Gebäude-Aufwertung statt Abriss
26.08.2025 TennikenBebauungsvorschriften und vorhandene Leitungen sprechen gegen kompakten Mehrzweckbau
Nach dem Kauf der Landi-Parzelle im vergangenen Jahr möchte die Gemeinde Tenniken ihr erweitertes Areal zwischen Hofmattweg und Hauptstrasse nun aufwerten. Wie sich zeigt, wäre ein Abriss der ...
Bebauungsvorschriften und vorhandene Leitungen sprechen gegen kompakten Mehrzweckbau
Nach dem Kauf der Landi-Parzelle im vergangenen Jahr möchte die Gemeinde Tenniken ihr erweitertes Areal zwischen Hofmattweg und Hauptstrasse nun aufwerten. Wie sich zeigt, wäre ein Abriss der «Landi» dabei kontraproduktiv.
Christian Horisberger
Zwischen der Hauptstrasse und dem Hofmattweg in Tenniken ist die Gemeinde im Besitz eines grösseren Areals von rund 2400 Quadratmetern Fläche. Es befinden sich darauf die «Milchi», das ehemalige Feuerwehrmagazin, das alte Dorfschulhaus mit dem Kindergarten und einem Versammlungslokal sowie die frühere «Landi» mit dem Dorfladen und einer Café-Ecke, dem einzigen gastronomischen Angebot im Dorf. Die «Landi» samt Grundstück von 400 Quadratmetern hatte die Gemeinde der Landwirtschaftlichen Genossenschaft Tenniken 2024 für 210 000 Franken abgekauft – im Hinblick auf eine sinnvolle und optimale Gesamtüberbauung mit der angrenzenden Parzelle in eigenem Besitz.
Am Freitag war die Bevölkerung eingeladen, sich anzusehen und anzuhören, wie sich zwei Planungsbüros die Entwicklung des Areals mit einer Gesamtfläche von 2400 Quadratmetern vorstellen könnten. Die Baukommission hatte die Architekten Lehner + Tomaselli (Sissach) und Scherer (Liestal) eingeladen, Projektstudien zu entwickeln, wie Gemeinderätin Franziska Buonfrate einleitend ausführte. Dabei sollten die Planer diverse Vorgaben berücksichtigen, die aus einem Einwohner-Workshop im Frühling hervorgegangen waren: Erhalt des Dorfladens, Erhalt oder Schaffung von bezahlbarem Wohnraum und einem Gemeinschaftsraum/Treffpunkt, Schaffung von Grünflächen unter Beibehaltung des Ortsbild-Charakters.
«Landi»-Abriss lohnt sich nicht
Sofern es im gut gefüllten Saal im Dachgeschoss des Schulhauses Menschen gab, die anstelle von «Landi», altem Feuerwehrmagazin und «Milchi» einen Neubau mit Laden, Beiz, Wohnungen und Tiefgarage erwarteten, waren diese auf dem Holzweg. Damiana Imhof von Lehner + Tomaselli erklärte, dass bei einem Abriss und Neubau von «Landi» und Feuerwehrmagazin neue Baulinien zum Tragen kämen: Heute fliesst das Leisimattbächli unterirdisch zwischen der «Landi» und dem Feuerwehrmagazin durch; die beiden Gebäude sind rund drei Meter voneinander entfernt. Liesse man die an den Bach grenzenden Gebäude abreissen, müsste beidseits des Gewässers ein Mindestabstand von drei Metern ab Bachufer eingehalten werden, auch wenn es eingedolt bleibt. «Die ungünstige Parzellenform, der zusätzliche Abstand von der Dole sowie die übrigen gesetzlichen Grenzabstände schränken die Fläche für eine mögliche Bebauung stark ein», ergänzte Architekt Angelo Tomaselli gegenüber der «Volksstimme». Ausserdem: Wegen zahlreicher Leitungen im Boden würde laut Damiana Imhof auch der Bau einer Tiefgarage aufwändig.
Auf die Frage der «Volksstimme», ob der Landkauf aufgrund dieser Parameter rückblickend ein Fehler gewesen sei, sagt Gemeinderätin Buonfrate klar Nein. Es sei von Anfang an klar gewesen, dass die Bebauung eine grosse Herausforderung darstelle.
Doch sei die zentral gelegene Parzelle und was hier entstehe sehr sensibel, und es gehe nicht um Gewinnmaximierung, sondern darum, dem Dorf Raum für spontane Begegnungen zu ermöglichen, «ohne dass die Gemeinde dafür eine zu grosse Belastung erfahren muss».
Aufgrund der baurechtlichen Voraussetzungen sehen beide Planungsbüros den heutigen Parkplatz zwischen dem Schulhaus und der Hauptstrasse als günstigsten Standort für einen möglichen Wohnungs-Neubau als Renditeobjekt für die Gemeinde. Das Liestaler Büro setzte das Mietshaus über dem Parkplatz auf Stützen, um auf den Bau einer Tiefgarage verzichten zu können.
Im Bereich der Bauten am Hofmattweg setzte das Büro Scherer den Wunsch nach einem sozialen Treffpunkt und einer attraktiveren Gestaltung des Gebiets mit einem Raum zum Experimentieren, Lesen, Werken und Musizieren um. Dieser wurde in der Studie im Obergeschoss des Feuerwehrmagazins angelegt, mit einem Zugang über eine Brücke von der «Landi» her und mit einer Rutsche als möglichem Zugang zum erweiterten «Kindsgi»-Spielplatz hin. Im Untergeschoss sollen die unschönen Garagentore entfernt und damit ein direkter Zugang zum Spielplatz ermöglicht werden. Im «Landi»-Obergeschoss sieht die Studie eine Erweiterung der Café-Ecke für kleinere Events vor.
Varianten für drei Budgets
Beide Planer halten am Dorfladen in der «Landi» fest, wobei das Gebäude aus energetischen Gründen mit einer Wärmedämmung zu versehen wäre.
Architekt Angelo Tomaselli präsentierte drei Entwicklungsvarianten fürs kleine, mittlere oder grosse Portemonnaie. Fürs «Mini»-Budget sieht dessen Studie zwei grössere Wohnungen in der «Milchi» vor. Will Tenniken mehr ausgeben, würde mit der Variante «Midi» das Feuerwehrmagazin abgerissen und ein Neubau an die «Milchi» angefügt – ein gemeinsames Treppenhaus mit Lift inklusive. Dabei würden zwei weitere Wohnungen herausschauen. Als «Maxi»-Variante sehen Lehner + Tomaselli anstelle von «Milchi» und Feuerwehrmagazin einen kompletten Neubau mit fünf Wohnungen samt Tiefgarage und für die «Landi» einen Lift vor. Bei der Aussengestaltung setzt das Sissacher Büro in all seinen Varianten auf punktuelle Entsiegelungen von asphaltierten Flächen und die Pflanzung einzelner Bäume.
Gemeinderätin Franziska Buonfrate bat die Anwesenden, per Stimmzettel zu wählen, welche Studie ihnen eher zusagt. Der Gemeinderat werde das Publikumsvotum in die Auswahl des Projekts einfliessen lassen, das weiterverfolgt wird, wobei die beiden Studien in etwa gleichauf lagen. Bereits im September werde der Gemeinderat der «Gmäini» einen Planungskredit unterbreiten, so Buonfrate.
Über den stattlichen Besucheraufmarsch am Freitag freute sich die Gemeinderätin einerseits: Die Tennikerinnen und Tenniker hätten offenbar ein Interesse daran zu erfahren, was aus diesem Areal im Zentrum werden soll. Andererseits bedauere sie, dass nur wenige jüngere Einwohnende an der Präsentation teilgenommen hätten, obwohl die Zukunft des Dorfs doch sie am stärksten betreffe.