Gotti
05.03.2026 Persönlich«Denn hani die Rinder im Garten unden yygsammlet!», het mir mys Gotti verzellt. Ihri Noochbere häig no gseh, wie sy langsam obenaabe gflatteret sy. Jetz muess ich zum bessere Verstoh notüürlig säge, ass das us Papier usgschnitteni Rinder gsi sy.
Ich ha mys ...
«Denn hani die Rinder im Garten unden yygsammlet!», het mir mys Gotti verzellt. Ihri Noochbere häig no gseh, wie sy langsam obenaabe gflatteret sy. Jetz muess ich zum bessere Verstoh notüürlig säge, ass das us Papier usgschnitteni Rinder gsi sy.
Ich ha mys Gotti ame verrägnete Samschtig zum Zmittag ime Restaurant troffe, wie mir das öppe mache, wenn ich in der Häimet bi. Näbe tiefgründige Gschprööch chönne mir au wäge jeedem Blödsinn lang und härzlig lache. Das isch sit über vierzig Joor scho so.
Ich ha vill schöni Erinnerige, zum Byyspiil het mir mys Gotti mys erschte Cola kauft. Ich bi öppe sibni gsi, z Basel, bimenen Uftritt vo der legendääre Trudi Gerster. Ich weiss nümm, was mir gloost häi, aber i cha my an das tolle Gfühl erinnere – mit em Gotti im Theater und das chalte, chläbrige Glasfläschli Coca Cola in der Hand. Aber jetz wirds kuurlig!
S Trudi Gerster het nach em Uftritt uf der Bühni vorne no Gutzeli für d Chinder aanegstellt. Ich wäiss nümm worum, es het dänk irgend öppis mit em Verzellten uf sich gha. Was i aber no weiss, isch, wie schlimm das gsi isch, wo die berüehmti Trudi Gerster lut mit mir gschumpfe het! Ich ha nämmlig zwöi Gutzi gholt. Eis für mi und notüürlig au eis fürs Gotti. Mit ihrem markante Dialäkt het sy my – us damaaliger Sicht – zämmegschisse! Worschyynlig het sy äifach lieb gsäit «jedes Chind darf nur eis Gutzi neh», oder so. Aber mir isch das derart yygfahre, ass i das bis hüt mit der Trudi Gerster verbind.
Woni Teenager gsi bi, het mi s Gotti in e Schuehmacher-Kurs ins Ämmidaal mitgno. E super Erinnerig, die paar Dääg in däm uurige Hotel beim Schueh zämmenäien und zämme Näie. Myni Schueh häi es schwarzwysses Chuefäll obe druff gha und sy öppe so sexy gsi wien e Velohelm. Mir häi dört vill Spass gha.
Und do schliesst sich der Kreis zu deene Chüeh, pardon, deene Rinder, wo s Gotti im Garte zämmegsuecht het. Sy häig die Rinder us farbigem Papier sorgfältig und äinzeln usgschnitte. Mys Gotti baschtlet eh gärn. Ich ha mol es Gschänggli ime sälber gmachte Seckli übercho. Us eren alte Landcharte, wo s Waldeburgertal druff isch. Si het scho ganz vill schöni, farbigi Summervögel oder chlyyni Müüs mit grosse Waggelauge druff baschtlet und drum hets my nid verwundert, wo sy mit deere Gschicht hindefüüre cho isch. Sy häig die «usgschnittene Rinder» (ich ha das scho zum Göisse gfunde) uf e Fänschtersimse gleit. S Fänschter syg offe gsi und dummerwyys häig der Wind alli zääme mitgno. «Denn sy die langsam aabegseeglet und denn im ganze Garte verstreut ummegläge.» Eis Rind syg sogar im Baum blyybe hange.
D Lüüt am Nääbedisch häi scho biz komisch gluegt, wie mir glache häi. Aber das isch doch s Schöön am Lääbe, ass men über Chlyynigkäite härzhaft cha lache. Und so es härzligs Gotti dörfe z ha.
Marianne Lindner-Köhler, 1981 im Baselbiet geboren und aufgewachsen, lebt mit ihrer Familie in München. Als Mary Long tritt sie auf bayerischen und Schweizer Poetry-Slam- und Kleinkunstbühnen auf.

