Geringe Menge, erfreuliche Qualität
15.05.2025 BaselbietWeinproduzenten ziehen Bilanz
Im vergangenen Jahr ernteten die regionalen Winzer vergleichsweise wenig Trauben. Grund dafür war das nasse und kalte Wetter. Dennoch konnte qualitativ guter Wein hergestellt werden.
Thomas Gubler
Nach den hervorragenden ...
Weinproduzenten ziehen Bilanz
Im vergangenen Jahr ernteten die regionalen Winzer vergleichsweise wenig Trauben. Grund dafür war das nasse und kalte Wetter. Dennoch konnte qualitativ guter Wein hergestellt werden.
Thomas Gubler
Nach den hervorragenden Weinjahren 2022 und 2023 mit knapp 1000 bzw. 843 Tonnen Trauben mussten die Nordwestschweizer Winzer im vergangenen Jahr unten durch: Mit nur gerade 633 Tonnen war die Ernte die zweitkleinste der vergangenen 10 Jahre (das Frostjahr 2017 mit nur 190 Tonnen wird nicht mitgezählt).
Hauptgrund für die Ertragseinbusse, so Rebbaukommissär Urs Weingartner gestern vor den Medien, waren klimatische Gründe, insbesondere der Kälteeinbruch in der zweiten Aprilhälfte. Dies, nachdem die erste Monatshälfte mit viel Sonnenschein und Wärme zu einem starken Austrieb geführt hatte. In der Zeit zwischen dem 17. und dem 24. April sanken die Temperaturen aufgrund einer Polarluftströmung sechs Mal in den frühen Morgenstunden unter 0 Grad. Die Folgen davon waren nicht die klassischen Frostschäden mit dem Erfrieren der Jungtriebe, sondern «ein langsames Welken und Absterben der jungen Schosse». Der Neuaustrieb der so genannten Nebenaugen war mit einer erheblichen Einbusse an Fruchtbarkeit verbunden.
Das war aber noch nicht alles. Auf die kalte zweite Aprilhälfte folgte ein sehr nasser Mai. Der dadurch entstandene hohe Infektionsdruck, vor allem durch den «Falschen Mehltau», führte zu einem für die Winzer anspruchsvollen Pflanzenschutz; denn häufig waren die Böden derart nass, dass das Befahren zum Ausbringen der Pflanzenschutzmittel fast nicht möglich war.
Ein verhältnismässig kalter Juni wirkte sich negativ auf die Blüte aus. Es kam zu «Verrieselungen», das heisst, zahlreiche Beeren an der Traube bildeten sich nicht aus. Immerhin stellte die Kirschessigfliege 2024 keine namhaften Probleme dar.
Winzer können kreativ sein
Soviel zu den negativen Faktoren. Es gibt aber auch positive. Das quantitativ etwas reduzierte Rebgut erwies sich als von guter Qualität. Und es bildete, so Weingartner, einen «interessanten Ausgangsrohstoff» an Weintrauben, der den Kellermeistern freien Lauf zur Kreativität für spannende Weine gelassen habe. Fazit: «Die regionalen Winzerinnen und Winzer sind mit einem blauen Auge davongekommen.»
Und dies, obschon ein wiederum eher kalter September dazu geführt hatte, dass die gewohnt hohen Öchslegrade diesmal ausblieben. Zwar wurden die Trauben physiologisch reif – aber eben mit etwas weniger Zucker. Ein Umstand, der sich laut Andreas Buser, dem Präsidenten des Verbands der Weinproduzenten Region Basel-Solothurn, gerade beim Weisswein keineswegs nachteilig ausgewirkt hat. «Anders als in den Jahren zuvor hatten wir 2024 genügend Wasser, was die Aromatik begünstigte und die Weine fruchtiger werden liess.» Am Schluss äusserten sich die anwesenden Kellermeister Urs Jauslin (Weingut Jauslin, Muttenz), Ueli Bänninger (Tschäpperli, Aesch) und Thomas Engel (Siebe Dupf, Liestal) zufrieden mit dem Resultat. «Wir freuen uns auf die neuen Weine», sagte Jauslin.
Was das laufende Rebjahr betrifft, so wollte Weingartner den Tag nicht vor dem Abend loben. Dieses habe aber, so der Rebbaukommissär, durch das Ausbleiben der Spätfröste gut angefangen.
Drei Oberbaselbieter im Final
Schliesslich informierte Andreas Buser über die bevorstehende Finalkürung der Staatsweine 2025, die dieses Jahr aufgrund der Terminplanung der teilnehmenden Regierungsmitglieder wesentlich früher als in anderen Jahren, nämlich bereits am 28. Mai, im Schloss Ebenrain stattfindet. 54 Weine wurden eingereicht, eine Fachjury wählte zwölf Finalteilnehmer aus.
Dabei stellt das Weingut Jauslin nicht weniger als fünf der zwölf Finalisten. Relativ gut vertreten ist aber auch das Oberbaselbiet. Der «Kuhstall Maisprach» von Raphael Graf ist mit einer Pinot-Noir-Auslese 2022 und mit einem Kärner 2024 vertreten. La famiglia Fluhberg (Sissach) tritt mit ihrem Muscaris an.
