Gut gerüstet für trockene Zeiten
10.07.2026 PersönlichDie Trockenheit erhöht das Risiko von Flur- und Vegetationsbränden. Der Baselbieter Feuerwehrinspektor Werner Stampfli erklärt, wie sich die Feuerwehren für solche Einsätze wappnen und weshalb er in der Region noch nicht mit grossen Waldbränden rechnet.
...Die Trockenheit erhöht das Risiko von Flur- und Vegetationsbränden. Der Baselbieter Feuerwehrinspektor Werner Stampfli erklärt, wie sich die Feuerwehren für solche Einsätze wappnen und weshalb er in der Region noch nicht mit grossen Waldbränden rechnet.
Christian Horisberger
Herr Stampfli, wegen Waldbrandgefahr gilt ein Feuerverbot. In Bettingen kam es kürzlich zu einem Brand, verursacht bei einer Feuerstelle … Was geht dem Feuerwehrinspektor dabei durch den Kopf?
Werner Stampfli: Grundsätzlich sind die Menschen in unserer Region vernünftig und halten sich gut an die Vorgaben der Behörden in Bezug auf die Brandgefahr. Zum Glück haben wir keine Waldbrände, wie sie in Südeuropa oder aber auch schon im Wallis und im Tessin vorkommen.
Über welche speziellen Einsatzmittel verfügen die Feuerwehren für Einsätze auf Feldern und in Wäldern?
Um auf die sich verändernden Rahmenbedingungen zu reagieren, hat die Gebäudeversicherung Waldbrandsets beschafft. Diese wurden nach dem Vorbild und in Kontakt mit dem Feuerwehrinspektorat des Kantons Graubünden 2020 und 2022 angeschafft. Dazu gehören auch drei Wassercontainer mit je 12 Kubikmetern Wasser, die 2018, 2019 und 2022 für die Stützpunkte Laufen, Reinach und Sissach beschafft wurden. Diese werden beispielsweise auf offener Strecke auf der Autobahn, bei abgelegenen Objekten oder auch bei Vegetationsbränden eingesetzt.
Woraus bestehen die Waldbrand-Sets?
Im Wesentlichen aus Patschen, um Feuernester auszuschlagen – sie sehen aus wie grosse Fliegenklatschen –, leichten Schläuchen und Armaturen, Sprühgeräten, Harken et cetera. Eines kam kürzlich auch in Bettingen zum Einsatz.
Bei welchen Gelegenheiten werden sie ansonsten benötigt?
Bisher kamen diese Gerätschaften vorab bei kleinen Flur- (Wiesen) und Vegetationsbränden (Waldboden) zum Einsatz oder bei Feuerstellen, die nicht vollständig gelöscht wurden. Insgesamt ist das pro Jahr fünf bis acht Mal der Fall.
Was lässt sich bei einem Brand mit nur 12 Kubikmetern Löschwasser ausrichten?
Das ist schon eine ordentliche Menge, und wenn das Volumen eines Stützpunktlöschfahrzeugs und des Tanklöschfahrzeugs (TLF) der Ortsfeuerwehr dazugerechnet werden, so kommen doch mehr als 15 000 Liter Wasser rasch vor Ort. Zudem können ja weitere TLF und die beiden anderen Container dazu aufgeboten werden. So sind dann bis zu 50 000 Liter Wasser auf Achse. Die heutige Löschtechnik und die modernen Strahlrohre erlauben einen effizienten Löscheinsatz.
Welche Bedeutung kommt der Ausbildung für die Vegetationsbrandbekämpfung heute zu?
In unserer Region gibt es ein Modul, das die Feuerwehren vor Ort bei sich «buchen» können. Die Kosten der Instruktion übernimmt die Gebäudeversicherung. Dazu wird das Thema in den jährlichen Weiterbildungskursen laufend aktuell vermittelt.
Besteht Anlass zur Sorge, dass es aufgrund der langen Trockenperiode zu Waldbränden kommt?
Wirkliche Waldbrände haben wir in der Region zum Glück noch keine – im Fall von Bettingen sprechen wir von einem Vegetationsbrand.
Warum legen Sie Wert auf diese Unterscheidung?
In unserer Region von Waldbränden zu reden, greift für mich viel zu weit – noch. Im Gegensatz zu Südeuropa gibt es in unserer Region keine Monokulturen mit stark harzhaltigen Nadelhölzern und damit vielen trockenen Nadeln auf dem Waldboden. Wir haben gut erschlossene und gepflegte Mischwälder, die stark frequentiert sind, weshalb Brände rasch entdeckt werden. Zudem verfügen wir über viele Feuerwehren. Es ist rasch von Waldbränden die Rede, wenn Flurbrände, Brände im Wald oder generell Vegetationsbrände – Gras, Steppe, Büsche oder Unterholz – gemeint sind. Von einem Waldbrand spreche ich dann, wenn mehrere Bäume in Brand stehen. In meinen mehr als 20 Dienstjahren habe ich in unserem Kanton keinen einzigen Waldbrand erlebt.
Sie sind aktuell in Griechenland in den Ferien. Dort sind Wald- brände keine Seltenheit.
Welche Faktoren begünstigen dort solche Ereignisse?
Hier gibt es grosse Waldbrände, bei denen oft Häuser, Infrastruktur und Menschen betroffen oder zumindest in Gefahr sind. Neben den erwähnten Monokulturen erhöhen intensive und lange Hitzeperioden, die grösseren Waldflächen und die schlechtere Zugänglichkeit der Wälder das Risiko und die rasche Ausbreitung von Bränden.
Der Wald wird umgebaut. Redet die Feuerwehr bei der Wahl der Zukunftsbäume für unsere Wälder ein Wörtchen mit?
Wir reden hier nicht mit, und das ist auch nicht nötig. Das Amt für Wald und die regionalen Forstbetriebe wissen genau, was sinnvoll ist. Ich vertraue auf ihre Fachkompetenz.
Erwarten Sie, dass Vegetations-, Flur- und Waldbrände die Feuerwehren künftig stärker beschäftigen werden?
Ich gehe nicht davon aus, dass wir in den nächsten Jahren Waldbrände im grösseren Stil erleben werden. Flur- oder Vegetationsbrände hingegen könnten schon noch zunehmen. Aber auch hier verfalle ich deshalb nicht in Panik. Wir haben das (noch) im Griff.
Die Feuerwehr löscht fast ausschliesslich mit Trinkwasser. Wie wird sichergestellt, dass eine Gemeinde bei einem Löscheinsatz nicht trockengelegt wird?
Grundsätzlich löschen wir tatsächlich mit Trinkwasser aus den Löschfahrzeugen oder dem Hydrantennetz. Wasserbezug aus Gewässern ist grundsätzlich denkbar, vorab im Rhein. Andere Gewässer sind in den Sommermonaten derart geschwächt, dass dies ganz selten eine Option darstellt. Grundsätzlich halten die Gemeinden Löschwasserreserven vor. Dies ist gesetzlich gefordert und wird auch eingehalten. Im Ausnahmefall müssen wir längere Zubringerleitungen erstellen und Netze anderer Gemeinden anzapfen.
Zur Person
vs. Oberst Werner Stampfli (60) ist Baselbieter Feuerwehrinspektor. In dieser Funktion hat er die fachliche Aufsicht über die Feuerwehren und ist für deren Ausbildung, Einsatzplanung und Weiterentwicklung verantwortlich. Zudem berät er Behörden in Fragen des Brandschutzes und der Ereignisbewältigung und koordiniert kantonale Massnahmen bei grösseren Schadenereignissen. Stampfli, der mit seiner Familie in Zeglingen lebt, wird sich Ende dieses Jahres nach 20 Jahren im Amt vorzeitig pensionieren lassen. Die Nachfolge ist bereits geregelt. Stampfli wird das Zepter an seinen heutigen Stellvertreter Daniel Weisskopf übergeben.

