Gewalt zu Hause, Betrug am Handy
24.03.2026 BaselbietPolizei informiert über Bedrohungen für die Bevölkerung
Die Baselbieter Polizei hat gestern die Kriminal- und Verkehrsunfallstatistik für das vergangene Jahr präsentiert. Dabei wurde deutlich, dass Fälle von häuslicher Gewalt sowie Straftaten im ...
Polizei informiert über Bedrohungen für die Bevölkerung
Die Baselbieter Polizei hat gestern die Kriminal- und Verkehrsunfallstatistik für das vergangene Jahr präsentiert. Dabei wurde deutlich, dass Fälle von häuslicher Gewalt sowie Straftaten im Cyberraum zugenommen haben. Die «Volksstimme» geht auf weitere Erkenntnisse ein.
Janis Erne
Wurde das Baselbiet krimineller?
Ein bisschen: Im Vergleich zum Vorjahr sind die Straftaten 2025 leicht gestiegen – von 16 889 auf 17 378. Nach eher ruhigen Jahren hat sich die Zahl der Straftaten zwischen 2023 und 2025 auf hohem Niveau eingependelt. Doch das Baselbiet ist nach wie vor vergleichsweise sicher. Während im Kanton Baselland vergangenes Jahr 53,2 Straftaten pro 1000 Einwohner verübt wurden, waren es in der ganzen Schweiz 61,3. Die kriminellsten Kantone sind Basel-Stadt, Solothurn und Genf. Im Baselbiet kann die Polizei rund jede dritte Straftat aufklären.
Gibt es regionale Unterschiede?
Am sichersten sind die ländlichen Bezirke, also Waldenburg, Sissach und Laufen. Mehr Straftaten gibt es in der Nähe der Stadt Basel. Im Oberbaselbiet stechen Buckten und Sissach hervor; in den beiden Gemeinden wurden 2025 am meisten Straftaten verübt.
Was läuft bei der Cyberkriminalität?
Bei Vermögensdelikten – hier geht es Tätern darum, Geld zu erlangen – hat der Onlinebereich weiter an Bedeutung gewonnen. Sogenannte Cyberdelikte machen mittlerweile 11 Prozent aller Straftaten im Kanton aus. Gemeint sind zum Beispiel Betrugsmaschen im Internet oder per Telefon sowie gefälschte SMS- oder Mailnachrichten, die Opfer auf gefährliche Websites locken sollen. Fabienne Holland, Chefin der Baselbieter Kriminalpolizei, erzählte gestern an der Medienkonferenz in Liestal von einem Fall, bei dem Betrüger die Stimme des Anwalts des Opfers mit KI nachgemacht haben und so um Geldzahlungen baten.
Was sind die Erwartungen?
Laut Holland geht die Polizei davon aus, dass Cyberkriminalität weiter zunehmen wird. Einerseits, weil die Täter immer geschickter werden, andererseits, weil die Bevölkerung zunehmend älter wird und daher anfälliger für Betrugsmaschen ist. «Die Täterschaft geht geplant vor, ist mobil und befindet sich oft im Ausland», sagte Fabienne Holland. Hinzu kommt, dass die Arbeit der Polizei Baselland durch verschiedene Gründe erschwert wird: etwa weil Rechtshilfegesuche durch ausländische Behörden zu lange nicht bearbeitet werden und dadurch wichtige Daten wie IP-Adressen der Täter bereits verschwunden sind. Auch anonyme Kryptowährungen helfen Betrügern.
Wie steht es um die Einbrüche?
Einbrüche und Diebstähle haben im vergangenen Jahr abgenommen – um zwischen 2 und 20 Prozent, je nach Kategorie. Trotzdem sagte Polizeikommandant Mark Burkhard gestern: «Die Zahlen sind nach wie vor hoch. Einbrüche beschäftigen die Bevölkerung weiterhin.» Er ging auf den Sinn von Bürgerpatrouillen ein, wie sie in Burg im Leimental und Sissach gebildet wurden. Burkhard führte Risiken und Chancen solcher Patrouillen auf und kam zum Schluss: «Die Polizei empfiehlt nicht, Bürgerpatrouillen zu gründen.» Falls sie doch unterwegs sind, sollten sie nur beobachten und melden und keine Täter stellen oder Tatorte betreten.
Was ist mit häuslicher Gewalt?
Die für die Sicherheit zuständige Regierungsrätin Kathrin Schweizer (SP) ist beunruhigt: «Der Anstieg bei der häuslichen und sexualisierten Gewalt macht mir Sorgen.» Häusliche Gewalt hat um 42 Prozent auf 540 Fälle zugenommen, sexualisierte Gewalt um 30 Prozent auf 250 Fälle. Darunter befinden sich ein Tötungsdelikt und drei versuchte Tötungen. Schweizer legte Massnahmen dar, die ergriffen worden sind oder kommen sollen, wie eine nationale Notrufnummer für Gewaltopfer. Ob der Trend anhält, bleibt abzuwarten: Wie gestern dargelegt wurde, ist noch nicht klar, ob es sich beim Anstieg der Fälle um eine «reale Zunahme oder lediglich eine Sichtbarkeitssteigerung» handelt, da die Dunkelziffer bei häuslicher Gewalt gross sei, wie Kriminalpolizeichefin Fabienne Holland sagte.
Was zeigen die Verkehrszahlen?
Nach einem Rückgang in den vergangenen sechs Jahren nahmen die Verkehrsunfälle 2025 wieder zu: um ein Viertel gegenüber dem Vorjahr. Insgesamt verunfallten 592 Personen. Unfallschwerpunkte im Oberbaselbiet liegen in Bretzwil (Hauptstrasse/ Reigoldswilerstrasse), Oberdorf (Hauptstrasse/Bennwilerstrasse/Liedertswilerstrasse) und Ramlinsburg (Überführung Hauensteinstrasse/Bärenmattenstrasse), wie Daten aus den Jahren 2023 bis 2025 zeigen. Der Verkehr auf den Autobahnen im Baselbiet war so sicher wie noch nie, hingegen nahmen die Unfälle auf Kantonsstrassen ausserorts stark zu. Auffällig ist auch, dass es deutlich mehr Unfälle mit Velos und sogenannten Trendfahrzeugen wie E-Trottinetts oder E-Rollern gab.
Wie viel brachten Bussen ein?
Wegen eines Entscheids des Landrats musste die Polizei auch Zahlen zu Geschwindigkeitskontrollen und Radarbussen veröffentlichen. 2025 nahm der Kanton mit Bussengeldern 11,4 Millionen Franken ein, das sind 3,1 Millionen Franken weniger als im Jahr zuvor. Grund dafür ist laut Christian Egeler, Chef der Verkehrspolizei, dass der Bund 2024 mehr Kontrollen auf der Autobahn gefordert hatte, die vergangenes Jahr wieder zurückgefahren wurden. Insgesamt hat die Baselbieter Polizei im vergangenen Jahr fast 30 Millionen Fahrzeuge kontrolliert.

