Kanton will Zustupf durch Eltern verbieten
Schulausflüge im Baselbiet stehen unter Druck. Da Eltern künftig keine Beiträge mehr zahlen dürfen, könnten Schulen Exkursionen streichen. Ein SP-Politiker fordert eine günstigere ÖV-Nutzung, um Bildungsangebote ...
Kanton will Zustupf durch Eltern verbieten
Schulausflüge im Baselbiet stehen unter Druck. Da Eltern künftig keine Beiträge mehr zahlen dürfen, könnten Schulen Exkursionen streichen. Ein SP-Politiker fordert eine günstigere ÖV-Nutzung, um Bildungsangebote ausserhalb des Klassenzimmers zu sichern.
Janis Erne
Ob Römergeschichte in Augusta Raurica, Naturkunde im Wald oder Schlittschuhlaufen auf der Kunsteisbahn – Lernen findet auch ausserhalb des Klassenzimmers statt. Doch genau diese Schulausflüge könnten bald unter Druck geraten.
Denn ab dem 1. August dürfen Schulen im Baselbiet keine pauschalen Elternbeiträge von bis zu 5 Franken pro Ausflug mehr verlangen. Ein neues Merkblatt des Amts für Volksschulen verbietet solche Beiträge ohne Gegenleistung der Schülerinnen und Schüler – etwa durch Kuchenverkäufe oder Aufführungen. Der Kanton verweist auf die Bundesverfassung: Der Schulbesuch hat (komplett) kostenlos zu sein.
Für den Aescher SP-Landrat Jan Kirchmayr ist klar: Das hat Folgen. Er reicht heute einen Vorstoss ein und fordert günstigere Tarife für Schulklassen im öffentlichen Verkehr. Ohne die bisherigen Elternbeiträge könnten Schulen künftig auf Ausflüge verzichten – oder auf private Transportmittel ausweichen, befürchtet Kirchmayr. Er betont: Beides sei «nicht unterstützenswert».
ÖV-Preise steigen
Besonders betroffen seien Primarschulen von finanzschwachen Gemeinden. Sie könnten bei ausserschulischen Lernangeboten ins Hintertreffen geraten, warnt Kirchmayr, selbst Sekundarschullehrer. Das gefährde die Chancengleichheit der Kinder.
Die Ausflugskosten sind kein unwichtiges Detail: Eine Klasse mit 20 Schülerinnen und Schülern aus dem Oberbaselbiet zahlt laut SBB-App für eine Zugfahrt von Sissach nach Basel und zurück rund 200 Franken. Bisher konnten Eltern mit einem Fünfliber etwa die Hälfte übernehmen. Fällt dieser Beitrag weg, bleibt die Rechnung ganz an den Schulen oder Gemeinden hängen. Kirchmayr verlangt deshalb vom Regierungsrat, den öffentlichen Verkehr für Schulklassen im Gebiet des Tarifverbunds Nordwestschweiz (TNW) zu verbilligen. Der Zeitpunkt der geplanten Streichung der Elternbeiträge ist auch deshalb brisant, weil der TNW vergangene Woche bekannt gab, die Tarife durchschnittlich um 3,4 Prozent zu erhöhen. Zug-, Bus- und Tramfahren in der Region wird also teurer.