Griechischi Tragödie
18.06.2026 PersönlichMe ka nit nit kommuniziere. Das het scho vor Johrzähnte der Philosoph Paul Watzlawick kommuniziert. Also: Kommunikation isch alles. Alles isch Kommunikation. Das bedütet au bim gröschte Schwachsinn, wo du produziert hesch, du hesch im Prinzip alles total richtig gmacht. Dy einzig ...
Me ka nit nit kommuniziere. Das het scho vor Johrzähnte der Philosoph Paul Watzlawick kommuniziert. Also: Kommunikation isch alles. Alles isch Kommunikation. Das bedütet au bim gröschte Schwachsinn, wo du produziert hesch, du hesch im Prinzip alles total richtig gmacht. Dy einzig Fähler isch: Du hesch es falsch kommuniziert.
Das hämmer au am letschten Abschtimmigs-Sunntig wiider könne miterläbe. E Jede het Rächt gha. Jede Politiker. Jedi Partei. Die, wo verlore hän, hän eifach ihr berächtigt Aaliige nit optimal kommuniziert. So eifach isch das.
Aber egal! Eigentlig will ich jo e ganz en anderi Gschicht verzelle.
Ich ha in myne junge Johre – also scho vor Ewigkeite – mit mynere domolige Fründin Ferie gmacht in Griecheland. Uff ere gleinen Insle. Imme gleine Steihüüsli zmittz imme grosse, verdroggnete Fäld.
Unsere Vermieter isch e 40-jöhrige Gleibuur gsi. Mit Ganz-Körper-fünf-Tage-Bart. Jede Morge het er uns e riise Schüssle brocht, voll vo Tomate, Aubergines, Truube, Oliven und und und. Mir hän is zwor jedes Mol härzlig bedanggt. Glyychzytig aber hämmer ihm versuecht z vermittle, ass mir die ganze Goobe nie im Läbe in eim Dag könnte verdrugge.
Leider het unsere spändabli Buur numme Griechisch gschwätzt und verstande. Und so simmer mit unserem Latinisch au bald emol am Ändi gsi.
Noch synere täglige Schüssel-Übergoob isch er amme no mit mir hinter s Huus. Dört simmer denn näbenand uff e Steimüürli gsässe. Är het zwei Ziggis dreiht und aafoo brichte. Stargge Tubagg! Ei Gschicht noch der andere het er mer verzellt. Aber ich han en jo nit verstande. Ich ha nit emol verstande, werum är nit verstoht, ass i nüt verstand.
Bis i denn emol lyycht gnärvt in mynere Basler Mundart gantwortet ha, ich heig doch null Ahnig, was är meini. Do het är het gschtrahlt und sofort syni Gschichte no bluemiger usgmolt. Und denn han em eifach bypflichtet. Was en offesichtlig gfreut het. Und mi au. Mir hän is uff d Schultere klopft und mit em Finger zum Horizont zeigt. Und zämme hämmer glacht über unseri Kommunikation.
Irgendwenn het er sy Familie-Foti-Album mitbrocht und är het au zu jedem Bild en Anekdote gwüsst. Und ich hanem vo mynen Eltere brichtet, vo myne Schweschteren und Fründen und Bekanntschafte. Ich han em sogar Sache verroote, won i sunsch no nie öpperem gschtande ha. Sälbschtverständlig unter em Siigel vo der Verschwiigeheit.
Won är aber zu de Hochzytsfötteli ummeblätteret het, hän Dräne syni Stimm broche. Au bi syne Kinder, synere Mamme und sym Papa. Mol het er gschnützt. Mol het er e Krott ewägg ghüeschtlet. Mol het er d Auge griiben oder läär gschluggt. Und bis hütte weiss i nit, ob das eifach Freudeträne vo der Rüehrig gsi sin – oder ob sich hinter däne Fotene nit doch ganzi griechischi Tragödiene verborge hän.
Wie au immer. Är hets uff jede Fall super kommuniziert.
Aernschd Born wohnt in Reinach. Er ist Songpoet, Autor und Kulturschaffender.

