Gezweifelt, aber nicht aufgegeben
19.03.2026 BaselbietTania Cucè übernimmt das Präsidium der kantonalen SP
Am Samstag wird die gebürtige Lausnerin Tania Cucè mit grosser Wahrscheinlichkeit zur neuen Präsidentin der Baselbieter SP gewählt. Die 36-Jährige wird die Partei ins Wahljahr 2027 führen. ...
Tania Cucè übernimmt das Präsidium der kantonalen SP
Am Samstag wird die gebürtige Lausnerin Tania Cucè mit grosser Wahrscheinlichkeit zur neuen Präsidentin der Baselbieter SP gewählt. Die 36-Jährige wird die Partei ins Wahljahr 2027 führen. Die Herausforderungen sind gross, genauso wie ihr Wille, diese erfolgreich zu meistern.
Tobias Gfeller
Zuerst wollte Tania Cucè kurzzeitig alles Politische hinschmeissen, nachdem sie im Februar 2023 trotz persönlich gutem Resultat die Wiederwahl in den Landrat verpasst hatte. Die Enttäuschung sass tief, als die SP im Wahlkreis Liestal ihren dritten Sitz, den Cucè vier Jahre zuvor noch erobert hatte, abgeben musste. «Ich habe es nicht als persönliches Scheitern empfunden», erinnert sich Cucè. «Trotzdem gab es einen kurzen Moment des Zweifels.» Wenige Tage nach der Enttäuschung passierte das Gegenteil von Aufgeben. «Politik ist nicht nur an Mandate oder Parlamentssitze gebunden. Ich war bereits vor meinen Ämtern politisch aktiv und wollte dies auch nach den Landratswahlen 2023 sein.»
Knapp drei Jahre später steht Tania Cucè vor der Wahl zur Präsidentin der SP Baselland. Sie ist dafür die einzige Kandidatin und wird am Samstag von der Geschäftsdelegiertenversammlung gewählt werden. Sie folgt nach zwei Jahren als Vizepräsidentin auf Nils Jocher, der nach nur zwei Jahren sein Amt niederlegt. Als Parteipräsidentin wird Tania Cucè die SP ins Wahljahr 2027 mit den Regierungsund Landratswahlen im April und den eidgenössischen Wahlen im Oktober führen.
Linksgrün soll geeint sein
Ihre Ziele formuliert sie klar: «Im Landrat wollen wir wieder stärkste Kraft werden, bei den eidgenössischen Wahlen unsere beiden Nationalratssitze verteidigen.» Mit der Wahlreform und mehreren bekannten Köpfen, die von der Amtszeitbeschränkung betroffen sind, dürften die Landratswahlen gerade für die SP wegweisend sein.
Tania Cucè sieht ihre Partei aktuell gut aufgestellt. Als Präsidentin möchte sie den eingeschlagenen Weg weiterführen und die SP weiterentwickeln. Kernthemen bleiben auch unter ihr unter anderem die Kaufkraft und die Gleichstellung mit der Forderung, die familienergänzende Betreuung stärker zu fördern. Der finanzielle Druck sei für viele Menschen im Baselbiet gross, gerade auch für Familien im unteren Mittelstand, die nicht von Prämienverbilligungen bei der Krankenkasse profitieren können. Die Krankenkassenprämien von den Steuern abzuziehen, wie es die SVP mit einer Initiative gefordert hatte, sei nicht der richtige Weg, da davon vor allem Vermögende profitieren, die dies gar nicht nötig hätten, so Cucè.
Sie plädiert dafür, jene Personengruppen direkt zu unterstützen, die dies wirklich nötig haben. Das Baselbiet könne sich weitere lineare Steuersenkungen nicht leisten, wenn es dadurch wie zuletzt erneut zu Kürzungen kommt. Tania Cucè spricht von einem «finanziellen Glaubwürdigkeitsproblem», wenn gespart werden soll, obwohl dann wieder Millionenüberschüsse erzielt werden. «Das können viele Menschen im Kanton nicht verstehen.»
Tania Cucè wünscht sich eine gute Zusammenarbeit von Baselland und Basel-Stadt und generell innerhalb der Nordwestschweiz. Von Isolation hält die 36-Jährige nichts – für das Baselbiet und auch die Schweiz nicht. Isolation kann sich auch die SP selber nicht leisten: Wollen die Sozialdemokraten 2027 erfolgreich sein, müssen die gegenseitigen Misstöne im linksgrünen Lager schnellstmöglich aufhören.
Cucè gibt offen zu, dass das Verhältnis der SP zu den Grünen auch schon besser war. «Einzelne Ereignisse haben dazu geführt, dass das gegenseitige Vertrauen gelitten hat. Durch permanente Gespräche konnten wir bereits wieder eine enge und konstruktive Zusammenarbeit aufbauen. Die wird es auch weiterhin brauchen. Dazu bin ich bereit.» Als Parteipräsidentin könne sie ohne persönliche Vorbelastung die Beziehung zu den Grünen pflegen, betont Tania Cucè.
Das positive Miteinander soll bereits am 14. Juni bei der Ersatzwahl für Isaac Reber (Grüne) in den Regierungsrat fruchten, wenn die SP mithelfen soll, Philipp Schoch zum neuen Regierungsrat zu machen. Im Baselbiet sei ein gutes Miteinander von SP und Grünen und der Parteien in der gemässigten Mitte elementar, um der bürgerlichen Mehrheit Paroli bieten zu können, so die designierte SP-Präsidentin.
Wegen der SVP in der Politik
Tania Cucè ist sich bewusst, dass ein Parteipräsidium als «Knochenjob» gilt. Es wird erwartet, dass die Präsidentin präsent ist – abends und an den Wochenenden. «Ich freue mich auf den Austausch mit der Basis. Es geht darum, die Menschen wirklich ernst zu nehmen, ihre Bedürfnisse und Sorgen anzuhören und nicht zu denken, man wisse als Partei sowieso, wo der Schuh drückt.» Um sich voll auf das Amt als Parteipräsidentin konzentrieren zu können, wird Cucè das Co-Präsidium der Gewerkschaft VPOD Region Basel abgeben. Ihre Mandate bei der Spitex Regio Liestal und beim Räbhof, dem Heim für Menschen mit Beeinträchtigung in Lausen, möchte sie weiterführen.
Cucè sagt von sich, schon immer ein politisch denkender Mensch gewesen zu sein. Aktiv wurde sie in der Phase, als die SVP Schweiz mit mehreren Initiativen gegen Ausländerinnen und Ausländer – unter anderem mit der Masseneinwanderungsinitiative – Politik machte. «Mich beschlich ein Ohnmachtsgefühl. Diese Art der Politik hat mich wütend gemacht. So meldete ich mich 2014 bei der SP Lausen an.» Bereits ein Jahr später kandidierte sie für den Landrat.
Von Lausen nach Liestal
Tania Cucè arbeitet bei der eidgenössischen Steuerverwaltung in Bern. Ihr Partner ist für sie aus Zürich ins Baselbiet gezogen. Um das Pendeln für beide zu erleichtern, ist die Lausnerin vor einem Jahr nach Liestal gezogen. Damit kann sie im kommenden Jahr erneut im Wahlkreis Liestal für den Landrat kandidieren.
Trotz des Wegzugs ist Tania Cucè noch immer stark mit Lausen verbunden. Gerne erinnert sie sich an die Zeit im Turnverein bei der Gymnastikgruppe, die mit unvergesslichen Erlebnissen an Turnfesten verbunden ist. Durch die zahlreichen Feste habe sie das Baselbiet gut kennengelernt, was ihr heute als Politikerin entgegenkomme.
Erholung findet sie beim Spazieren mit ihrem fünfjährigen Hund Dobby. «Die beste Erholung finde ich im Wald und allgemein beim Draussensein. Dort kann ich auch meine Gedanken ordnen oder einfach nur abschalten.» Der Name des fünfjährigen Maltesers zeugt von der Begeisterung von Tania Cucè für die Harry-Potter-Bücher.

