Henrik Freischlader lässt Blues hochleben
Henrik Freischlader begeisterte am Samstagabend im Liestaler «Elefantehuus». Mit virtuosem Gitarrenspiel und grosser Spielfreude zeigte der deutsche Gitarrist aus Wuppertal, weshalb er zu den Besten Europas zählt. Ein ...
Henrik Freischlader lässt Blues hochleben
Henrik Freischlader begeisterte am Samstagabend im Liestaler «Elefantehuus». Mit virtuosem Gitarrenspiel und grosser Spielfreude zeigte der deutsche Gitarrist aus Wuppertal, weshalb er zu den Besten Europas zählt. Ein Blues-Abend für die Erinnerung.
Thomas Gubler
Nach einem mehr als zweistündigen Konzert verabschiedete sich der deutsche Blueser Henrik Freischlader am Samstagabend im Liestaler «Elefantehuus» von einem hoch zufriedenen, ja begeisterten Publikum. Freischlader, der zu den besten und bedeutendsten europäischen Bluesgitarristen und -sängern zählt, hatte – unterstützt von seinen Mitmusikern – alles gegeben, was er zu bieten hatte.
Und das war eine ganze Menge. Denn der Bluesgitarrist aus Wuppertal verfügt nicht nur über eine brillante Gitarrentechnik, sondern auch über ein aussergewöhnliches «Bluesfeeling» und über eine schier unglaubliche Spielfreude. All dies war am Samstag ab der ersten Nummer sicht-, hör- und spürbar. «The Messiah Will Come Again» hiess der Eröffungssong, ein Stück der weissen Blueslegende Roy Buchanan. Im Gegensatz zu Buchanan, der kaum je etwas anderes als eine Fender «Telecaster» angefasst hatte, spielte Freischlader den Song mit einer Gibson «Les Paul»– und dadurch weicher und melodiöser als Buchanan das Original.
Es folgte ein abwechslungsreicher Mix aus hartem Bluesrock, Funk-Blues, gemütlichen Nummern wie «Early Morning Blues» oder Bluesballaden wie «New Beginning» oder «She’s Back». Ein Song war gar so brandneu, dass er noch gar keinen Titel hatte. Dass es Freischlader und seiner Band gelang, eine Nummer wie «Breakout» auf über 20 Minuten auszudehnen, ohne dass jemals Langeweile aufkam, spricht für die grosse Klasse der – im Übrigen neu zusammengesetzten – Band.
Die Mitmusiker Dave Warmerdam an der Hammondorgel, Gregor Sonnenberg am Bass und Schlagzeuger Janik Hübsch waren dabei weit mehr als einfach Unterstützer von Henrik Freischlader. Natürlich war dieser der unumstrittene Mittelpunkt. Die Mitmusiker erhielten aber immer wieder Freiräume, die sie auch weidlich zu nutzen verstanden. Insbesondere Organist Dave Warmerdam zeigte, dass die Hammondorgel nicht nur im Jazz und im Rock ihren festen Platz hat, sondern dass man auf ihr auch mächtig «bluesen» kann. Seine «Duelle» mit Freischlader gehörten jedenfalls zu den Höhepunkten des Abends.
Gary Moore als Vorbild
Dass Henrik Freischlader mit seinem Spiel mitunter die eine oder andere stilistische Anleihe bei Peter Green und vor allem bei seinem deklarierten grossen Vorbild Gary Moore macht, ist durchaus gewollt. Tatsächlich braucht sich der 43-Jährige auch vor keinem der Grossen zu verstecken. Diese hätten sich vielmehr darüber gefreut, dass er ihr Erbe – Roy Buchanan, Gary Moore und Peter Green sind alle verstorben – nicht nur bewahrt, sondern weiterentwickelt.
Und noch etwas zeichnet den deutschen Blueser aus: Starruhm ist ihm fremd. Er kommuniziert mit dem Publikum auf Augenhöhe und scheint dies geradezu zu mögen.
Wenn es am Samstagabend dennoch einen kleinen Wermutstropfen gab, dann diesen, dass es im «Elefantehuus» durchaus noch Platz für weitere Zuhörerinnen und Zuhörer gegeben hätte. All jene Bluesfans, die in Liestal nicht dabei waren, haben etwas verpasst und sollten dies bei der nächsten Gelegenheit nachholen.