Brutplätzen handelt, ist jedoch nicht klar. Für die nähere Zukunft stellt sich also nicht die Frage, ob der Weissstorch im Oberbaselbiet brütet, sondern vielmehr, wann und wo.