Fussballrasen, Schwingfest und die Finanzen
24.02.2026 Fasnacht, Oberdorf21 Gruppen überzeugten am Fasnachtsumzug
Nach drei Jahren ohne eigenes Festbeizenangebot im Dorf hatte das Oberdörfer Fasnachtskomitee am Sonntag ein tolles Programm auf die Beine gestellt: einen farbenfrohen Umzug mit 21 Gruppen, politischen Sujets und Beizen, die bis tief in ...
21 Gruppen überzeugten am Fasnachtsumzug
Nach drei Jahren ohne eigenes Festbeizenangebot im Dorf hatte das Oberdörfer Fasnachtskomitee am Sonntag ein tolles Programm auf die Beine gestellt: einen farbenfrohen Umzug mit 21 Gruppen, politischen Sujets und Beizen, die bis tief in die Nacht offen blieben.
Schnuuri
«Neuer Schwung für die Oberdörfer Fasnacht» – das hatte das Fasnachtskomitee Oberdorf bereits im Januar angekündigt. Und tatsächlich: Der 51. Fasnachtsumzug vom Sonntagnachmittag liess die Fasnachtsherzen höherschlagen. Versprochen hatte das Komitee «eine kleine, aber feine Veranstaltung – ohne Gedränge, mit familiärer Atmosphäre und vernünftigen Preisen». Dieses Versprechen wurde mehr als eingelöst.
Im Anschluss an den Umzug blieben die neuen Fasnachts-Festbeizen im Dorf bis spätnachts offen. In den vergangenen drei Jahren hatte sich das Fasnachtstreiben nach dem Umzug mangels eigenen Festbeizen-Angebots ins Nachbardorf Waldenburg und nach Liestal verlagert – was den Oberdörfer Fasnächtlern nicht gefiel. Das neue Konzept bewährte sich. Das OK um Präsidentin Michèle Ehrenbogen konnte zufrieden sein. Waldenburg verzichtet ab diesem Jahr auf eigene offizielle Fasnachtsaktivitäten; die Waldenburger Aktiven machen nun in Oberdorf oder anderswo mit.
Pünktlich um 14 Uhr – nach zweistündigem Warm-up mit Beizenbetrieb und Guggenmusik, welche die Stimmung bereits ordentlich aufgeheizt hatte – setzten sich die 21 Gruppen und Grüppchen in Bewegung. Guggenmusiken, Pfeifer- und Tambourengruppen sowie Wagencliquen und Kleinformationen zogen durch den Dorfkern entlang der Route Schulstrasse/Dorfmattstrasse. Das Publikum säumte dicht gedrängt die Strassen – es wurde nicht enttäuscht.
Die Sujets der Gruppen griffen grösstenteils das Thema der diesjährigen Blaggedde auf, die einen Schwinger-Ueli und einen Fussball-Waggis in zähem Ringen zeigt – wobei der Ueli kopfunter ist. Die Schwerpunktthemen der diesjährigen Oberdörfer Fasnacht waren klar: das kantonale Schwingfest vom 17. Mai 2026 in Oberdorf sowie die Kunstrasen-Geschichte auf dem Fussballplatz.
Den Zöllen zum Trotz
Die Pfeifer und Tambouren der Dachluckespinner gaben sich an diesem Sonntagnachmittag musikalisch fein, aber politisch deutlich: Mit grossen Hämmern zertrümmerten sie auf der Larve symbolisch die Zölle. Kurzkommentar zu den Trumpschen Zöllen: «Dasch dr Hammer.» Dazu haben die Dachluckespinner auch einen Zeedel gedichtet, unter dem Titel «Hammer – Hämmer – Behämmeret» – zur Melodie des Kinderlieds «Dr Peter schafft mit eim Hammer». Eine der verschiedenen Zoll-Ideen lautet: «Do setti d Gmein halt Zöll erhäbe, Zöll erhäbe uf alle Whi us frömde Räbe, grad so.» Aber es gibt auch einen tröstlichen Vers, ganz im Sinne der positiven Fasnachtsstimmung: «Will alles gar kei Wärt me het, Wärt me het, möche mir s mit Fasnacht wett, grad eso!»
Die Gwaageschränzer aus Hölstein traten als Zahnfeen auf – hellblau-weiss kostümiert, mit bleichem Gesicht und breitem, zahnbewehrtem Lachen. Sie heizten die Stimmung bereits vor dem Umzug mit einem Guggenfest in der Schulstrasse an.
Auf einem Wägelchen thronte der «Papst», umgeben von Schweizergardisten in historischer Uniform und mit grossem Sternenbanner. Auf einem Plakat stand: «Sonst steh’n wir still im Vatikan, bewachen treu den heiligen Mann. Doch heute zieh’n wir durch Narrenland, mit der Hellebarde in der Hand.» Die Gruppe nennt sich «BFF» – was laut den «Gardisten» schlicht «Bier for Fun» bedeutet. Bewachen macht eben durstig.
Viele originelle Kleingruppen
Die Wagenclique Zapfhahnbisser Seebä aus Seewen übte sich in Polizeikritik, die Gassespränger aus Waldenburg spielten verwegene Männer, die Au-Rugger aus Oberdorf zierten ihre Hüte mit Efeu. Die Wagenclique Dorfgassschlurbi aus Niederdorf kommentierte die hitzige Kunstrasendebatte in Oberdorf trocken: «Kunscht uf em Rase, wo mir kenne, isch, wenn 22 Mensche eme Ball nocherenne.»
Auch die vielen originellen Kleinformationen fielen auf. Eine Gruppe stellte nüchtern fest: «S Tal isch am chränkle» – mit aufgehängten Medikamentenschachteln am Zugfahrzeug. Eine andere zeigte Swiss-First-Fähnchen über einem Holzwägelchen voller Kleinkinder.
Es liesse sich noch viel über den diesjährigen Umzug erzählen – und eigentlich würde jede teilnehmende Person einen eigenen Absatz verdienen. Nur noch so viel: Der Fasnachtsumzug in Oberdorf war ein gelungener, gut besuchter Anlass mit viel Herzblut und noch mehr Konfetti. Dass auch die Sonne gnädig mitspielte, machte das Erlebnis vollends. Es gab viele fröhliche Gesichter – und das ist am Ende schliesslich das Einzige, was wirklich zählt!





