Gemeinde setzt auf Mehrjahrgangsklassen
18.02.2025 OrmalingenSeit diesem Jahr gehen in Ormalingen Schülerinnen und Schüler mehrerer Jahrgänge gemeinsam in eine Klasse. Damit kann die Gemeinde Kosten einsparen und den Neubau von zusätzlichem Schulraum hinauszögern.
Thomas Gubler
In früheren ...
Seit diesem Jahr gehen in Ormalingen Schülerinnen und Schüler mehrerer Jahrgänge gemeinsam in eine Klasse. Damit kann die Gemeinde Kosten einsparen und den Neubau von zusätzlichem Schulraum hinauszögern.
Thomas Gubler
In früheren Zeiten war es vielerorts der Normalfall. Und in kleineren Gemeinden ist es nach wie vor üblich: Nämlich dass zwei, mitunter gar drei Jahrgänge im gleichen Schulzimmer von derselben Lehrperson oder den gleichen Lehrpersonen unterrichtet werden. Mehrjahrgangsklassen nennt sich diese Unterrichtsform im Gegensatz zur Einjahrgangsklasse.
In der Gemeinde Ormalingen, mit rund 2500 Einwohnerinnen und Einwohnern eine der grösseren im Oberbaselbiet, ist man seit Beginn des Schuljahrs 2024/25 wieder zu dieser Form zurückgekehrt. «Und zwar wird eine 1. Klasse gegenwärtig als Einjahrgangsklasse und eine andere zusammen mit einer 2. Klasse geführt», sagt Schulratspräsident Daniel Gyger auf Anfrage. Zurzeit werde das Konzept für eine Ausweitung des Mehrjahrgangsklassen-Unterrichts auch für die weiteren Schuljahre geprüft. Und zwar ebenfalls so, dass der eine Teil der Schülerinnen und Schüler in einer Einjahrgangs- und der andere Teil in einer Zweijahrgangsklasse unterrichtet wird.
Eine erste Zwischenbilanz möchte der Schulratspräsident erst im Frühling oder Frühsommer ziehen. Man sei zurzeit in einer wichtigen Planungsund Kommunikationsphase und könne gegenüber der Öffentlichkeit noch nicht Stellung nehmen. Klar ist aber für Gyger, dass das Konzept zwar etwas höhere Anforderungen an die Lehrpersonen stellt, für die Kinder aber auch unbestreitbare Vorteile aufweist. Beispielsweise können sich begabte Kinder früh nach oben orientieren.
Sparmöglichkeiten
Das ist jedoch nicht das Motiv für die Ormalinger Behörden. Der Hauptgrund liegt ganz einfach in der angespannten Finanzlage der Gemeinde, die in den vergangenen Jahren immer mal wieder rote Zahlen geschrieben hat. «Bei 33 bis 34 Schülerinnen und Schülern pro Jahrgang und Klassen zu 24 Kindern hatten wir in den vergangenen Jahren immer wieder Minusklassen mit weniger als zehn Schülerinnen und Schülern», sagt Gemeindepräsident Henri Rigo.
Eine Klasse koste die Gemeinde aber rund 300 000 Franken pro Jahr. «Und Minusklassen», so Rigo weiter, «beanspruchten gleich viel Schulraum wie eine volle Klasse.» Das heisst, die Gemeinde kann mit Mehrjahrgangsklassen im Bildungsbereich, der sonst wenig finanziellen Spielraum beinhaltet, ordentlich Geld sparen.
Und dann kommt noch etwas ganz Wesentliches hinzu. «Mit der Wiedereinführung der Mehrjahrgangsklassen können wir den Bau eines nächsten neuen Schulhauses erheblich hinauszögern», so Rigo. Was sich wiederum in der Gemeindekasse positiv bemerkbar macht. Denn ein neues Schulhaus kostet die Gemeinde rund eine Viertelmillion Franken pro Jahr. Und da lohne es sich schon, Alternativen zu prüfen.
Für die Gemeinde bringt das Mehrjahrgangsmodell, mit dem zwei Minusklassen (im Fachjargon Abteilungsklassen genannt) verschiedener Jahrgänge zusammengelegt werden, also vor allem Vorteile. Doch wie beurteilen Schulleitung und Eltern die neue Situation? «Es gab vor einem Jahr Bedenken von betroffenen Eltern», erklärt Schulleiterin Leandra Pronesti. Diese wurden jedoch in Gesprächen mit der Schulleitung besprochen. Den Eltern sei dargelegt worden, welche Massnahmen in der Mehrjahrgangsklasse getroffen würden. So unterstütze die Gemeinde diese Klasse etwa mit zusätzlichen Lektionen. Zudem sei das Lehrpersonenteam sehr erfahren und engagiert. «Dies spüren die Eltern und haben bereits positive Rückmeldungen gegeben», sagt die Schulleiterin.
Die von der «Volksstimme» kontaktierten Eltern standen beiden Modellen im Grundsatz positiv gegenüber.