Grünzeug bringt Männer auf die Palme
28.01.2025 KienbergTheaterpremiere vor vollem Haus
Die Idee, die Männer mit sanfter weiblicher Gewalt zu reinen Grünfutterverzehrern umzuerziehen, löst unter den Betroffenen Widerstand aus. Die Komödie «Tierisch vegetarisch» führt drastisch vor Augen, welches Unheil ein ...
Theaterpremiere vor vollem Haus
Die Idee, die Männer mit sanfter weiblicher Gewalt zu reinen Grünfutterverzehrern umzuerziehen, löst unter den Betroffenen Widerstand aus. Die Komödie «Tierisch vegetarisch» führt drastisch vor Augen, welches Unheil ein solcher Plan anrichten kann.
Otto Graf
Tierisch ernst, mit Betonung auf ernst, ging es wohl nur in den patriotisch gefärbten und heimatverbundenen Theaterstücken zu, die nach dem Ersten Weltkrieg bis etwa Anfang der 1960er-Jahre in Kienberg gespielt wurden. Danach, dem Zeitgeist entsprechend, verlagerte sich der Schwerpunkt der Aufführungen auf leicht verdauliche Kost in Form von Komödien und Schwänken.
In der jüngsten Produktion, der 101. in der Kienberger Theatergeschichte, geht es wieder tierisch zu, aber nicht ernsthaft, sondern vegetarisch. So verrät schon der Titel des Dreiakters aus der Feder von Andreas Wening «Tierisch vegetarisch», dass hier der eine oder andere Bissen in den falschen Hals geraten könnte. Es ist das Tierische, welches das Trio Karin, Sabine und Lotti auf die Palme bringt. Denn nach den Schreckensmeldungen über die heutigen Nahrungsmittel rufen sie unter dem Motto «Mein Kühlschrank ist kein Ponyhof» mit Flugblättern und in den Social-Media-Kanälen zum Boykott der Metzgereien auf.
Doch damit nicht genug: Der Verzehr von Fleisch soll sogar generell verboten werden. «In Kienberg wird ab sofort nur noch vegetarisch gekocht und gegessen», heisst es provokativ auf dem Flugblatt.
Überzeugt davon, das einzig Richtige zu tun, servieren die streitbaren Damen ab sofort nur noch vegetarische Gerichte – sehr zum Missfallen der Männer. Diese beschliessen, etwas gegen das diktatorische Verhalten ihrer Frauen zu unternehmen und quartieren kurzerhand eine Sau namens Anita im alten Stall von Karins Mann Norbert ein. Die beiden Nachbarinnen Sabine und Lotti bemerken bald, dass im Stall etwas Unheimliches versteckt sein muss, nachdem sie einen Streit zwischen Norbert und Karin belauscht haben.
Aus dem Namen «Anita», den sie aufgeschnappt haben, folgern sie messerscharf, dass der liebe Norbert im Stall eine Geliebte namens Anita beherbergen muss.
Dann eskaliert die Geschichte: Denn der Hund Sepp bringt den Rammler Herkules des Nachbarn zur Strecke, was zu ersten Spekulationen und makabren Vermutungen führt. Der Metzger Hannes – für die Frauen ohnehin ein rotes Tuch – wird sogar als Auftragsmörder beschuldigt. Und der von einer Pistolenkugel getroffene Grossvater Erwin wird von der Polizei für tot erklärt. Als die Psychologin Anita auftaucht, entwickelt sich das Chaos zu einem katastrophalen Flächenbrand. Mehrere Personen vermuten in der Psychologin die gleichnamige Gestalt aus dem Stall.
Längst ein Selbstläufer
Regisseur Rolf Marti, mittlerweile Ehrenregisseur, der seit 36 Jahren die Fäden in der Hand hält, hat die Komödie an die lokalen Begebenheiten angepasst. Das Ensemble der Theaterfreunde Kienberg hat zu Beginn des zweiten Jahrhunderts seiner Theatergeschichte einmal mehr einen Volltreffer gelandet. Längst sind die Produktionen zum Selbstläufer geworden.
So sind nach der ausverkauften Premiere am Samstag für die weiteren fünf Aufführungen in der ersten Februarwoche nur noch wenige Plätze frei. Für das leibliche Wohl sorgen wie immer der Turnverein und der Damenturnverein Kienberg. Zur Beruhigung: Gerüchte, die Gäste würden mit vegetarischem Essen abgespeist, haben sich als haltlos erwiesen. Gleiches gilt für die essbaren Tombolapreise.
Vorverkauf: www.theater-kienberg.ch oder 079 882 37 87, jeweils montags bis mittwochs von 19.30 Uhr bis 20.30 Uhr.